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| 1. Die Liebe des Ludwig |
| 2. Die Liebe der Ingrid |
| 3. Die Hiobsliebe |
| 4. Die Liaison |
| 5. Das Neue |
Ausstattung:
Eine zweigeteilte Bühne, links ein Friedhof, rechts ein Gerichtsflur, mit Holzbänken, Anwälten in Roben als Statisten.
Personal:
| Ludwig | ein Industrieller |
| Herta | seine Frau |
| Anwalt | ein Anwalt |
| Heinrich | ein Friedhofsarbeiter |
| Heike | eine Tochter des Industriellen |
| Wächter | ein Wachmann |
| Pfleger | ein Krankenpfleger |
| Arzt | ein Arzt |
| Putzfrau | eine Putzfrau |
1. Akt
Was man sieht:
Rechts sitzt Ludwig neben seinem Anwalt auf einer Holzbank, links ein Friedhof, eine Schubkarre schiebt sich in das Bild, hinter ihr, sie schiebend, Heinrich. Und hinter der Tür zum Friedhof ein Tisch, ein Stuhl, auf dem ein Wachmann sitzt, Papiere sortierend, und jüngste BildZeitung lesend.
| Heinrich: | Die Pflanzen wachsen gut hier. Gute Erde. In meinem Garten wollen sie nicht so richtig. Sogar die Kartoffeln sind mir eingegangen. Und hier, reißt ein wenig Unkraut aus dem Boden vor einem Grabstein, hier wächst alles. Voran natürlich das Unkraut. Aber alles andere, was man noch so zum Leben braucht, Radieschen, Erdbeeren, Orangen, wachsen hier auch, gut.
Weiß auch nicht, wer den Orangenbaum gepflanzt hat, er war plötzlich da. Vorher war er nur ein Baum, grün, keiner beachtete ihn, dann, eines Tages, fand sich an ihm, dort steht er, eine Orange. Ich hab die erste gekostet, schmeckt auch, gut.
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| Ludwig: | Was meinen sie. |
| Anwalt: | Sie wissen doch, vor Gericht und auf hoher See ... |
| Ludwig: | Ihr Gefühl ... |
| Anwalt: | Mein Gefühl, hmh, es kommt darauf an ... |
| Ludwig: | Auf was kommt es an ... |
| Anwalt: | Es kommt darauf an, wie sie entscheiden werden. |
| Ludwig: | Ja, natürlich kommt es darauf an, wie sie entscheiden werden. Die Richterin, ich glaub, sie mag mich nicht, wissen sie, sie hat mich immer so komisch angeschaut, als wollte sie gleich das Urteil selbst vollziehen, mit dem Messer, wissen sie. |
| Anwalt: | Das kann täuschen. |
| Ludwig: | Und der Herr rechts neben ihr, ein komischer Kauz, der scheint noch nie in seinem Leben einen Porsche gefahren zu haben. |
| Anwalt: | Wenn sie sich da mal nicht täuschen. |
| Ludwig: | Und die mit den blonden Haaren, die links neben der Richterin saß, sie schaute immer so gelangweilt, als wenn sie bereits den Schuldspruch formuliert haben würde. |
| Anwalt: | Ach, so schauen viele von da oben herunter, das kann täuschen. |
| Ludwig: | Was sie nicht sagen. Wissen sie, wenn sie sich täuschen, dann werde ich wohl ein paar Jahre weggeschlossen werden, wissen sie. |
| Anwalt: | Ich will ja nicht sagen, daß sie nicht doch auch Recht haben könnten, mit ihren Vermutungen. |
| Ludwig: | Ja, so ist es. |
| Anwalt: | Sie werden wohl noch ein zwei Stunden tagen. Ich gehe in die Kantine, möchten sie mitkommen. |
| Ludwig: | Nein. Ich krieg jetzt sowieso nichts herunter. |
| Anwalt: | Meine Nummer haben sie ja, falls sie doch, wider Erwarten, etwas früher ihr Urteil fällen. |
| Ludwig: | Sicherlich. |
| Anwalt: | Bis gleich. |
| Ludwig: | Ein Anwalt, wie man ihn sich wünscht. Na, er verliert ja nicht Haus und Hof. Aber so weit, so weit, haben sie mich noch nicht. Aktienspekulationen, sagen sie, das ich nicht lache. Das macht doch jeder so. Jeder der sich auskennt macht das so. Das bleibt doch nicht aus. Woher auch. Also, die Rechnung ist ganz einfach aufzumachen. Wenn sie wissen, daß ihr Nachbar unbedingt dreitausend Euro benötigt, würden sie dann sein Auto für fünftausend kaufen? Nein, natürlich nicht. Nur Idioten würden so handeln. Informationen sind unser Leben. Ja, wir leben in einer Informationsgesellschaft. Ergo, wer die richtigen Informationen hat, der kann daraus Kapital schlagen. So funktioniert eben: Kapitalismus. |
Heike tritt auf, die Tochter will etwas mit ihrem Vater besprechen, wohl.
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| Ludwig: | Schön, daß du doch noch gekommen bist, Kind. In zwei Stunden werden sie wohl ihr Urteil sprechen. |
| Heike: | Viel Glück, Papa, wird schon nicht so schlimm werden. Weißt du, ich könnte heute Nacht bei Olaf übernachten. Bitte Bitte, in seinem Zimmer stehen auch zwei Betten. |
| Ludwig: | Kind, du bist gerade 14. |
| Heike: | Fast 15. Hast du kein Vertrauen? Den Olaf kenn ich doch schon seit der Grundschule. |
| Ludwig: | Meinst du? |
| Heike: | Ja, vertraust du mir etwa nicht. |
| Ludwig: | Vertrauen, Kind, ist ein Wort für Idioten. Ich möchte dich heute Abend pünktlich um neun Uhr zu Hause sehen. Ist das klar. Und was sagt überhaupt Mutter dazu? |
| Heike: | Sie? Ach sie, du weißt doch, sie ist so schrecklich konservativ. Aber du, Papa, du bist doch n' Liberaler. Nun sag schon ja. Olaf wartet draußen auf mich. Eigentlich hab ich ihm schon zugesagt. |
| Ludwig: | Nein, es bleibt beim NEIN, mein Kind. |
| Heike: | Mist. |
Heike geht hinaus.
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| Ludwig: | Kinder! Kinder in die Welt setzen ist leicht. Ja, bei uns hat das beim siebenten Anlauf geklappt. Nicht, daß es an mir lag, nein, auch nicht an meiner Frau, ein liebenswertes Geschöpf. Die Natur wollte eben nicht so recht. Was haben wir es getrieben. Stehend sitzend, liegend, das gesamte Stellungs-Vokabular haben wir benutzt, es hat nichts genutzt. Bis wir dann, meine Frau war von dieser fixen Idee nicht abzubringen gewesen, zu solch einer Embryoeinpflanzungsklinik gingen. Sechs Mal haben wir es probiert, nichts geschah recht, erst beim siebenten Mal, als wir uns einfach nur ausruhten und dafür die kleine Heike, sie war damals noch so klein zeigt ein kleines Bündel Mensch adoptierten, gelang es. Gut, sie schaut nicht gerade sehr deutsch aus, aber sie, meine Frau, war gleich vernarrt in die Kleine. Als wenn Gott sie uns gesandt hätte. Ein Gefühl, als sie dann bei uns, das erste Mal, war, kaum zu beschreiben. Vater! Ja, Vater! Und doch, Vater sein ist schwer.
Geht umher, schaut herum, schaut auf die Uhr wie dumm, eine halbe Stunde scheint vergangen.
Wo bleibt nur der Anwalt, dieser Winkelverdreher, Paragraphenreiher, Diplomat im persönlichen Dienst. Wie der sich immer ausdrückt. Als wollte er aus jedem quadratischen Zimmer einen kreisrunden Raum machen. Aber er soll der Beste seines Faches sein! So sagt man jedenfalls, ein besonders versierter Fachmann auf dem Gebiet des Strafrechts. murmelt Keine Strafe ohne Recht. Kein Recht ohne Strafe. Kein Recht ohne Strafe. Keine Strafe ohne Recht. Keine Strafe ohne Recht. Kein Recht ohne Strafe. laut Man sollte das Strafrecht abschaffen. Ja, wo bleibt das Gottvertrauen?, wenn man alles in die eigene Hand nehmen will. Soll Gott doch strafen. Gut, die Leviten hatte er extra als seine Helfer verpflichtet. Aber hier sind keine Leviten, mehr. Was soll also das ganze Strafen. Strafe bringt auch gar nichts, rein gar nichts. Menschen tun sowieso was sie wollen so lange sie leben.
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| Heinrich: | Wieder ist ein Mensch gestorben und sucht Beileid. Mein Beileid hat er.
Nimmt einen Spaten und hebt eine Grube aus. Bei Leid. Leid ist alles was wir hier leben. Und dennoch gibt es im Tode nur Beileid. Beifroh wäre doch auch mal etwas. Mein Beifroh Frau oder Herr sowieso. Das könnte man doch auch mal, Mist, eine Wurzel. Die Wurzel allen Übels ist, daß der Friedhof immer wieder mit Bäumen bepflanzt wird. Und ich muß es dann immer wieder ausbaden, diese menschliche Unvernunft. Wer käme sonst auch, außer der Mensch, auf die blöde Idee, einen Friedhof mit Bäume zu bepflanzen, wo man doch weiß, daß der Totengräber damit eine irrsinnige Arbeit hat, ein Mensch will schließlich erst einmal eingebuddelt sein, runde zwei Meter tief, 80 Zentimeter breit und rund 2 und einen halben Meter lang, bevor er bis zur Auferstehung oder zwanzig Jahre ruhen darf. Gut, Kindersärge sind einfacher, wenn man allein das Graben nimmt, das Herunterlassen ist wiederum beim Kind schwerer, obwohl, der Sarg wiederum leichter ist. Nun hab ich sie. Holt ein Stück der Wurzel aus dem halbtiefen Loch.
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| Ludwig: | Wo bleibt er nur? Wofür bezahl ich ihn? Dafür, daß er sich in der Gerichtskantine seinen Magen voll haut! Ich faß es nicht. Gleich werden sie mich aufrufen, und der Anwalt ist nicht da. Sie verurteilen mich, so wird es kommen, ohne Rechtsbeistand. Aber laß sie nur, laß sie nur, werde ich eben, wegen Verfahrensfehler in Revision oder Berufung gehen. Mein Gott, mit einem Richter vom größten deutschen Gerichtshof habe ich erst neulich zu Abend gegessen. Ein vorzüglicher Mensch. Gar nicht so, wie man sich einen Juristen vorstellt. Mehr gerade heraus, weniger abwägend. Der sieht, wenn einem Unrecht widerfährt. Und dann reagiert er eben. Die Gesetze werden da nur zu Begründungsvehikeln der sich aufdrängenden Gerechtigkeit. Aktienspekulationen! So was macht doch jeder vernünftige Mensch. Na, wenn die jetzt rauskommen, und mich ohne Anwalt aburteilen, dann werden wir uns beim höchsten Gericht wieder sehen. Frau Richterin. Und sie, Trabantfahrer und sie, Blondgelockte. Ich werde alle verklagen, wegen ... na sie werden schon sehen. Verklagen werde ich sie. Dann werden sie ja sehen, wie sich so etwas anfühlt, verklagt zu werden.
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| Heinrich: | Ich mag Friedhöfe. Diese Ruhe. Und alle Menschen sind - hier - nett. Keine Intrigen, keine Verleumdungen, auch keine anderen Verbrechen. Ich hab, neulich, meine Brieftasche an einem Grab liegen lassen, der Begrabene, er heißt übrigens Diedrich, dort hinten liegt er bereits seit einigen Jahren recht unauffällig, zeigt zum Grab, hat sie natürlich liegen gelassen, aber auch die lebenden Besucher des Friedhofes haben die Brieftasche nicht angerührt. Das ist wohl der Ort. Hier werden alle lammfromm. Selig. Glaub ich jedenfalls. Nur die Blumen nehmen sie gerne mal mit. Aber sonst, das reinste Paradies hier. Glaub schon, so möchte man sich das Paradies doch vorstellen. Voller Ruhe, grünbelaubt und so frisch, so wenig abgenutzt vom Leben, wie sonst doch alles so abgenutzt ist. Die Straßen, die Gehwege, die Autos, die Kleidung, selbst die menschlichen Körper, alles nutzt sich ab. Hier dagegen, das pralle Leben. Wohin man schaut, nichts nutzt sich ab, weil es eben nicht gebraucht wird, nur dahin steht, liegt, wie von Gott hingepinselt. Selbst wenn ein Stein zu kippen droht, die Schrift auf ihm nicht mehr zu erkennen ist, bleibt er doch unabgenutzt, da er nicht vom Leben genutzt wird. Er fügt sich dem obligatorischen Energieerhaltungssatz, nichts kann verloren gehen, außer durch das Leben selbst. Dann bleiben nur Erinnerungen. Aber was sag ich. Die Arbeit wartet und ich rede hier herum, über's Paradies! Als wäre uns der Friedhof nicht Paradies genug.
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| Ludwig: | Nur noch Minuten, sicherlich, und mein werter Anwalt kommt nicht. Was ich verdient habe, an den Aktien? Was weiß ich, sicherlich mehr als eine Million, können auch drei sechs oder neun gewesen sein. Aber ich habe niemanden geschädigt. Auf diese Feststellung lege ich wert. Schließlich weiß doch jeder, auf was er sich da einläßt, beim Aktienkauf. Es ist wie beim Mehlkauf. Steht ein Krieg bevor, kaufen alle Mehl. Ganz einfach. Und das Mehl wird teurer und teurer. Es entpuppt sich als eine todsichere Geldanlage, der Wert des Mehles steigt und steigt um hunderte Prozente. Findet nun jedoch kein Krieg statt, sinkt der Preis des Mehles wieder, er fällt. Punkt. Dumm sind nur die dran, die erst zu spät erfahren, daß der Krieg nicht stattfindet. Recht gut trifft es dagegen jene, die es erfahren, und schnell wieder verkaufen, bevor es die anderen wissen. Und die Profis, mein Gott, wir Profis kaufen und verkaufen das Mehl nur dann, wenn wir eine sichere Informationsquelle haben. Am besten, man kennt den Kriegsminister, ganz einfach.
Und da können sie noch so munkeln, solche Geschäfte seien nicht korrekt, so funktioniert eben das Leben. Hätten Adam und Eva gewußt, was sie, mit all den bekannten Konsequenzen, anrichten würden, mit ihrem Apfelklau, gut, dann hätten sie doch diese Informationen besser genutzt. Wir würden jetzt alle im Paradies leben. Kein Leben würde uns stören beim Leben, auch nichts Menschliches und Unmenschliches, keine Bomben sollten uns per Luftfracht zum ewigen Eden befördern, es gäbe keine Kriege, keine Siege und kein Ozonloch. Und ich würde sicherlich nicht vor einem Gericht stehen, wegen angeblicher Aktienspekulationen. |
Herta erscheint, die Ehefrau des Industriellen Ludwig. Umständliche Küßchenbegrüßung.
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| Herta: | Ludwig, komme ich noch rechtzeitig, ja. |
| Ludwig: | Was heißt schon rechtzeitig, Herta, sie werden bereits entschieden haben, nur gesagt, das Urteil gesprochen haben sie noch nicht. |
| Herta: | Und dein Anwalt? |
| Ludwig: | Was soll schon sein, der sitzt seelenruhig in der Kantine. Der Beste seines Faches! Er versteht es zumindest, nicht besonders interessiert zu sein, an meinem Fall, als sei ich ihm lästig, verstehst du. |
| Herta: | Dann bist du wohl kein besonders schwieriger Fall. Da können wir doch froh drüber sein. umarmt ihn Du, Ludwig, das bin ich von dir gar nicht gewohnt, daß du kein schwieriger Fall bist. |
| Ludwig: | Ich bitte dich, nicht jetzt, Herta, kurz vor dem Richterspruch und du ... du machst hier deine Späße. |
| Herta: | Manches kann man nur mit Humor ertragen, Ludwig, das weißt du doch. |
| Ludwig: | Wenn das Gefangenendasein lockt, weißt du, dann geht mir keine Komik mehr ab. Dann weicht von einem alle Lockerheit. Dann bist du plötzlich wieder Mensch, denn da darfst du es nicht sein, weißt du. Nur ein Idiot kann über solche Zukunftsaussichten lachen. |
| Herta: | Und du bist keiner, ich weiß. |
| Ludwig: | Nun sei nicht gleich sauer. Versteh doch, nun heul nicht gleich, es wird schon alles gut werden, alles wird gut, wirklich richtig gut. Hier nimm. Gibt ihr ein Taschentuch. |
| Herta: | Das hat mir Nina auch gesagt, erst neulich wieder. |
| Ludwig: | Siehst du, selbst deine Freundinnen sagen es. Alles wird gut. |
| Herta: | Im Fernsehen sagen sie eben so manches. |
| Ludwig: | Sie war sogar im Fernsehen? |
| Herta: | Nina?, natürlich. |
| Ludwig: | Davon hast du mir ja noch gar nichts erzählt, Herta. |
| Herta: | Ist ja auch banal, so unwichtig, weißt du. Wichtig bist allein du. |
| Ludwig: | Das hast du gut gesagt, wirklich gut gesagt. |
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Heike erscheint nochmals, grüßt die Mama.
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| Heike: | Haben sie das Urteil endlich gesprochen. Nein? Ihr wartet noch. |
| Herta: | Kind, so ist es. Wir warten noch, so ist das eben am Gericht. |
| Ludwig: | Das ist doch alles nur Taktik. Ich verstehe das ganz genau, dieses Gehabe. So hält man seine Geschäftsfreunde auch dahin. Wenn ein wichtiger Abschluß bevorsteht und man will noch einmal den Preis drücken, dann muß man den ersten Termin einfach absagen, wegen Zeitgründe oder so. Dann denken die Herren nochmals nach. Und, wenn alles gut geht, kann man ein hübsches Sümmchen sparen. |
| Heike: | Papa, wie du es mit den Handwerkern getan hast? |
| Ludwig: | Kindchen, nicht alles durcheinander bringen. Handwerker läßt man immer warten. |
| Herta: | Ludwig, nun erzähl ihr doch nicht sowas, unser Nachbar, der Herr Lieberau hat deshalb sogar seine Firma aufgeben müssen, schrecklich, so etwas. |
| Ludwig: | Kind, wenn ich so veranlagt wäre, wie deine Mutter, dann würden wir jetzt im Armenhaus sitzen, glaub es mir. |
| Heike: | Ich fand sie ganz nett, die Lieberaus. |
| Ludwig: | Kind, wenn du Betriebswirtschaft studieren willst, und das willst du doch noch Heike nickt gut, dann darfst du nicht zimperlich sein. Du darfst nur an deine eigenen Geschäfte denken, alles, was für deine Geschäfte gut ist, kannst, ja mußt du tun, verstehst du? Moral ist etwas für Idioten, glaub es mir, zumal in der Geschäftswelt. |
| Herta: | Aber so einen kleinen Handwerksbetrieb in die Pleite treiben, hör mal Ludwig, da muß es doch aufhören. |
| Ludwig: | theatralisch To be or not to be, das ist hier die Frage! Er oder ich. Mein Geschäft oder sein Geschäft, diese Frage muß man sich ständig stellen, denn kein Geschäftspartner schenkt dir etwas, keine müde Mark, und recht keinen Euro. |
| Heike: | Deshalb hast du also nicht die Rechnung bezahlt, es ging dir gar nicht um die Mängel, und ich dachte schon, du bist so ein oller Pedant, so einer wie mein Mathelehrer. |
| Ludwig: | Kind, richtig erkannt. Nutze formal legale Mittel, um deine Ziele zu erreichen. Jeder weiß doch, so ein Krauter hält einen langen Prozeß nicht aus, bis dahin ist er längst pleite und man spart sich ein kleines Vermögen. |
| Herta: | Was ihr da nur gelernt habt, Ludwig, im Studium, schrecklich. |
| Ludwig: | Ja, meine liebe kleine Germanistin, das, was ich so Schreckliches gelernt habe ermöglicht es uns, eine Villa zu besitzen, ein Ferienhaus auf Mallorca, eine Stadtwohnung in Paris und, nicht zu vergessen, die Privatschule für Heike zahlen zu können, unserer Tochter, aus der mal etwas Anständiges werden soll. |
| Herta: | Mußt du es wieder sagen. Immer und immer wieder sagen. Am besten, du erzählst mir nichts von deinen Geschäften, sonst verliere ich noch meinen gesunden Schlaf an irgend welche Alpträume. |
| Heike: | Mama, laß ihn nur reden, übrigens soll ich dich wegen Olaf fragen. Ich möchte bei ihm übernachten, natürlich nicht, was du jetzt denken könntest, er läßt extra ein zweites Bett in sein Zimmer stellen, alles ganz easy, weißt du. |
| Herta: | Und Papa hat nein gesagt? |
| Heike: | Nicht direkt, ich soll dich fragen. |
| Herta: | Olaf ist doch der Kurze, der mit der übergroßen klugen Brille, der Mathematiker, mit dem du immer Mathe übst. |
| Heike: | Ja. |
| Herta: | Meinetwegen kannst du bei ihm übernachten. schaut zu Ludwig |
| Ludwig: | Na, nun geh schon, ehe Mama es sich anders überlegt. |
| Heike: | Viel Glück, Papa. |
Heike geht, Ludwig und Herta bleiben.
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| Herta: | Ludwig, du bist nicht böse, wenn ich auch gehe. Das dauert mir hier doch ein wenig ... |
| Ludwig: | Geh, geh schon, du hast sicherlich wichtige Termine. Beim Frisör. Das kann hier noch ewig dauern. Bis dahin hast du Strähnchen in zehn verschiedenen Farben in deinem Haar. |
| Herta: | Also Ludwig! Ich treffe mich mit dem Literaturagenten. Du weißt doch. Ich möchte wieder als Germanistin arbeiten, weiß doch keiner, wie die Zukunft aussehen wird. Auch ist die Kleine fast erwachsen, sie braucht mich kaum noch. |
| Ludwig: | Entschuldige, für den - kleinen - Ausraster. Ich hatte nicht mehr dran gedacht, an deine Selbstverwirklichungspläne. Sollst du ruhig etwas tun, sollst du ruhig. |
| Herta: | Was meinst du, wie lange wird es hier noch dauern? |
| Ludwig: | Ich weiß auch nicht, mein Schatz. Noch eine Stunde oder zwei? Ich weiß es nicht. Komm doch einfach wieder vorbei, wenn du mit dem Agenten genug geplaudert hast. |
| Herta: | Wie du willst. Es wird wohl rund eine Stunde dauern. Ich treff mich mit ihm in der Hotellobby, gleich nebenan. Fünf Minuten Fußweg und ich bin wieder bei dir, Ludwig, halt die Ohren steif, hörst du, laß dich nicht unterkriegen. |
Sie küssen sich flüchtig, Herta geht, Ludwig bleibt.
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| Ludwig: | Nun steh ich hier, ganz allein, ohne Kind und Weib, sollte dies der Erkenntnis letzter Schluß sein? Mein Gott, wo bleibt nur dieser verfressene Anwalt, dieser Dickbauch, das Fettgesicht. Mein Gott, ich werde doch noch selbst das letzte Wort halten müssen. Ich werde es mir einfach holen, auch wenn ich es vorhin -gutgläubig- links liegen ließ, auf Anraten meines Anwalts. stellt sich auf zum Vortrag
Sehr geehrte Damen und Herren, nein so geht es nicht, niemals, ich bin doch nicht auf einer Betriebsversammlung, hier.
Hohes Gericht, schon besser, aber irgend doch zu devot
Sehr geehrte Richterin, wie hört sich das nur an
Guten Tag, nein, das geht auch nicht, einfach guten Tag sagen, man hat sich ja schließlich bereits gesehen
Liebes Gericht, woher kommen bloß diese Vokabeln, liebes Gericht, so ein Blödsinn, so was sagen doch nur Idioten
Wertes Gericht, ja das hört sich, schon besser
beginnt nun endgültig
Wertes Gericht, sie sehen hier einen Menschen vor sich, der sich noch nie in seinem Leben etwas zu Schulden kommen lassen hat. Nie habe ich gestohlen, betrogen, oder gar vergewaltigt, geschlagen, gemordet, noch nicht einmal einer Fliege habe ich das geht nicht, das mit der Fliege muß ich weglassen, das ist hmh zu unglaubwürdig also, nie habe ich, wissentlich - ja das ist gut - wissentlich einem anderen Menschen Leid zugefügt. Punkt und Pause. Man muß auch Pausen machen können, wo sie denn passen, hier paßt sie sicherlich. Sollen sie doch erst einmal verdauen, daß hier ein wahres Unschuldslamm - wenn auch befleckt- vor ihnen steht. Nun noch ein paar Worte zur Versuchung. Wertes Gericht, konnte ich überhaupt erahnen, welche Folgen es haben könnte, strafrechtlich, wenn ich diese Information für mich nutze. Nein, natürlich nicht. Ich komme aus der Wirtschaft, und dort sind Informationen überlebenswichtig, da fragt man nicht, ob man sie nutzen darf oder nicht. Welch blödes Gestammel, ich sollte so etwas erst gar nicht sagen, das klingt ja wie ein Schuldeingeständnis. Wertes Gericht, ich hatte nie die Absicht, gegen das Aktienrecht zu verstoßen, Nein nein nein, so geht es nicht, anders anders anders ... denkt nach so müßte es gehen. Wertes Gericht, es kommt mir nicht an, mich selbst zu verteidigen. ja, das hört sich doch gut an, nur so weiter Wertes Gericht, es kommt mir nicht an, mich selbst zu verteidigen. Wer bin ich, daß ich das wollte. Ich habe nur mein Handeln darzustellen, und das war, um es einmal vorweg zu nehmen, überaus korrekt, ja, anständig. Gut, ich habe eine bestimmte Information genutzt aber hätte sie nicht auch jeder andere nutzen können? Schließlich stand sie doch im Geschäftsbericht der Firma, man mußte lediglich lesen können, und dazu mußte man gerade nicht Mitglied im Aufsichtsrat gewesen sein. ganz gut, mein Freund, nun zum Ende Wertes Gericht, ich habe also nichts Unrechtes getan. Lassen Sie mich als unbescholtenen Bürger diesen Gerichtssaal verlasssen, der Gerechtigkeit wäre damit Genüge getan. Ich appelliere an ihren gesunden Menschenverstand, lassen sie nicht Recht zu Unrecht werden, lassen sie nicht Paragraphen über das Leben siegen, lassen sie nicht die Berichterstattung in der Presse einen Prozeß entscheiden. setzt sich wieder auf die Bank, schaut ins Leere
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| Heinrich: | Sollen ja für den Gerichtstag aufgehoben werden, die Gebeine. Sollen dann wieder auferstehen, so sagt man. Glaub ich kaum. Was weg ist, ist weg, wird nicht mehr, wenn ich einen Apfel esse, ist er weg, selbst wenn ich den Rest verbuddele. Soll es etwa mit den Knochen anders sein?
Neulich war ich im Vatikan. Der, der in Rom steht. Dort gibt es ja dieses vorzügliche Gerichtsbild von diesem, wie heißt er doch gleich, ich glaub Michael de Angelo oder so, beinahe ein Engel, glaub ich, ein Erzengel sagt man auch, dieser Michael. Gut, dieses Bild ist genau dort, wo sie sonst den Papst wählen. Der hat dann immer gleich den Gerichtstag vor Augen, kann sich erkundigen, wie er ausschauen mag, dieser Tag. Da geht es ganz schön zur Sache. Drunter und Drüber. Und die Wenigsten kommen nach oben, zu dem lieben Herrn Gott, die meisten kommen in den Heizungskeller, wie ich immer sag, zum ewigen Feuer. Dennoch warten die Menschen auf diesen Tag, lassen sich einbuddeln, um wieder da zu sein, zu diesem Lotteriespiel. Gut, angeblich sollen ja nur die Gerechten in den Himmel kommen. Man hat also etwas dafür geleistet, zu Lebzeiten. Aber wer entscheidet schon, wer als Gerechter leben durfte. Vom Saulus zum Paulus führte gerade Mal eine einzige Tat, die der Himmel tat. Das Leben ist eben ungerecht, wie soll es da wirkliche Gerechte geben? Der Papst, sicherlich der Papst, das muß ein Gerechter sein. So war es schon immer. Von Gott eingesetzt, den Schlüssel vom Petrus und die Stimme von den anderen Kardinälen. So viel geballte Gerechtigkeit, gleich dreifach, da muß einfach ein besonders edler Mensch Gerechter und Papst geworden sein. Ja, der Friedhof macht komische Gedanken. Er verlangt nach einem. Verlangt die volle Hingabe. Da kann man sich nicht einfach wegdenken, da ist man voll drinnen, im Leben. Hoffe nur, daß nicht gerade dann Auferstehung ist, wenn ich Dienst habe, auf dem Friedhof. Das muß nicht sein. Sollen ruhig auferstehen wenn ich im Urlaub bin, Mallorca oder auch Spanien, Spanien finde ich auch ganz schön, aber Insel bleibt Insel, schon schöner als das Festland, mein Mallorca. Und wenn mich dann das Gericht vergißt, auch gut, mache ich eben weiter Urlaub, während die anderen in Himmel und Hölle hocken, kann ich mich in der Sonne aalen. Ich brauch kein Gericht zum Leben. Ich nicht. Sollen die anderen sich darum kümmern. Irgend werden dann ja auch Himmel und Hölle überfüllt sein, dann brauchen sie wieder die Erde, die ersten Menschen kehren zurück und mein Friedhof bekommt wieder Zulauf, ich habe wieder Arbeit, brauch nicht andauernd Urlaub zu machen. So schließt sich der Kreis. Nur der Papst, auf den werden wir wohl verzichten müssen, der wird wohl nicht zurückkehren wollen, sitzt er doch als Gerechter am Tisch des Herrn Gottes. Da würd ich auch nicht zurück kommen wollen. Nur die Lamas kommen da gerne zurück, wollen weiter nach ein paar Gerechten suchen, die irgend übersehen worden sein könnten. Ich würde denen dann den Diedrich vorschlagen, der hier, gleich hier vorn, neben der Kapelle liegt. Das muß ein rechter Gerechter gewesen sein. Ein unerkannter Gerechter, gewissermaßen. Woher ich das weiß? Das hab ich im Gefühl, irgend. Wie manche den Regen vorhersagen können, kann ich Gerechte fühlen. Mir zwickt es dann immer im rechten Fuß. Außerdem hab ich schon einen Bewerber für die Grabstelle, der findet die vom Diedrich, gleich hier, besonders schön. Aber sie läuft noch sieben Jahre und womöglich wird sie gar verlängert. Ist es aber ein Gerechter, dieser Diedrich, was Gott gebe, dann könnte er ja gleich nach oben machen und die Stelle wäre frei. Und ich bekäme einen kleinen Obolus. Keine Bestechung, wie sie jetzt denken könnten, nein, mein Gott, nur ein kleines Geschenk vom nächsten Nutzer der Grabstelle. Ach, wenn bloß bald Gerichtstag wäre. Nächste Woche wäre günstig, da fahre ich in den Urlaub.
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| Ludwig: | Vor dem Gericht sind alle gleich. So soll es sein, und damit es so sein kann, bindet sich die Justitia eine Binde um, oben, natürlich oben bindet sie sich die um, direkt vor den Augen. Denn gleich sind wir nur, wenn wir die Augen schließen, dann sind wir in etwa gleich, sehen alle nur das Schwarze. |
Der Anwalt erscheint.
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| Anwalt: | Jetzt dürfte es nicht mehr lange dauern, die Richterin ist gerade eben in der Kantine aufgestanden, mit ihren zwei Schöffen und wieder zum Gerichtssaal gegangen. |
| Ludwig: | Dann habe ich also ganz umsonst gewartet. Das hohe Gericht aß derweil, was? |
| Anwalt: | Es gab Blutwurst mit Sauerkraut. Schmeckte vorzüglich. Das haben sie aber verschmäht. Die Richterin stocherte in einem Salat herum und die Schöffen gaben sich einem Eintopf hin, Leipziger Allerlei, oder sowas Ähnliches, ein bunter Gemüsetopf. |
| Ludwig: | Was sollen sie auch Montags anderes essen, außer Leipziger Allerlei oder wie das Gemüsezeugs heißt. Wir sind das Volk haben sie gebrüllt, und wer durfte die Suppe auslöffeln, der Westen. |
| Anwalt: | Und Griespudding haben sie gegessen. |
| Ludwig: | Ach, auch noch ein Dessert dazu, während ich hier sinnloserweise warte. So funktioniert also das Gericht. |
| Anwalt: | Der Staatsanwalt trank übrigens nur einen Kaffee, schwarz, ohne Zucker, ohne Milch, ein Puritaner, wie mir scheint, ganz schlecht kann es einem da werden. |
| Ludwig: | Gut, jetzt haben wir es, schaut auf seine Uhr, zwei Uhr, dann werden sie wohl gleich zum Kaffeekränzchen ausrücken, ja? |
| Anwalt: | Das Gericht ist frei, in seinen Entscheidungen, man kann nie wissen. |
| Ludwig: | So frei möcht ich einmal sein, dann ließe man mich in Ruhe, wissen sie. |
| Anwalt: | Schon möglich. |
| Ludwig: | Schon möglich, schon möglich! Hat sich der Kantinenbesuch wenigstens gelohnt. |
| Anwalt: | Das Essen war .. |
| Ludwig: | Das Essen, das Essen, was interessiert mich das Essen. Was haben sie geredet, das ist doch viel interessanter, oder haben sie etwa gar nicht zugehört. |
| Anwalt: | Hätte ich sehr gerne, zugehört, nur, sie haben mich gleich gesehen, als sie in die Kantine kamen und setzten sich dann an das andere Ende des Speisesaales. |
| Ludwig: | Ja, das ist heute mein Tag. Ich wußte es gleich. Warum, in Gottes Namen, haben sie sich nicht einfach umgesetzt. |
| Anwalt: | Nun hören sie mal. |
| Ludwig: | Stellen sie sich bloß nicht so an, wer, glauben sie denn, bezahlt sie, hier vor Gericht, Justitia oder ich? |
| Anwalt: | Wissen sie, ich glaub, ich muß hier einmal etwas klarstellen, wenn sie meinen, mit ihrem Geld könnten sie das Gericht oder mich kaufen, dann müssen sie sich einen anderen Anwalt suchen, dann muß ich das Mandat abgeben. |
| Ludwig: | Ja, ja ja, die Kamelstory, die kann ich nicht mehr hören, wissen sie. Sie, wo gehen sie hin, bleiben sie gefälligst. Der Anwalt geht. |
| Anwalt: | Suchen sie sich einen anderen Anwalt, der wird das schon richten, mit ihnen, wissen sie. Der Anwalt geht endgültig. |
| Ludwig: | Wie er will. Ist mir sogar recht, wenn er weg ist. Ohne Anwalt keine Verurteilung, so läuft das Spiel nun einmal. Und wenn sie mich doch verurteilen, dann gehe ich in Revision, ganz einfach, sollen sie sehen, was sie davon haben werden. |
Ludwig geht in den Gerichtssaal, und er schaut allein das Gericht, während Heinrich seine Arbeit tut.
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| Ludwig: | Nun tret ich ein, nun geh ich rein, so soll es sein. Wendet sich an einen größeren Grabstein. Hohes Gericht, werte Richterin, nun warte ich bereits mehrere Stunden auf mein Urteil. Und während sie sich in der Kantine gestärkt haben, mit Salat und Leipziger Allerlei, wartete ich allein, hier, vor der Tür des hohen Gerichtes.
Sie meinen, ich sei zu früh, sie seien noch nicht so weit. Aber die Zeit ist reif. Das Warten überlang gewesen, die Zeit hat sich bereits verdreht, der Zeiger wollte nicht mehr vorwärts, nur noch rückwärts gehen. Mein Fall sei noch nicht mit den Schöffen besprochen? Was gibt es da groß zu besprechen. Ein Freispruch muß her, das ist doch sonnenklar und meinetwegen auch glasklar, ja, glasklar. Sie würden noch etwas Zeit benötigen. Ja, wenn Gott sagen würde, er benötige noch etwas Zeit, dann, aber, gut, ich werde warten, sollen sie ihre Zeit haben und dann, in der Zwischenzeit werden sie eben das Nichts sehen, das Stehenbleiben der Zeit, weil Gott sicherlich nicht warten wird, dieses Warten längst nicht mehr duldet. Sie meinen, jeder Fall gehöre geprüft, als prüfe man Edelsteine, man nehme eine Lupe, schaue und schaue, die Reinheit, den Schliff, wiege das Gewicht und verwerfe dann, oder werfe einen weiteren Blick auf den Stein, um nochmals verwerfen zu können und zum Schluß der dritte Blick, dann erst, erst dann würde man ein Urteil fällen können. Wie halten sie es eigentlich mit den neuen Schnellgerichten, Frau Richterin? Ha, das habe ich mir gedacht, von Schnellgerichten halten sie nicht viel, das wäre nur etwas für die kleinen Vergehen, nicht für die großen. Als ob ich groß etwas getan hab. Gut, betteln, um einen Freispruch werde ICH nicht, hier NICHT. Sollen sie mich doch verurteilen, zu Zuchthaus oder zu Freigang oder zu einer Bewährungsstrafe oder Geldstrafe oder ermahnen sie mich ganz einfach mit einer Ermahnung, sagen sie mir, daß ich mich falsch verhalten habe und verlangen sie, daß ich mich nunmehr richtig verhalten solle, egal, was dies bedeuten würde. Ich soll wieder nach Draußen gehen, dort warten und keine Widerrede. Meinetwegen, warte ich draußen, meinetwegen, ich kann warten, das habe ich gelernt, schon als Kind mußte ich ständig warten, auf meine Nuckelflasche, dann in der Schule, auf den Pausengong, dann am Frühen Morgen auf das Klingeln des Weckers, später, in der Nacht auch auf den Erguß, ich mußte ständig in meinem Leben warten, so war es eben. Mein Leben ist ein Leben in einer Warteschlange, wäre ein Platz in einer Kunstausstellungs-Schlange zu vergeben, ich wäre prädestiniert in dieser so lange wie nötig zu verharren. Ja, glauben sie mir, da werde ich doch noch auf das Urteil des Hohen Gerichtes warten können, wo ich doch bereits den Gerichtstag erreicht habe. Übrigens vertritt mich mein Anwalt nicht mehr. Das sei für die Urteilsverkündigung egal, meinen sie! Na hören sie mal, was für ein Skandal. Da wird ja jede Waagengabel gerade gebogen, wie soll da ausgewogen Recht gesprochen werden können. Schon in der Bibel steht, die Waage soll recht justiert sein, und was für den Marktplatz gilt, wird doch erst recht vor Gericht Bestand haben müssen. Wenn sie wirklich das Urteil sprechen wollen, gut, ich werde in Revision gehen, das werde ich. Was, ich würde dafür eine anwaltliche Vertretung benötigen! So hab ich es gerne. Sie drehen ja das Recht, wie sie es gerade wollen. Zur Urteilsverkündigung brauch ich keinen Anwalt aber für die Revision dann doch wieder. Ja ja ja, sie haben recht, ich gehe, ich warte draußen, beraten sie sich nur, beraten sie sich nur, hier ist man sowieso verraten und verk ... geht raus ... auft.
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| Heinrich: | Welch komisches Gefühl einem doch manchmal erreicht. Mir war doch wirklich gerad eben so, als wäre ich nicht allein gewesen, hier. Nun gut, die Leichen sind ja immer da, aber irgend Lebendiges schien außerdem anwesend zu sein. Sowas spüre ich, da bin ich ganz genau, mit meinen Gefühlen, auch wenn ich mich irren täte, so hörte ich doch ein ... Es ist weg. Gerade ist es weg gegangen, nicht mehr da. Vielleicht haben sie ja gerad eben den Gerechten abgeholt, den Diedrich, oh, wie wär mir dies recht. Dann hätte mein Wort wenigstens da oben Gewicht. schaut sich das Grab genauer an Nein, nicht dran zu denken. Ist alles unberührt. Keine Auferstehung, Nix, noch nicht einmal eine klitzekleine, etwa nur die Hand oder der Kopf oder eine Rippe. Nichts hat sich dem Grab entwunden. Muß ich wohl noch sieben Jahre warten, bis ich mit dem nächsten Platzanwärter ein kleines Geschäft betreiben kann. Hoffentlich stirbt er nicht zu früh, bereits jetzt, heute, in dieser Sekunde. Aber wer will schon das Leben aufhalten? Will das Leben den Tod, dann wird es ihn schon bekommen. |
Herta erscheint wieder, ein wenig geknickt, betreten ausschauend.
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| Herta: | Du wartest ja immernoch, wollten sie nicht längst das Urteil sprechen? |
| Ludwig: | Ja ja, eigentlich müßten sie längst das Urteil gesprochen haben, aber, so sagte mein bedepperter Anwalt, dieser Fettlurch, das Gericht sei frei in seinen Entscheidungen. |
| Herta: | Das ist ja entsetzlich. |
| Ludwig: | Ja, Freiheit kann entsetzlich sein. |
| Herta: | Und wo ist dein Anwalt, immernoch in der Kantine. |
| Ludwig: | Nein, stell dir vor, den hab ich gefeuert. Wie wohl tuend! "Hauen sie ab, sie Dummkacker", hab ich zu ihm gesagt, hättest den mal sehen sollen, wie der plötzlich beinahe geplatzt wäre, dieser ... |
| Herta: | Er war doch eigentlich recht nett ... |
| Ludwig: | Recht nett, recht nett, das genügt nicht, in heutigen Zeiten kann sich das keiner mehr leisten, einfach nur nett sein, und, ehrlich gesagt, ich war mir zum Schluß nicht mehr recht sicher, ob der nur deshalb immer so nett tat, um sein anwaltliches Versagen zu vertuschen. |
| Herta: | Meinst du wirklich? |
| Ludwig: | Nein, unwirklich. Glaub es mir, mit dem kannst du vielleicht schwimmen gehen, aber keine Pferde stehlen oder einen Mord begehen, rein gedanklich natürlich, wenn du mich recht verstehst. |
| Herta: | Mord, welch schreckliches Wort. |
| Ludwig: | Nein, wie schön, Mord, dieses Wort, welch Wohlklang dort in jedem Buchstaben mitklingt, es fliegt mit einem an einen heiligen Ort hinfort. |
| Herta: | Ludwig, nicht daß du verrückt wirst, schau mich mal a ... |
| Ludwig: | Was du nur hast! Verstehst du keine Ironie mehr. |
| Herta: | Ironie, schön und gut, aber man spricht doch nicht so leichtfertig von Mord. |
| Ludwig: | Na, dann nenn es doch einfach schwimmen. |
| Herta: | Willst du gar nicht wissen, wie es mir heute Nachmittag ergangen ist. |
| Ludwig: | Nein. |
| Herta: | ... entsetzt ... Mein Gott, du egoistisches Schwein. |
| Ludwig: | Nun beruhige dich doch, es war nur Ironie. |
| Herta: | Ironie? Wirklich Ironie? |
| Ludwig: | Ja, nun heul nicht gleich, kennst mich doch |
| Herta: | ... wischt sich einige Tränen aus dem Gesicht ... Ich glaub, ich kenn dich gar nicht, weißt du, du hast dich so verändert, seit dem Prozeß, du warst immer so lieb, jetzt bist du - i r o n i s c h -, ich hab dich mehr gemocht, als du nur lieb sein wolltest. |
| Ludwig: | ... tröstet sie ... Schatz, es ist ja bald vorbei, sie wollen ja gleich das Urteil sprechen, dann ist es vorbei. |
| Herta: | Endlich. |
| Ludwig: | Und, nun erzähl mal, wie war es mit deinem Literaturagenten. |
| Herta: | Stell dir vor, der wollte mit mir erst einmal ausgehen, und nicht einfach so, in ein Restaurant, sondern in ein Schwimmbad, dort soll es eine vorzügliche Bar geben, meinte er. Ich hab natürlich gleich abgesagt. Was denkt der sich. Das ist wohl die neue Masche, erst einmal schauen, bevor man etwas auf die Matratze mitnimmt, bloß keine Katze im Sack kaufen, denkt der sich wohl. |
| Ludwig: | So ein frecher Hund. |
| Herta: | Am liebsten hätte ich ihn eine gescheuert, aber meine Erziehung, du verstehst schon. |
| Ludwig: | Ja, die leidige Erziehung, früher hätte man den einfach aufgehangen, heutzutage bekommt er einen Gutschein für seinen Psychiater. |
| Herta: | Lynchjustiz wäre doch auch Mord, Ludwig, das weißt du doch. |
| Ludwig: | Ja, so ist es, die leidige Erziehung. |
Heike erscheint, recht trüb dreinschauend. Setzt sich, sagt nichts.
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| Herta: | Kind, was hast du ... |
| Ludwig: | Sie ist krank, das sieht man doch. |
| Herta: | Ich bitte dich, Ludwig, keine Ironie mehr, nicht vor dem Kind. setzt sich neben Heike auf die hölzerne Gerichtsbank
Nun sag schon, Kleines, was ist dir? |
| Heike: | Er hat einfach Schluß gemacht, gerade eben. |
| Herta: | Dann war er sowieso nicht der Richtige. |
| Heike: | Er wollte, daß ich die Pille nehme, für heute Nacht ... |
| Herta: | Und du ... |
| Heike: | Ich wollte nicht |
| Herta: | Du woltest nicht. |
| Ludwig: | Ja, sie wollte nicht, das hast du doch nun gehört, so ein Schwein, ich werde ihn eigenhändig ... |
| Heike: | Er ist eigentlich so ein Lieber, er wollte sich sogar einen Pariser besorgen. |
| Herta: | Er SOLLTE sich einen Pariser besorgen? |
| Heike: | Nein, er WOLLTE, aber ich wollte nicht. |
| Ludwig: | So ein erbärmlicher Kinderficker, Kleinkrimineller, ich werd ihn um die Ecke bringen, eigenhändig. |
| Heike: | Ich bin kein Kind mehr. |
| Herta: | Nun sei still, Ludwig, das Kind hat ein Problem und du redest nur von Mord und Totschlag. |
| Ludwig: | Gut, ich rede jetzt gar nicht mehr, was soll ich auch reden, ich bin hier überflüssig, gleich kommt sowieso das Urteil, dann bin ich hier noch überflüssiger, aber eins sag ich dir, wenn ... |
| Herta: | Ludwig!, schau wie sie weint, hör endlich auf, mit deinem Geschrei. |
| Heike: | Er war so ein Engel, Mama, so ein Engel, er kann doch nicht einfach Schluß machen, einfach so. |
| Ludwig: | Versteh doch Kind, er wollte dich nur fick ... |
| Herta: | Still, Ludwig, bist du jetzt still! |
| Ludwig: | Gut, ich muß sowieso auf's Klo. Geht ab, durch eine Tür, zum Klo. |
| Heike: | Er hat wohl recht. |
| Herta: | Worin hatte dein Vater recht. |
| Heike: | Er wollte mich nur ficken. |
| Herta: | Nun hör auf zu weinen, besser als anders herum, ich wollte immer, kriegte aber keinen rum. |
| Heike: | lächelt wieder Wirklich? |
| Herta: | Wirklich wirklich mein Kind, wirklicher geht es nicht mehr. Hauptsache, du bestimmst was läuft, weißt du, das ist das Wichtigste. |
| Heike: | Ich bestimme was läuft, ja, so ist es gewesen, nur daß er gleich Schluß macht, das hätte ich nicht gedacht, Mama, wirklich nicht, so ein Lieber, du kennst ihn ja. |
| Herta: | So ist das Leben, Kind, wenn du bestimmst, mußt du die Konsequenzen tragen, wenn du nicht bestimmst, aber auch und manchmal ist das eine besser als das andere. |
| Heike: | Welches eine ist besser als das andere, Mama? |
| Herta: | Laß es gut sein, Kind, du wirst noch viele Jungs kennenlernen, so ist das Leben. |
Der Wachmann erscheint.
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| Wächter: | Herr ... schaut ein wenig ratlos umher ... wo ist er denn, sind sie seine Frau, ja? |
| Herta: | Ja, ich bin seine Frau. Er ist kurzzeitig abkömmlich, soll ich ihm etwas ausrichten. |
| Wächter: | Der Prozeß soll fortgesetzt werden, er wird doch gleich kommen? |
| Herta: | Er wird schon gleich kommen, da seien sie gewiß, schließlich wartet er bereits Stunden auf sein Urteil, da wird er doch nicht davon gehen, wenn er es endlich erhalten kann, es ihm endlich erreicht, das Urteil. |
| Wächter: | Er kommt also gleich? |
| Herta: | Was heißt hier gleich? Tage, Stunden, Minuten oder gar Sekunden. Können sie sich nicht genauer ausdrücken. Sie sind doch Justizangestellter, Herr Wachmann schaut auf das Namensabzeichen Schuller. |
| Wächter: | Schnuller, nicht Schuller. |
| Herta: | Welch billiger Witz. |
| Wächter: | Aber alles lacht immer. |
| Herta: | Die Gesellschaft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. |
| Wächter: | Sie hängen aber einem großartigen Ideal von Geselllschaft an, Werteste. |
| Herta: | Also gut, Herr S c h n u l l e r, wieviel Zeit hat er noch, mein Mann. |
| Wächter: | Wie man es nimmt. |
| Herta: | Oh Gott, sind wir hier bei einem Ratespiel. |
| Wächter: | Vielleicht! leise zu Herta: Aber deshalb muß die Kleine, ihre Tochter?, doch nicht gleich weinen. |
| Herta: | Heike, was ist dir denn? |
| Heike: | ... wenn ich ihn nun nie wieder sehe. |
| Herta: | Um ihn, glaub es mir, mein Kind, ist es nicht schade. |
| Wächter: | Nun, so schlecht wird er doch nicht gewesen sein. |
| Herta: | Na, hören sie mal, er wollte gleich am ersten Abend die Pille. |
| Wächter: | Aber ihre Tochter ist dennoch reizend. |
| Heike: | Mutti, ich mein ihn doch gar nicht; Papa, was wird nur aus Papa, jetzt wo das Urteil bevorsteht. |
| Wächter: | Das Strafgesetzbuch sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor oder Geldstrafe, Kind. Du wirst ihn also wiedersehen, er ist nur eine Zeitchen weg, so ein klitzekleines Zeitchen. |
| Heike: | weint FÜNF Jahre! |
| Wächter: | Kleines, das ist doch nur die Höchststrafe, so etwas wie ein Sechser im Lotto, bis dahin kommt kaum einer, da muß man schon viel ... |
| Herta: | Pech haben, ich weiß, ich weiß. Bei seinem Pech wird er wohl das Vergügen eines Sechsers im Lotto genießen können, daran glaub ich ganz fest. |
| Wächter: | Gut, er kommt also gleich, ich werd der Richterin Bescheid geben. |
| Herta: | Gleich gleich gleich, soll er in zehn Minuten kommen, oder genügt auch in einer Stunde? |
| Wächter: | Sobald er kommen kann, soll er kommen, denn das Gericht wartet nur noch auf ihm, verstehen sie, so einfach ist das. |
| Herta: | Sobald er kommen kann! Gut, da bin ich aber gespannt. |
| Wächter: | Ich auch. |
| Heike: | Ich hoffe, er wird gar nicht mehr kommen, dann muß er nicht in den Knast. |
| Wächter: | Dann wird er vorgeführt. |
| Herta: | Wie ein gemeiner Verbrecher, sie meinen, so mit Polizeiauto, Handschellen und Jacke über dem Kopf, ja, so? |
| Wächter: | Ich hab mir sagen lassen, daß die nicht zimperlich sind, die Beamten, ganz sicher wird er zumindest Handschellen angelegt bekommen. Das ist ganz sicher. |
| Herta: | Machen sie sich bloß keine Sorgen, er wird schon kommen, ganz freiwillig, er ist ja nur mal aufs ... |
| Heike: | Mutti! |
| Wächter: | Gut, er wird schon kommen. Geht wieder durch die Tür, setzt sich hin, an seinem Tisch, nachdem er mit dem großen Grabstein getuschelt hat. |
Ludwig erscheint wieder, sichtlich erleichtert.
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| Ludwig: | Wenigstens sind hier die Toiletten sauber. |
| Herta: | Ich glaub, die Gefangenen müssen die Toiletten putzen. |
| Heike: | Papa, der Wachmann hat gesagt, du könntest 5 Jahre bekommen. |
| Ludwig: | Welcher Wachmann? |
| Herta: | Na der Wachmann von drinnen, den mußt du doch bereits gesehen haben, recht freundlich, er heißt Schuller, möchte aber Schnuller genannt werden, wegen des Gags. |
| Ludwig: | Ha ha ha, ich lach mich gleich tot. |
| Herta: | Nein, er war wirklich freundlich. |
| Ludwig: | Dann muß es ein anderer gewesen sein, als der von vorhin. |
| Heike: | Und wie hieß der Andere? |
| Ludwig: | Was weiß ich, ich hab nicht geschaut, womöglich Moser. |
| Heike: | Dann möchte der sicherlich Möser genannt werden. |
| Herta: | Heike, ich bitt dich, vergiß deine Erziehung nicht. |
| Heike: | Mit einem vorbestraften Vater brauch ich keine Erziehung mehr. |
| Herta: | Heike, was fällt dir nur ein! |
| Ludwig: | Kind, noch bin ich nicht verurteilt, den wichtigsten aller Freiheitssprüche kennst du doch wohl, Kind? Nämlich, bis zur Verurteilung gilt jeder Angeklagte als unbescholten. |
| Heike: | Ich geh dann mal, Papa, ich muß noch einiges für die Schule tun, ja, ist euch doch recht oder? |
| Herta: | Geh nur, geh nur, Kind, die Schule ist wichtig, sehr wichtig. |
| Ludwig: | Was stehst du noch herum, nun geh schon, wir sehen uns dann heute Abend. |
| Heike: | Wirklich? ...beginnt zu weinen ... Weißt du Papa, ich liebe dich, laß dich von denen nicht einsperren, Kopf hoch, Papa zeig es ihnen ...reißt sich von ihm los, rennt hinaus mit rotem Kopf ... |
| Herta: | Scheinen wir sie doch gut erzogen zu haben, unsere Tochter. |
| Ludwig: | Das hoffe ich doch. |
| Herta: | Daß sie dir gleich 5 Jahre aufbrummen können, das hätt' ich nicht gedacht, ich war richtig geschockt, als ich es hörte. |
| Ludwig: | Sei ganz beruhigt, ich habe nichts getan, was nicht jeder andere mit ein bißchen Verstand auch getan hätte, da müßten sie ja die halbe Elite einsperren. |
| Herta: | Das Land ohne Elite! |
| Ludwig: | Ist wie ein Feld ohne Bauer, was soll da wachsen? |
| Herta: | Nur Unkraut, schmarotzendes Unkraut, das einfach so der guten Gerste, dem guten Mais den Lebensraum wegnimmt. |
| Ludwig: | Und Pferde brauchen Mais, das weißt du. |
| Herta: | So ist es, sonst bringen sie keine Leistung, die Pferderennen wären richtig lahme Angelegenheiten. |
| Ludwig: | Ja, das Land braucht die Elite, das kann sich kein Land leisten, sie einfach wegzusperren. |
| Herta: | Nur zu blöd, daß genau jetzt die MAO-Rufer an der Macht sind. Nur zu blöd, wie blöd nur. |
| Ludwig: | Ach, die rufen doch längst nicht mehr MAO, die haben sich mit unserer Konsumwelt längst abgefunden, nun rufen sie höchstens noch MAOAM, das genügt denen vollkommen. Das Zeugs genügt als Kleber zwischen den Gesellschaftsschichten, glaub es mir. |
| Herta: | Aber Mao, dieser chinesische Diktator, der hat doch wirklich die halbe Elite seines Landes ausgerottet, einfach so, hat er sie auf's Feld geschickt, zum Unkrautjäten, einer Arbeit, der sie einfach nicht gewachsen waren. |
| Ludwig: | Ja, das Unkrautjäten ist in den Händen der Bauern wirklich besser aufgehoben. |
| Herta: | Hoffentlich denken die einstigen MAO-Rufer auch so. |
| Ludwig: | Ach, die Grünen sind doch längst an den Pfründen beteiligt, also Teil der Elite, die werden sich doch nicht selbst aufs Feld schicken. |
| Herta: | Hoffentlich, Hoffentlich. Ach, du sollst übrigens längst eintreten, das Gericht wartet bereits auf dich, meinte jedenfalls der Schnuller. |
| Ludwig: | Schnuller? wer ist er? |
| Herta: | Na, der Wachmann, das hab ich dir doch bereits vorhin erzählt, wo bist du nur mit deinen Gedanken, Ludwig |
| Ludwig: | Ach, der Schnuller, gut, ich werd gleich reingehen, wünsch mir Glück, Liebes. |
| Herta: | Viel Glück, Ludwig, küßt ihn kurz, bis dann, du ich werde hier aber nicht warten, das halte ich nicht aus, ich geh zur Kantine, ja? |
| Ludwig: | Meinetwegen, Meinetwegen, ich komme dann nach, sie wollen ja nur das Urteil verkünden, bis dann. |
| Herta: | Viel Glück. Geht in Richtung Kantine. |
Ludwig geht hinein, in den Gerichtssaal.
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| Ludwig: | Ludwig erscheint, setzt sich auf einen niederen Grabstein, schaut zum Grabstein.
Hohes Gericht, mir wurde bekannt, nun solle endlich das Urteil gesprochen werden! Aha, ja, ich soll mich erheben, gut, wie man meint. Erhebt sich, der Wachtmeister ebenfalls, horcht zu, was gesagt wird, absolute Ruhe, Heinrich schneidet an Hecken herum, im Hintergrund. zornig: Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe für solch eine Lapalie, ich werde mich beschweren, Revision und Berufung einlegen, beim BGH, beim Verfassungsgericht, beim Europäischen Gerichtshof für Freiheits-, äh Menschenrechte ... er knickt ab, fällt hin, legt sich lang, krümmt sich, der Wachtmeister erscheint |
| Wächter: | Ein Krankenwagen! Mein Gott, nun rufen sie schon einen Krankenwagen, er hat sicherlich einen Herzinfarkt, dabei sollte er doch nur dreieinhalb Jahre bekommen, keine Todesstrafe, nun rufen sie schon die Feuerwehr, schnell. |
| Heinrich: | Irgend ist es heute so unruhig hier, irgend unruhig, kaum bleibt einem die nötige Muße, die Hecke recht ordentlich zu schneiden, dabei hat es eigentlich seinen Spaß, die Hecke zu kürzen, um Haupteslänge, immer um Haupteslänge, das ist mein Maß, ratsch, und schon ist sie um Haupteslänge kürzer. Heckenschneiden ist eine meiner Lieblingsarbeiten, sofort schaut einem der Erfolg der eigenen Arbeit.
Nicht wie beim Pflanzen, wo man warten muß, daß sie anwachsen, dann wachsen, erblühen und immer wieder dieses Wassergeben. Heckenschneiden, das hat was. |
Zwei von der Feuerwehr kommen mit Trage.
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| Retter 1: | Na, wo ist er denn, unserer Notfall? |
| Wächter: | Schauen sie nur, dort hinten, ich hab ihn neben dem Tisch gelegt, stabile Seitenlage, das soll doch helfen, nicht? |
| Retter 1: | Gut gut, dann woll'n wir mal. |
| Retter 2: | beugt sich zu Ludwig, hören sie mich? Ludwig nickt leicht |
| Retter 1: | Laß, nun helf schon, ihn auf die Trage zu legen. Legen ihn zusammen auf die Trage |
Zwei weitere Feuerwehrmänner erscheinen. Einer davon wohl Arzt, der zweite als Arztkofferträger, kümmern sich sofort um Ludwig, spritzen und sitzen neben ihm, Sauerstoff und beruhigende Worte.
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| Arzt: | zu den Feuerwehrmännern mit Trage: Das wär es für mich, versuchen sie ihn im Herzzentrum unterzubringen, falls dort ein Bett auf der Intensivstation frei ist. |
Alle Helfer verlassen das Gericht, mit Trage und Ludwig, es geht zum Krankenhaus, alles ohne Hektik, als sei ein Herzinfarkt nichts weiter als ein Beinbruch.
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| Wächter: | Machen sie es gut, Herr Ludwig, alles kein Beinbruch, wird schon wieder. Schließt die Tür hinter Ludwig. |
| Heinrich: | Endlich, die Hecke ist fertig, eine Augenweide, gerade, schön gerade, kein bißchen schief, mein bester Heckenschnitt seit langem, möchte ich meinen, gut, hier auf dem Friedhof wäre es kein Beinbruch, wenn die Hecke etwas schief geriete, was soll es, da gibt es Ärgeres, zum Beispiel ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall, eine Darmverstopfung, eine zugeparkte Einfahrt, eine Fahrscheinkontrolle, wenn die Monatsfahrkarte wie doof zu Hause herum liegt oder lauwarmer Kaffee, ekelhaft, mein Gott, wie schön gerade doch die Hecke geraten ist. |
Herta erscheint, ist sich unschlüssig, ob sie in den Gerichtssaal gehen soll.
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| Herta: | Mein Gott, haben sie ihn immernoch nicht verurteilt? Aber was rede ich, womöglich wird er sogar frei gesprochen. Das wäre was, Freispruch. Dann würde ich einen Roman draus machen, mit Happy End, einem klassischen Happy End. Oder lieber doch ein Drama? Wenn er verurteilt wird, sieben Jahre Haft, das würde sich lohnen, darüber könnte man schreiben, ich würde ihm auch das Manuskript vorlesen, er liest ebend nicht gerne Bücher, so ist er, also, ich werd ihm das Manuskript vorlesen und Kassette um Kassette schicken, der wird ganz sicherlich stolz sein, auf seine Frau, Autorin und alleinerziehende Mutter. Mein Gott, wenn er verurteilt wird muß ich das gleich bei der Steuer angeben, als steuermindernd, schließlich wird mein Einkommen in den Keller gehen. Und sieben Jahre ohne ihn, das wird mir tausende sparen, sicherlich. Gut, die Höchststrafe soll ja nur fünf Jahre betragen, aber, wie ich meinen Ludwig kenne, der greift entweder richtig rein oder gar nicht, irgend ein Grund für sieben Jahre wird sich schon finden lassen, ganz sicherlich. Sieben Jahre ohne ihn, sieben Jahre keinen Sex, mit ihm. Gut, das werde ich verkraften können. Nicht, daß er eine Niete war, mein Gott, gewesen sei, nein, um Gottes Willen, das nicht, aber er war immer von der Arbeit geschlaucht, siebzehn Stunden am Tag, Arbeit, das haut jeden anständigen Mann um. Ha, als wir uns kennenlernten, da, ja da, aber was erzähl ich, Sex ist nicht alles, es beruhigt nur ungemein, wenn man ihn hat. Sieben Jahre wäre eine gute Zeit für ein Drama, die Verlage werden sich drum reißen, schon allein der Name zieht, Ludwig, sie werden einen Schlüssellochroman erwarten, aus der Sicht der Ehefrau und Autorin und alleinerziehenden Mutter. Und sie werden die intimsten Details serviert bekommen. Hoffentlich, und lieber Gott laß das bitte nicht zu, laß ihn nicht nur ein halbes Jahr bekommen oder ein Jahr und zwei Monate, nein, entweder ganz oder gar nicht, alles andere läßt sich doch gar nicht vermarkten. Gut, wenn es denn wirklich nur sechs Monate würden, könnte man ja auch zählt vier, acht, zwölf, sechszehn, zwanzig, ja vierundzwanzig Wochen drauß machen oder gar alles mal sieben nehmen, jetzt haben wir wieder die Sieben, also gut, mal sieben Tage je Woche sind gleich 168 Tage Knast, das wäre doch was. Heike werde ich auch einbinden müssen. Als liebende Tochter, und hatte sie ihn nicht geliebt, gerad ebend, bevor er in den Gerichtssaal ging. Das darf ich nicht vergessen, ich werd es mir gleich notieren. Holt Stift und ein Stück Papier aus ihre Handtasche. Also zuerst Heike, nein Ludwig, er weint, sitzt vor dem Gerichtssaal, weinend, ja, das kommt sicher gut an, dann Heike, sie kommt, und was, ja, sie tröstet ihn, dann lacht er, sie lacht, beide lachen sich an, warum?, gut, weil sie sich gegenseitig getröstet haben, was wird er denken, denke denke denke, was denkt ein Mann, Manager und Vater wenn er weint? Was weiß ich. Er denkt, gut, Herta, nun reiß dich zusammen, was wird dein Mann denken? Nein, so wird es nie etwas, mit dem Roman. Das Denken muß ich sein lassen, ich werde einfach beschreiben, was man sieht, das muß genügen, das Denken überlaß ich dann dem Leser. Also, was sieht man? Richtig, eine hölzerne Bank, ca. zwei Meter breit mal 50 Centimeter tief und hoch, gestrichen mit weißgrauer Farbe, dazu Wände, gekalkt, Fenster so groß wie Fußballtore, ja, ein schöner Vergleich, dazu die Tür zum Gerichtssaal im matten Grün gehalten. Was sieht man noch, ja, mich, die Autorin, Frau, alleinerziehende Mutter. Dazu Heike, die Tochter, mittelgroß, mittelschlank, mittelnett, dreimal mittel hintereinander, mein Gott, aus mir wird doch noch eine gute Autorin. Dazu sieht man Ludwig, groß, schlank, mit Anzug, Krawatte, und lederbesohlten Schuhen. Gut, das Leder kann ich wegstreichen, denn das sieht ja keiner, so etwas weiß man nur, wie mit Brioni, ja oder nein, das weiß man nur, sieht man aber nicht wirklich. Nun müßte er aber gleich kommen. Langsam mache ich mir Sorgen, um ihn. Sie werden ihn doch nicht gleich verhaftet haben, einfach so? Das wär mir dann aber doch etwas zu dramatisch, und warum sollte er gleich verhaftet werden? |
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Die Saaltür öffnet sich, eine Putzfrau erscheint.
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| Herta: | leise für sich Sie werden doch nicht, während der Urteilsverkündung, den Saal reinigen?
Junge Frau, Junge Frau, rennt der Putzfrau hinterher, warten sie doch bitte. |
| Putzfrau: | Was ist ihr Begehr, Madame? |
| Herta: | Mein Gott, was reden sie so geschwollen daher? |
| Putzfrau: | Madame, was tut man nicht alles, für's Theater. |
| Herta: | Das hier ist ein Gericht. |
| Putzfrau: | Was sie nicht sagen, gnädige Frau. Ich hab heute ein Vorstellungsgespräch, ein Vorstellungsgespräch, an einem richtigen Theater. |
| Herta: | An einem richtigen Theater! Ach so, nun gut. Ist die Verhandlung bereits zu Ende, sie werden doch nicht während der Verhandlung den Saal putzen? |
| Putzfrau: | Welche Verhandlung? |
| Herta: | Na die in dem Saal soeben stattfindet, aus dem sie gerade kamen. |
| Putzfrau: | Ach diese Verhandlung. Die ist längst am Ende. Hat dreieinhalb Jahre bekommen, der Knilch und das hat ihm so aus den Latschen gehauen, die mußten direkt die Feuerwehr holen, Herzinfarkt. Sind sie Journalistin. Ich hätte da noch ein paar Details, sie verstehen schon, gegen Bares sag ich nur Wahres. |
| Herta: | Nein, Autorin. schnappt nach Luft |
| Putzfrau: | Sie sind Auto... ?, nein, sie sind doch seine Frau, sie Ärmste, stützt Herta, wissen Sie, wir Frauen müssen zusammenstehen, soll ich ihnen ein Glas Wasser holen. |
| Herta: | Nein, geht schon, dreieinhalb Jahre. Nichts Halbes und nichts Ganzes, aber doch so irrsinnig viel Zeit, nun fühl ich sie, dreieinhalb Jahre, mein Gott, das hat er nicht verdient, ich werde keine einzige Zeile schreiben können, das fühl ich, dreieinhalb Jahre, aus heiterem Himmel, dabei ist er Atheist, da denkt man, man wird als Atheist von dem Hiobs-Gewusel nicht heimgesucht, Denkste. |
| Putzfrau: | Mein Gott, sie redet wirres Zeugs, ich muß einen Arzt holen. greift zum Handy |
| Herta: | Lassen sie nur, lassen sie nur, wenn sie ein Glas Wasser für mich hätten, das würde genügen. |
| Putzfrau: | Warten sie. Geht zur Kantine. |
| Herta: | Er wird doch nicht wirklich einen Infarkt bekommen haben, hoffentlich war es nur der Kreislauf, das ist ihm schon einmal passiert, ich durfte es keinem erzählen, noch nicht einmal Heike, er lag plötzlich, auf dem Küchenfußboden, Totalversagung des Kreislaufs, siebzehn Stunden Arbeit, sieben Tage die Woche, er hatte gerade seine neue Stelle angetreten, das war einfach zu viel gewesen, das Herumgearbeite. |
| Putzfrau: | Hier, das Wasser. |
| Herta: | Dankeschön, Besten Dank. Mir geht es schon wieder besser. Wie soll ich ihnen nur danken? |
| Putzfrau: | Ist schon OK, wünschen sie mir für heute Abend alles Gute, damit wäre mir schon geholfen. |
| Herta: | Alles Gute. |
Putzfrau geht in den nächsten Saal.
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| Herta: | Man kann sich das Leben gar nicht so schlecht denken, wie es einem kommen kann. Scheiß Leben. Ich hasse dich, ja, ich hasse dich, Leben, aufrichtig, vollkommen aufrichtig, hasse ich dich.
Mist, ich dachte, es würde mir nichts ausmachen, dreieinhalb Jahre. Alleinerziehend, ohne Mann und an Autorin ist gar nicht zu denken. Ich werde es Heike nicht sagen können. Das ist einfach zu viel Leben, für's Erste zu viel. |
Pausengong, Vorhangfallen. 2. Akt Bühne: rechts Krankenzimmer, dort liegend, Ludwig, diverse Apparate, links der Friedhof.
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| Heinrich: | sprechsingend Es macht mich so froh, wenn ich den Herrn lob. Herr sei gepriesen, ich werde dich lieben, auch wenn du ein Mann bist, hallelulja. Auch wenn du ein Mann bist, hallelulja.
Gott, wo bist du, bist du? Ich werde dich lieben, auch wenn wir zusammen keine Kinder kriegen, auf immer und ewig, und niemals zu wenig, lieben, lieben. Maria, Maria, ich suche dich, bring mir ein Licht ich wäre gern dein Wicht, Wichtelmann, Mann, nur wann, nur wann? sprechend Wird wohl keiner gehört haben, außer, Gott, gut, Gott hört alles und weil er alles hört, muß er verzeihen können, sonst gäbe es uns lange nicht mehr. Man soll sich an seiner Arbeit nicht berauschen, das wäre so etwas wie Blasphemie, denn was sind wir schon gegen Gottes Rackerei, nichts. Und doch, die Hecke, ich könnt mich verlieben, sofort verlieben, in sie, sie ist so wohlgestaltet, so recht ordentlich beschnitten. |
Herta erscheint bei Ludwig, leicht außer Atem.
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| Herta: | Mensch, Ludwig, was machst du nur. Herzinfarkt, in deinem Alter! Mit Fünfzig doch noch nicht, das ist doch noch kein Alter für einen Herzinfarkt, da hat man doch noch etwas anderes vor, im Leben, außer krank zu sein.
zu sich leise Er spricht ja keinen einzigen Ton, er scheint ja wie tot, so mitgenommen. Ludwig, hörst du mich nicht! Ludwig! Gut, du bist krank, brauchst nichts zu sagen. Verdreh ruhig deine Augen, sieht ja keiner. Ich hab dir übrigens Rosen mitgebracht, aber ich mußte sie draußen lassen, der Arzt meinte, auf eine Intensivstation gehören keine Rosen, aber ihre Medizin, dafür haben sie Platz, ungeheuren Platz, seh ich eben. Du hast übrigens Glück gehabt, das letzte Bett hast du bekommen, im Herzzentrum, die werden dich hier schon wieder hinbekommen, sind ja alles ganz spezielle Spezialisten, hier. Und morgen bringe ich Hühnersuppe, nach dem Rezept von Oma, du weißt schon, die hat es in sich, damit kann man sogar Tote erwecken. |
| Ludwig: | leise Herta, laß es gut sein. |
| Herta: | Mein Gott, er redet wieder, wie wunderbar. |
| Ludwig: | Was sagt der Arzt? Hast du mit ihm gesprochen? |
| Herta: | Arzt? Was heißt hier Arzt, du hast einen Anspruch auf Chefarztbehandlung, schließlich bist du nicht irgend wer, sondern Privatpatient, das habe ich dem Arzt gleich gesagt, der hat vielleicht geguckt, aber, nachher kommt der Chefarzt, ich werde ihn dann sprechen können. |
| Ludwig: | Mein Gott. |
| Herta: | Was hast du Ludwig? Wenn du nun einmal Privatpatient bist!
Ludwig, was ist nur, nun reg dich doch nicht auf, dein Pulsschlag steigt sonst so hoch, das kann doch nicht gut sein. |
| Ludwig: | Mach doch nicht so ein Aufhebens, Herta, die werden hier schon das Richtige tun, weißt du. |
| Herta: | Wie du willst, Ludwig, ich bin ja schon ganz still, der Arzt, der nicht Chefarzt war, hat ja schon mit mir geredet, konnte ich gar nicht verhindern, also, die gute Nachricht, das Herzgewebe ist noch nicht geschädigt, die Arterie haben sie auch schon frei bekommen, was noch, ach ja, morgen oder übermorgen sollst du bereits auf die normale Station verlegt werden. Ich hab gleich gesagt, das kannst du dir wohl denken, daß sie ein Einzelzimmer für dich besorgen sollen, sonst ... |
| Ludwig: | Herta! |
| Herta: | Gut gut, Ludwig, ruh du dich mal aus, alles andere werde ich erledigen, im Hintergrund, davon mußt du ja nichts mitbekommen, weißt du. Ich komme dann morgen wieder, Purzelchen, mein Purzelchen. Küßt ihn leicht, streichelt ihn leicht und entweicht sogleich. |
| Ludwig: | Ist sie weg? Ja, sie ist weg.
Dreieinhalb Jahre und jetzt noch das Herz. Warum nur ich? Warum ich? Ich? Ich bin doch erst fünfzig, kaum fünfzig. So schaut also eine Intensivstation aus, leibhaftig aus. Sie werden schreiben, viel zu früh schied unserer angesehener Mitarbeiter, Freund und Kollege aus dem, seinem Leben. Und wenn sie das nicht schreiben, schreiben sie: Am heutigen Tage ist Ludwig zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, wegen ... Dann werden sie noch etwas vom Herzinfarkt schreiben. Nein, lieber will ich sterben, als meinen guten Ruf verlieren. Hier wäre der rechte Ort, dazu, wenn er einem daran nicht hindern würde. Herzinfarkt behandeln die heute mit links, einfach so, nebenbei, ganz nebenbei. Was für ein Abgang. Viel zu früh und daher schon ehrenvoll, verstarb der Ludwig. Alle werden ihn sehr vermissen, voran seine Familie. Aber was sag ich, was sagte sie nur, ich sei quasi kerngesund, kaum noch eine Woche, Einzelzimmer, und ich komme hier raus, zum Haftantritt, Zweimannzelle. Wirtschaft ist nicht so einfach, wie man sich das denkt. Wirtschaft ist die Grauzone des Lebens. Wirtschaft ist undenkbar, ohne Geld und bei Geld hört das Menschsein auf, oder fängt an, wie man es nehmen mag. Aber was sag ich, alle verstehen es und keiner will es wirklich verstehen. Ach, ohne Grauzone gäbe es gar keine Wirtschaft, das ist der größte Standortnachteil Deutschlands, daß die Grauzone immer weiter von gewissenlosen Politikern und ihren Juristen eingeengt wird. Nach dem Krieg, ja, da war noch Wirtschaft möglich, und nach der Wende, auch, wenigstens im Osten. Da konnte man sich noch etwas aufbauen. Ein Vermögen machen. Nun wird man dafür bestraft, dreieinhalb Jahre für NICHTS für ökonomisches Handeln. Ludwig, laß dich erst einmal wieder gesund werden, dann gehst du in Berufung, Revision, dann wirst du es ihnen noch einmal zeigen.
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| Heinrich: | Man soll nicht Gott lästern. Aber alle Theorie ist grau. So lästert man schon, indem man nur lebt, einfach nur lebt.
Man sagt etwas, und schon lästert man, Gott. Ich möchte Gott, nicht, sein. Was wäre wenn, doch? Gott als Friedhofsgärtner, Eingräber allen Fleisches, Ausgräber aller Knochen. Gott wäre ein guter Friedhofsgärtner, denn es ist sein Beruf, Knochen wieder zu Tage zu befördern, und, das Fleisch nach unten, immer und stets nach unten. Dazu noch Hecken schneiden, Unkraut zupfen, Pflanzen pflanzen und die Schrift auf den Grabsteinen putzen, wenn er es denn will. Und gäbe es Gott, welchen Job würde er sich wohl wählen? Wäre er lieber Friedhofsgärtner oder Gott? Gut, Gott ist Gott. Er ist quasi auf sich festgelegt, ohne jede Wahlmöglichkeit. Ein armer Schlucker, sozusagen, ohne jede Fortbildungsmöglichkeit. Einmal Gott immer Gott. Ihm bleibt keine andere Wahl, er kann und darf nicht wählen. Dem Herrn ging es schließlich genau so, durfte auch nicht wählen, es war ihm vorherbestimmt, das Sterben und Auferstehen, auch Könige dürfen nicht wählen, jedenfalls war das früher so. Und der gemeine Mensch, ich, ich, der Friedhofsgärtner, darf auch nicht wählen, zwischen Leben und Sterben, es ist mir vorherbestimmt, da ist mir, wie Gott. Und wenn man dann doch einmal selbst eingreift, Freiheit lebt, wählt, wirklich wählt, dann hat man versagt, denn man hat das Vorbestimmte nicht angenommen. Nicht?
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| Ludwig: | Nein nein nein, ich will nicht sterben
ich müßte nur die Luft anhalten oder den Schlauch hinaus ziehen gleich hier, das wäre es dann wäre ich ein Held, ein nicht, noch nicht, Verurteilter. zieht einen Schlauch hinaus es piept, pfeift, kaum auszuhalten Aha, so klingt also der Tod! Ich dachte immer, dort wäre Ruhe, nein, wie muß ich schreien, NEIN, DORT IST KEINE RUHE.
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| Pfleger: | kommt gemächlich, schaut, und legt die Kanüle wieder an, ohne Hektik, beinahe eine Alltäglichkeit auf der Intensivstation, ein Routinevorgang ...
Herr Ludwig, wie haben sie denn das geschafft. Hören sie, passen sie bitte besser auf, legen sie ihren Arm ganz ruhig auf's Bett, ganz ruhig, so, alles klar, ja. geht vollkommen ruhig hinaus
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| Ludwig: | Ja ja ja, ich will leben
welch Gottes Fügung der Tod schlug nur Lärm, Lärm um Nichts nichts war es mit dem Sterben und nun will ich also leben, sollen sie mich doch gesund pflegen, hegen dann wollen wir weiter sehen. |
Heike erscheint, verweint.
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| Heike: | Papa, was machst du nur? |
| Ludwig: | Was schon, Urlaub. |
| Heike: | So schaust du aus. |
| Ludwig: | Alles halb so schlimm, ist bloß 'ne Herzattacke gewesen, mittleres Beben, Stufe 3,5 auf der ewigen Weltenrichterskala. |
| Heike: | Mama war ganz aufgelöst, so hab ich sie noch nie erlebt, Papa, sie war, so anders. |
| Ludwig: | Du mußt auf sie aufpassen, hörst du, paß auf sie auf, nicht daß sie neben mir landet, hier, in diesem schönen Haus, das werden wir ihr doch ersparen können, ja?, Heike. |
| Heike: | Ja doch, mach dir bloß keine Sorgen um Mutter, sie kocht bereits die Hühnersuppe, ist damit ganz und gar beschäftigt, da kann sie gar keinen Herzinfarkt bekommen, weißt du. |
| Ludwig: | Schön, zu wissen. |
| Heike: | Wie geht es dir, Papa, geht es dir schon besser. |
| Ludwig: | Kind, wenn sie die Schläuche hier abmachen würden, ich könnte sofort mit dir nach Hause kommen. Aber, sie haben ihr Vorschriften, du weißt schon, sie müssen die angebrochenen Medikamente auch aufbrauchen, sonst sagt noch jemand, sie hätten sie verschwendet. |
| Heike: | lacht ein wenig, und gedrungen Papa, wenn du schon wieder deine Scherze treibst, dann geht es dir wohl wirklich wieder gut, nicht wahr? |
| Ludwig: | So wahr ich hier liege, ja, mein Kind, mir geht es gut. |
| Heike: | Gut.
Wie ist eigentlich die Verhandlung ausgegangen? |
| Ludwig: | Hat es dir Mutter nicht erzählt? |
| Heike: | Nein, noch nicht, das hat sie wohl vergessen, sie hat mir nur gesagt, wo ich dich finden kann. |
| Ludwig: | Nun, wenn alles schlecht geht, werde ich 3 1/2 Jahre auf Staatskosten leben. |
| Heike: | leise Hätte ich bloß nicht gefragt. laut Ach, das sitzt du doch auf einer Backe ab, Papa, die kennen dich nur noch nicht, richtig, weißt du. |
| Ludwig: | Das meine ich auch. Aber, ich werd schon nicht ins Gefängnis müssen, ich gehe in Revision oder Berufung, egal, ich werde das Urteil anfechten, sobald ich hier raus bin, nehme ich mir einen neuen Anwalt, eine Kapazität auf seinem Gebiet, ich habe da schon einen im Auge, der das Ding für mich herumbiegen wird. |
| Heike: | Soll ich ihn schon anrufen, zu ihm gehen, beauftragen, in deinem Namen, Papa? |
| Ludwig: | Laß nur Kind, in einer Woche werde ich wieder gesund sein, das hat der Arzt gesagt, alles halb so schlimm. |
| Heike: | Gut, dann werde ich mal wieder.
Papa, du brauchst jetzt Ruhe, das soll ganz wichtig sein, als Patient, Ruhe, ganz viel Ruhe, damit sich der Körper erholen kann, weißt du. |
| Ludwig: | Ja.
Kind, geh ruhig, geh ruhig. |
| Heike: | Ich komme morgen wieder, Papa, ja, Papa. |
| Ludwig: | Du bist mir immer gern gesehen. |
| Heike: | Nun red nicht so geschwollen, Papa, gut, ich komme morgen wieder, ja? |
| Ludwig: | Gut, bis morgen, Kind, Grüß Mutter schön, ja. |
| Heike: | Ja, mach ich, Gute Besserung, Tschüß. |
Heike entschwindet der Intensivstation. Ein Arzt tritt ein, weißer Kittel, grüne Hose. Untersucht den Ludwig, während er Belangloses mit ihm redet.
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| Arzt: | Guten Tag, na sind sie erwacht? Haben es gerade noch so geschafft, fast wären sie uns weggeblieben. |
| Ludwig: | Werde ich sterben? |
| Arzt: | Sterben? Wenn sie es so pauschal fragen: ja, aber, nicht gleich und sofort, irgend wann, bestenfalls in fünfzig Jahren. Ihr Herz ist spitzenmäßig aufgestellt, auch sonst, alle Achtung, ihr Körper schaut noch recht gesund aus. Sie rauchen und trinken nicht? |
| Ludwig: | Nein, ich bin Genußmensch, und an Todbringendes kann man doch keinen Genuß haben. |
| Arzt: | Was sie nicht sagen. |
| Ludwig: | Wenn ich so gesund bin, wie sie es sagen, dann kann ich doch wieder entlassen werden, ja, ich hab noch einiges zu erledigen. Draußen. |
| Arzt: | Wenn da nur ihr Körper wäre, dann könnten sie sofort auferstehen, aber nein, sie müssen noch ein paar Tage Zeit investieren. Sie haben irgend schlapp gemacht, fast ein Herzinfarkt, hätte der Gerichtsdiener nicht so schnell den Notarzt verständigt, wir würden jetzt womöglich gar nicht miteinander reden. |
| Ludwig: | Ach. |
| Arzt: | Ja, so steht es mit ihnen. Aber keine Bange, wenn sie sich soweit stabilisiert haben, sagen wir mal in einer Woche, dann werden sie ihrer Geschäfte nachgehen können, wie zuvor. |
| Ludwig: | Wenn alles gesund an mir ist, wie konnte es dann so weit kommen? Können sie mir das beantworten. Es kann doch nicht sein, daß der Körper einfach so schlapp macht. |
| Arzt: | Ja, das wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben, warum Gesundes stirbt und Krankes lebt. Mit der Evolution ist dies wohl nicht zu begründen. |
| Ludwig: | Sie, als Arzt, meinen also, daß da ein anderer sein Händchen mit im Spiel hat? |
| Arzt: | Als Arzt sehe ich nur, daß ein kerngesunder Mensch fast gestorben wäre, das sehe ich, ob das Vorherbestimmung war, mein Gott, wer weiß es. |
| Ludwig: | Hab ich mir fast gedacht, daß all die Naturwissenschaften doch nicht das letzte Rätsel lösen können. |
| Arzt: | Aber wir können damit sehr gut leben, mit dem Geheimnisvollen. Und wir müssen damit leben. Wir behandeln zwei Patienten auf gleiche Weise, der eine stirbt, der andere lebt. |
| Ludwig: | Ha, die Götter in Weiß sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. |
| Arzt: | Ach, glauben sie bloß keinem Menschen, der von sich sagt, er wisse alles, und erst recht keinem Gott, käme er auch in Weiß daher oder sonstwie. |
| Ludwig: | Jetzt lästern sie aber ganz schön, Herr Arzt. |
| Arzt: | Gott wird es mir verzeihen, entweder, weil er mir meine Unwissenheit zeiht oder weil ihm meine lästerliche Wissenheit ein Schmunzeln bereitet. |
| Ludwig: | So wird es sein. Hat eigentlich meine Frau mit ihnen bereits gesprochen. |
| Arzt: | Nur kurz, dann habe ich sie zum Chefarzt geschickt. |
| Ludwig: | Sie meint es nicht so, wirklich, sie will nur immer das Beste für mich. |
| Arzt: | Ach, da machen sie sich mal keinen Kopf, da habe ich schon ganz andere erlebt, im Grunde genommen ist ihre Frau eine liebenswürdige Person, nur eben sehr aufgeregt, was doch nur allzu menschlich ist. Gut, dann werde ich sie mal in Ruhe lassen, sie bleiben noch bis morgen früh unserer Gast, dann werden sie auf die normale Station verlegt. |
| Ludwig: | Gut, so soll es denn sein. |
| Arzt: | Sogar eine Station mit Einzelzimmer. |
| Ludwig: | Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen, meine Frau wird beruhigt sein. |
| Arzt: | Da bin ich ja beruhigt. |
Arzt geht mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
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| Heinrich: | Wäre die Welt eine Kloake, nichts könnte einem mehr stinken, denn alles stänke nach sich selbst, und das zu ertragen, gut, dazu muß jeder imstande sein, will er nicht an sich selbst verrecken
Leichen riechen süßlich, zuerst. Sie wollen sich uns angenehm machen, zuerst. Dann jedoch riechen sie säuerlich, sie gären, sie zeigen uns so, daß sie nicht mehr das Erdenlicht beehren wollen. Dann sind wir gefragt. Dann wird verbuddelt, was nicht mehr oben sein kann. Dann kommt Schatten zu Schatten. Dann gesellt sich Gleiches zu Gleichem. Gut, ganz so nah kommen sie sich nun auch wieder nicht, allein in der Tiefe, womöglich, sonst jedoch gibt es den Hauptweg, gleich hier, für Doktoren, Professoren und dem Adel, bürgerlichen und den von Geburt her, hier dann noch die Neunmalreichen und dann die Nebenwege, Lehrer, Beamte, Angestellte und die es sich sonst noch leisten können, neben sich zu liegen. Dann der große Rest, der die Breite füllen mag. Ja, auf dem Friedhof erkennt man, wer es im Leben zu etwas gebracht hat, und wer nur so gestorben ist, ohne etwas anderes im Leben erreicht zu haben. Der Friedhof ist alles andere als demokratisch organisiert, hier liegt man noch nach uralter Ordnung. Und selbst im Leben herrscht überhaupt nur einmal Demokratie, für eine winzige, quasi juristische, daher niemals wirkliche Sekunde, und zwar beim Stehen an der Wahlurne. Hier sind wir alle gleich, hier reichen wir uns alle die Hände, schmutzige, saubere, fingernagelbekaute, gecremte, lackierte und unlackierte. Aber was rede ich wieder dumm rum. Sollen doch die Leichen liegen wo sie wollen, soll doch jede nach ihrer eigenen Fasson glücklich werden, was jeder mit nach oben nimmt zu dem da oben, gut, das ist sowieso nicht mit herkömmlicher Materie faßbar, das entzieht sich jeglicher Materialisierung, das ist einfach so.
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| Ludwig: | Dreieinhalb Jahre, das sind drei Jahre a 365 Tage und ein halbes Jahr mit 182,5 Tagen, es sei denn, das halbe Jahr ist Teil eines Schaltjahres, was gut möglich ist, und für die Berechnung der Tage einfacher, dann zählte das halbe Jahr 183 Tage.
So werde ich also 900 plus 150 plus 45 sind gleich 1095 plus 183 Tage sind gleich 1278 Tage, einsitzen, wenn das halbe Jahr denn ein Schaltjahr ist, und bei meinem Glück wird es das sein, so wird es sein. 1278 Tage. Bildet man die Quersumme, 1 plus 2 plus 7 plus 8 ist gleich 18, dann noch einmal 1 plus 8, so ergibt sich die 9, merkwürdig, neun Millionen soll ich ja angeblich unredlich erworben haben. Ist die Richterin etwa bei der Berechnung der Strafe von den 9 Millionen ausgegangen? Ja, sie hat einfach eine Zahl gesucht, die der Quersumme von 9 entspricht, kam dann auf 1278 Tag und so weiter und so fort. Womöglich haben die bei der Justiz auch Tabellen, damit sie nicht rechnen müssen, da steht dann unter 9, wie NEUN MILLIONEN, sofort die Anzahl der Tage, als 1278 Tage. So hat also eine Quersumme über mein Leben entschieden. Genauer, die Quersumme mit dem Ergebnis 9. Und so fragt sich doch wirklich, wozu die Verhandlung nötig war, sie hätte mir doch gleich die Quersumme nennen können, ohne viel Gewese wären wir zu einem unfehlbaren Ergebnis gekommen, aber nein, sie wollen ja beschäftigt sein, die Juristen und Richter, wollen ja alle Geld, mein Geld verdienen, dabei genügte ein Blick in die (geheime) Tabelle und alles wäre klar. Und wirkliche Freiheit verspräche nur die Null, die Null als anzustrebendes Lebensziel, bleibe eine Null und du wirst niemals in ein Gefängnis müssen. Hätte ich null Euro verdient, wäre ich meinen Job losgeworden, aber ich wäre auch nicht vor Gericht gezerrt worden. Ja, ihr alle die ihr da mehr als eine Null sein wollt, lauft Gefahr, vor Gericht gezerrt zu werden. So ist das System, mein Gott, daß ich das System erst jetzt begreife, viel zu spät, zu spät.
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| Heinrich: | Über Zeit zu lamentieren, bleibt nur jenen, die genügend Zeit haben, also in Konkreto, den Toten. Sie können nachdenken, über verschwendete Zeit, unersetzbare Zeit, dahingeschiedene Zeit, gekrümmte Zeit, wenn sie denn mit Einstein einher gehen. David hatte nur ein Stein, Einstein hatte gleich sich selbst, dafür jedoch keinen Goliath, ha ha ha. Manchmal bin ich ja zu witzig, wenn das die Toten hörten. Ja, Zeit ist ein Phänomen. Man nehme nur die Zahl von 1278 Tagen, das sind rund dreieinhalb Jahre, verbringt man sie im Himmel, altert man, nach Einstein, nicht so schnell als auf Erden, was David dazu gesagt haben würde ist allerdings nicht überliefert auch von Gott hört man diesbezüglich nichts, die Bibel schweigt sich genüßlich aus, aber zumindest scheint Zeit nicht verloren gehen zu können, sonst stände doch in der Bibel das elfte Gebot, du sollst keine Zeit vergeuden, auch nicht die deines Nächsten, oder du sollst die fremde Zeit lieben wie deine eigene. Egal, man denkt nicht gerne über Zeit nach, sie zeigt einem seine Endlichkeit auf, das Ende, welches man nie mitdenkt, außer Politiker, die müssen alles bedenken, denkt man jedenfalls. 1278, woher hab ich bloß diese Zahl, komisch, plötzlich war sie da. Gedankenübertragung? Oder der Wind. Egal, ich muß noch Unkraut säen, äh, jäten, Heinrich: jäten. |
Bei Ludwig ist jetzt nur noch die Notbeleuchtung an, die ärztlichen Apparate wuseln leise herum, er schläft anscheinend, seine Stimme aus dem Off.
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| Ludwig: | Und wenn ich einfach stiften gehe? Ausreiße, abhaue, entfliehe, meinen, deinen, unserem Schicksal.
Ludwig, das wäre es doch. Paß, hast du. Geld, hast du. In Luxemburg und in der Schweiz angelegt, sogar in den USA hab ich ein kleines Vermögen hinterlegt, zur Beruhigung, nur zur Beruhigung, trotz aller Euroeuphorie konnte man doch nicht wissen, was wirklich kommt. Die Euphorie war doch mehr der Kleister zum Festhalten aller zittrigen Hände, der Kitt, mit dem man Träume mit der Wirklichkeit verbindet. Ja, was hält dich noch, Ludwig? Die Frau? Ach, Herta, eigentlich lebten wir längst in Scheidung, wenn da Heike nicht wäre. Und Heike? Meine Tochter, meine einzige Tochter, gut, ich werde sie vermissen, aber ich könnte sie ja im Ausland treffen, mit ihr Treffen um Treffen vereinbaren, das ginge doch! Besser als Haft wäre es allemal, doch allemal. Ja, ich will, ich will, ich will, fliehen. |
Ludwig steht auf, hell erleuchtet, er muß sich nicht entkabeln, er steht einfach auf, sein Körper scheint ein wenig schwebend, und es bleibt ein Körper im Bett, des Ludwig sein Leib eben. Er geht zur Tür und gelangt geradewegs zum Friedhof
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| Heinrich: | Plötzlich ist mir wieder so, als wenn ich nicht allein bin. Wer ist da? Der Tod, oder Gott, oder nur ein Mensch? |
| Ludwig: | Nun bin ich also doch hier, wieder hier. |
| Heinrich: | Ach, dies Grab hät' ich ja beinahe vergessen. Der Ludwig, verstorben in 2003, er wollte es wohl nicht anders. Bei ihm wächst das Unkraut aber auch allzu prächtig, da muß ich mit der Hacke mal rüber, so, das wäre es. Neulich war seine Frau hier, sie weinte sogar ein wenig, und sie legte ein Buch auf seinen Grabstein, wohl ihr erstes Werk, sagte sie jedenfalls, so nebenbei, nicht, daß ich gelauscht hätte, aber man bekommt doch eine Menge mit, als Friedhofsgärtner, quasi zwangsläufig. Das Buch? Ach es war so schrecklich, daß es beinahe schon wieder gut war, es soll auch ein Theaterstück von dem Buch geben, sagt man. Ob es gut ist? Was weiß ich, ich gehe nicht ins Theater, aus Prinzip schon nicht. |
Ausstattung:
Eine Kneipe, leicht verraucht, ein Fenseher dudelt im Hintergrund, Ingrid mit Bier am Tisch.
Personal:
| Ingrid | eine Ehefrau |
| Olaf | ein Ehemann |
| Freundin | eine Freundin |
| Kellner | ein Kellner |
| Jan | ein Sohn |
| Peter | noch ein Sohn |
| H-M | ein Hausmädchen (Nina) |
| Jakob | ein Mitarbeiter |
| Herr | ein Herr |
1. Akt
| Ingrid: | Weißt du, er hat sich verändert, seit damals, du weißt schon. |
| Freundin: | Ingrid! Das weiß ich doch. |
| Ingrid: | Nicht zum Guten. |
| Freundin: | Endlich siehst du es ein. |
| Ingrid: | Aber ... |
| Freundin: | Was, aber? |
| Ingrid: | Ich will ihn nicht feuern. |
| Freundin: | Tu es endlich, Ingrid, Mensch, das mußt du tun, du hast gar keine andere Wahl. |
| Ingrid: | Siebzehneinhalbjahre, das kann man nicht so einfach verdrängen. |
| Freundin: | Ist er fremdgegangen? |
| Ingrid: | Ja doch. |
| Freundin: | Und nicht nur einmal, zweimal, dreimal, viermal, und öfter und öfter. |
| Ingrid: | Ja, du hast ja Recht. |
| Freundin: | Schau, du sagst ihm, daß Schluß ist, ich regele alles Weitere. Ich kenne einen sehr guten Anwalt, er wird ihm die Hosen runterziehen, davon wird der noch in zwanzig Jahren träumen. |
| Ingrid: | Schwul ist er nicht. |
| Freundin: | Du kannst nie ernst bleiben. Was ist nur mit dir? ER HAT DICH BETROGEN. |
| Ingrid: | Ich ihn auch. |
| Freundin: | Ja, na und, das war doch nur eine Revanche. Er hat angefangen, mit dem Fremdgehen, das wollen wir mal festhalten. |
| Ingrid: | Ich war es. |
| Freundin: | Du? |
| Ingrid: | Na, der Steffen, mein Verflossener, es war ein Tag vor der Hochzeit, ich war soooo sauer auf Olaf, weil er mit seinen Freunden noch einmal losgezogen ist, und dann kam Steffen. |
| Freundin: | Na und, das war vor der Ehe. Aber, was viel wichtiger ist, während der Ehe hat er dich zuerst betrogen, so ist es doch, oder? |
| Ingrid: | Ich glaub, ja. |
| Freundin: | Also, dann ist ja alles klar, wenn er nachher kommt, dann sagst du es ihm. |
| Ingrid: | Meinst du? |
| Freundin: | Bin ich nun deine beste Freundin, oder nicht? |
| Ingrid: | Ja, ja doch. |
| Freundin: | Und habe ich dir jemals etwas Falsches geraten? |
| Ingrid: | Du hast mir gesagt, ich solle ihn nicht heiraten. |
| Freundin: | Womit ich vollkommen Recht hatte. |
| Ingrid: | Weißt du, es waren die besten Jahre, trotz alledem, meine besten Jahre. |
| Freundin: | Ingrid, das Leben ist hart, sei jetzt hart zu dir, trenne dich von ihm, diesem Taugenichts. |
| Ingrid: | Ich glaub, ich werd es bereuen. |
| Freundin: | Glauben kannst du in der Kirche, mein Kind, du wirst ihn aus deinem Leben fegen, Aus, Schluß, und dann beginnt etwas Neues. |
| Ingrid: | Etwas Neues? |
| Freundin: | Ja, etwas Neues, du wirst reisen, du wirst dein Leben genießen, schau mal, die Kinder sind bald raus, und du hast ein schönes Sümmchen geerbt, da läßt es sich doch noch einmal neu beginnen, ohne ihn. |
| Ingrid: | Ja, die Kinder sind bald fertiggestellt, lacht, und geerbt habe ich auch, aber warum sollte ich dann immerzu reisen? |
| Freundin: | Das hast du dir doch immer so gewünscht. |
| Ingrid: | Wenn ich es recht bedenke, warst du es, die es mir immer so sehr gewünscht hat, das sind original deine Ideen. Und selbst reist du überhaupt nicht herum. |
| Freundin: | Weil ich Flugangst habe. |
| Ingrid: | Und das Auto, die Bahn, der Bus? |
| Freundin: | Reden wir nun über mein oder dein Leben. Liebste, du hast mich doch gerufen, weil er dich wieder einmal betrogen hat, mit dem Hausmädchen. |
| Ingrid: | Ja, ja doch, womöglich hat er es getan. |
| Freundin: | Mit diesem, ach Ich-will-doch-nur-spielen-Weib. |
| Ingrid: | Schlampe. |
| Freundin: | Rote Haare trägt sie und ihre Titten schiebt sie beim Gehen immer voran, als bestände sie nur aus Titten. |
| Ingrid: | Die sind bestimmt nicht echt. |
| Freundin: | Echt oder nicht echt, schau dich an, wenn du so wie die aussehen willst, mußt du dir zehn Silikonpäckchen, je Seite, einwerfen lassen.
Ja, nun weinst du. Aber jetzt ist Schluß, nachher wird Schluß gemacht, wenn er kommt, versprichst du mir das? |
| Ingrid: | Gut. |
| Freundin: | Und kein Aber mehr. |
| Ingrid: | Gut, kein Aber mehr, jetzt muß ich aber noch einen Schnaps trinken, du auch? |
| Freundin: | Aber doch nicht am frühen Morgen. |
| Ingrid: | Ich brauch einen, jetzt, unbedingt. Kellner! |
| Kellner: | Was wünschen die Damen. |
| Ingrid: | Bitte zwei Klare, Doppelte. |
Olaf erscheint, Ingrids Ehemann.
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| Kellner: | Zwei Klare, die Damen, in doppelter Ausführung. |
| Ingrid: | Ach, lassen sie es lieber, später. |
| Kellner: | Hmh, wünschen die Damen sonst noch etwas. |
| Olaf: | Für mich ein Bier, Peter. |
| Kellner: | Wie immer? |
| Olaf: | Ja, wie immer. Was sucht denn die holde Weiblichkeit in diesem verräucherten Restaurant? |
| Freundin: | Na, ich werde mal. Tschüß, ihr beiden ... Turteltauben. |
Freundin geht umständlich, Olaf setzt sich an ihren Platz.
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| Olaf: | Warum bist du nicht im Geschäft? |
| Ingrid: | Warum bist du denn nicht im Geschäft? |
| Olaf: | Na, hör mal, du wolltest heute im Geschäft sein, hast du es etwa einfach abgeschlossen? |
| Ingrid: | Wäre das Hausmädchen da gewesen, hätte ich ihr die Schlüssel gegeben,
das wird sowieso das Beste sein, ich gebe ihr die Schlüssel. |
| Olaf: | Ach, daher ...
du, wirst doch nicht denken, was ich gerade denke ... |
| Ingrid: | Wenn ich wüßte, was du gerade denkst, könnte ich dir sagen, ob ich das denke, was du denkst, daß ich es denke. |
| Kellner: | Das Bier. |
| Olaf: | Danke Peter. |
| Ingrid: | Schläfst du mit ihr? |
| Olaf: | Spuckt am Bier. Was meinst du? |
| Ingrid: | Mein Gott, schläfst du mit ihr? Soll ich es schreien: Schläfst du ... |
| Olaf: | Laß, laß gut sein, was sollen die anderen Gäste denken. Wie stellst du dir das eigentlich mit dem Geschäft vor, das kannst du doch nicht einfach so abschließen, uns laufen unsere Kunden davon. |
| Ingrid: | Meine Kunden. |
| Olaf: | Mein Gott, ja, deine Kunden. |
| Ingrid: | Warum lenkst du eigentlich ab, bist du plötzlich feige, jetzt feige, als du mit ihr beim Axel Kaffee trinken warst, während ich im Geschäft saß, warst du doch auch nicht feige, oder? |
| Olaf: | Mein Gott, was redest du, lenke doch nicht immer ab. Willst du etwa alles aufs Spiel setzen. Das Geschäft, die Kinder, das, was wir uns gemeinsam aufgebaut haben, das alles ... |
| Ingrid: | ... ist nichts, wenn wir es auf eine Lüge aufgebaut haben. |
| Olaf: | Was für eine Lüge? |
| Ingrid: | Nun ist gut, war ich allein im Standesamt? Oder stand dein Doppelgänger neben mir, zeig mal deine Hand, ist womöglich gar kein Ring mehr dran ... nun zeig schon. |
| Olaf: | Du weißt doch, daß ich eine Goldallergie habe. |
| Ingrid: | Nicht nur das weiß ich. Goldallergie! Erzähl es dem Weihnachtsmann. |
| Olaf: | Wenn es aber stimmt. |
| Ingrid: | Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden. |
| Olaf: | Was willst du nur, erst bist du grundlos eifersüchtig, auf ein Hausmädchen, dann hackst du auf meine Krankheit herum, und jetzt rede ich dir nicht vernünftig genug. |
| Ingrid: | Du wirfst sie raus, aber sofort. |
| Olaf: | So wie die anderen vier Hausmädchen. |
| Ingrid: | Fünf, mein Lieber, fünf waren es bereits. |
| Olaf: | Ich geh in's Geschäft, einer von uns beiden muß ja arbeiten, sonst läuft nachher gar nichts mehr |
| Ingrid: | Geh nur, geh nur, aber wenn diese Person heute Abend nicht verschwunden ist, dann such dir gleich eine andere Bleibe. |
| Olaf: | Mensch Ingrid, wie redest du nur mit mir, liebst du mich nicht mehr? |
| Ingrid: | Liebe, was ist das, das Wort habe ich von dir noch nie gehört oder warte, in ferner Zeit, irgend, einmal, hast du es, glaube ich, gesagt, ich weiß nur nicht, ob du es zu mir, oder zu einem HAUSMÄDCHEN gesagt hast. |
| Olaf: | Liebe Liebe Liebe, nun hast du es gleich drei Mal von mir gehört. |
| Ingrid: | Ach laß, wenn Gott uns so lieben würde, wie du mich, dann wäre es um uns längst geschehen. |
| Olaf: | Diesen Unsinn hast du sicherlich von deiner Freundin, der Pfarrerstochter, gehört. |
| Ingrid: | Ja, sie ist eine Pfarrerstochter, na und. |
| Olaf: | Kann ich denn heute nichts Rechtes sagen, erscheint dir denn heute alles unsinnig, was ich sage. |
| Ingrid: | Wenn es nur das wäre, den heutigen Tag könnte ich ja noch ertragen, aber was wird morgen sein, sag mir, Olaf, was wird morgen sein? |
| Olaf: | Ich muß, das Geschäft. |
| Ingrid: | Geh nur. |
Olaf trinkt sein Bier in einem Zuge, und geht.
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| Ingrid: | Kellner, bitte zwei Doppelte, aber schnell.
Ich laß mich scheiden, gleich und jetzt und sofort, nachher bin ich beim Rechtsanwalt. Ich kann ihn einfach nicht mehr ertragen, sein besorgtes Getue, seine Stimme, seinen Geruch, mir ist alles an ihm zuwider. Wirklich alles. Ingrid, das war's. Basta. |
| Kellner: | Bitte, die Dame. |
| Ingrid: | Nun kommen sie mir ja nicht komisch. |
| Kellner: | Ups, das sollte nicht so klingen, mein Fräulein, meine Frau, oder? |
| Ingrid: | Ihre schon gar nicht. Trinkt den ersten Schnaps.
Der ist zu kalt, viel zu kalt. Zimmertemperatur, mein Gott, Zimmertemperatur braucht der. Den zweiten, den können sie gleich wieder mitnehmen, den kann ja keiner ertragen, so kalt. Und den ersten, den stellen sie mir ja nicht in Rechnung, sie. |
| Kellner: | Sie haben ihn ausgetrunken. |
| Ingrid: | Sollte ich ihn etwa ausspucken? Mein Gott, einen Schnaps trinkt man eben in einem Zuge, da bleibt es ihr Berufsrisiko, wenn sie ihn nicht ordentlich servieren. |
| Kellner: | O.k. Zimmertemperatur. leise Wird für sie auch das Beste sein. |
| Ingrid: | Diese Kellner, was die sich heutzutage heraus nehmen. Im Hilton hätte es gar keine Diskussion gegeben, aber was sag ich, im Hilton hätten sie so etwas erst gar nicht serviert. Diese Leichenkälte. Mein Gott, so trinkt man keinen Schnaps. Likör, vielleicht, oder so ein Mist- äh, Mixgetränk, Alkopop oder Cola light.
Er hat es noch gar nicht kapiert, daß endgültig Schluß ist. Aber was soll er schon dagegen unternehmen, auch hätte er es sich ruhig vorher überlegen sollen, bevor er diese Person, g e v ö g e l t hat, davor hätte er seine Hirnzelle anspannen sollen, aber das dazu nötige Blut hatte er ja umgeleitet, in den Lendenbereich. |
| Kellner: | Bitte. Stellt zwei neue Schnäpse auf den Tisch. |
| Ingrid: | Setzt an, und trinkt den ersten Schnaps. Na bitte, es geht doch.
Zimmertemperatur. Das, Herr Ober, war Zimmertemperatur. Hier nehmen sie das leere Glas gleich mit, das schaut ja aus hier, auf dem Tisch, als hätte ich es nötig. Und bringen sie gleich nochmal zwei. Oder, warten sie, füllen sie mir vier oder sechs, ja sechs, in ein Selterglas. O.K.? |
| Kellner: | Wie sie wünschen. |
| Ingrid: | Man muß sich ja heutzutage verstecken, wenn man mal einen gepflegten Schnaps trinken will. So ist das. |
Die Feundin erscheint wieder.
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| Freundin: | Na, wie ist es gelaufen? |
| Ingrid: | Wie schon? Ich hab ihm gesagt, daß Schluß ist, sofern er sie, nun höre gut zu, da hat er geschluckt, als ich das sagte, also, sofern er sie nicht bis zum heutigen Abend hinaus wirft, ganz einfach hinaus wirft, kündigt, vor die Tür setzt, freisetzt eben. |
| Freundin: | Du hast es noch einmal durchgehen lassen.
Ingrid, was hab ich gesagt? Du läßt dir das nicht mehr gefallen, hab ich doch gesagt, schmeiß ihn raus, hab ich dir gesagt, und du? Du setzt ihm ein Ultimatum, mehr nicht, sind wir hier etwa im Paradies? Nein. |
| Kellner: | Bittesehr, ihre Selter. |
| Freundin | Für mich bitte auch eine Selter. |
| Kellner: | Wie sie wünschen. |
| Freundin: | Was hat der denn, der wirkt plötzlich so deplaziert. |
| Ingrid: | Der Kellner? Ach der, dem hab ich erst einmal beigebracht, wie man einen Korn serviert, jetzt weiß er Bescheid, ist ja auch so einfach, das Ganze. |
| Freundin: | Und, wo ist er jetzt? |
| Ingrid: | Mein Göttergatte? |
| Freundin | Ja, dein ... |
| Ingrid: | Der ist im Geschäft. |
| Freundin | Ach, der Herr will sich einschleimen, im Geschäft hab ich den doch die letzten drei Jahre nicht mehr gesehen, da war er sich doch zu fein für, paar Toiletten putzen, der. |
| Ingrid: | Nun laß schon, kann eben keinen Urin riechen, der Mann. |
| Freundin: | Außer seinen eigenen. Typisch Mann. |
| Kellner: | Bittesehr, ihre SELTER. |
| Freundin | Dankesehr, für meine SELTER.
Warum betont der denn das so, ist der nicht ganz bei Sinnen, der Typ? setzt an und spuckt aus Das ist ja Korn. Lauwarmer Korn. Igitt, und das am frühen Morgen. |
| Ingrid: | lacht Ja, so ist das, meine Liebste, mitgehangen, mitgefangen. Laß man den Kellner, bleib sitzen, das ist nicht seine Schuld, der dachte, du willst das gleiche Getränk haben, wie ich es mir bestellt habe.
lacht Der schöne Korn, meene Kleene, dit kannst de doch nicht machen, einfach so, Korn verschütten. |
| Freundin: | Jetzt brauch ich erst mal einen Saft, dieser Geschmack, ekelhaft. Kellner! |
| Kellner: | Bittesehr. |
| Freundin: | Ja, dankesehr. Bitte einen Saft. Orangensaft. |
| Kellner | Wie sie wünschen. |
| Freundin | OHNE Schnaps ja, einfacher O r a n g e n s a f t. |
| Kellner | Ja, natürlich. |
| Freundin | Hoffen wir mal das Beste. |
| Ingrid: | Hoffen wir es mal. |
| Freundin: | Hoffentlich läßt der das Ultimatum verstreichen. |
| Ingrid: | Warum? |
| Freundin: | Dann kannst du ihn eliminieren, ganz einfach, eliminieren. |
| Ingrid: | Schätzchen, nicht so laut, sonst denkt der Kellner, daß ich ihn wirklich ... du verstehst schon. |
| Freundin: | Na und, soll er denken, was er will. |
| Kellner: | Der O r a n g e n s a f t. |
| Freundin: | nippt vorsichtig am Glas Hmh, ja, Orangensaft, besten Dank. |
| Kellner: | Bittesehr. |
Ingrids Sohn Jan erscheint.
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| Jan: | Tag'chen. leichte Umarmung |
| Ingrid: | Tag'chen. |
| Jan: | Mama, was hast du denn mit Papa getan, der ist ja freiwillig auf der Toilette. |
| Ingrid: | Was schon, endlich ist er stubenrein, und du meckerst, Junge. |
| Jan: | Nicht die Toilette, Mama, er ist im Geschäft, hab ihn gerade gesehen, eigentlich wollte ich ja nur einen Zehner, du weißt schon, heute ist doch Kinotag. |
| Ingrid: | Und er hat dir keinen gegeben. |
| Jan: | Hmh, hab lieber nicht gefragt, da lagen erst dreißig Cent, womöglich hätte er mich gleich ins Geschäft eingespannt, du kennst ihn ja. |
| Ingrid: | Gut, hier hast du einen Zehner holt einen Zehner hervor, aber du bist heute Abend spätestens um elf zu Hause, ja? |
| Jan: | Im Gehen: Klar doch. |
Jan entschwindet.
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| Freundin: | Wo waren wir stehen geblieben? |
| Ingrid: | Weiß nicht? |
| Freundin: | Ach ja, wir waren beim Eliminieren. Wenn der also das Ultimatum verstreichen läßt, dann schmeißt du ihn endgültig raus, und das Hausmädchen gleich mit. |
| Ingrid: | Sie ist ein Au-pair-Mädchen, die kann ich nicht so einfach heraus schmeißen, wie du dir das denkst. Und überhaupt, wer soll dann auf den Kleinen aufpassen, Jan?, wohl kaum, und der Mittlere, der Peter hat nur seine Raketen im Kopf, stell dir vor, der will später bei der NASA Raketen bauen, als wenn der Himmel nicht schon genug Eintagsfliegen gesehen hätte. Es genügt doch, wenn er denkt, daß er sie rauswerfen müßte, tut er es nicht, dann werfe ich ihn raus. |
| Freundin: | Gut gut gut, das Hausmädchen nicht, aber du wirst ihr gehörig den Kopf waschen, sicherlich. |
| Ingrid: | Du, die ist 19, ich muß nur auf Jan aufpassen, der schielt bereits verdächtig auf ihre leise: Möpse. |
| Freundin: | Nun schlägt es dreizehn, dein Herr Sohn scheint ja vollkommen nach seinem Vater zu kommen. |
| Ingrid: | Nicht so laut, die anderen Gäste schauen bereits nach uns. |
| Freundin: | Was heißt hier, "anderen Gäste", der eine Greis, da hinten, der da, der gehört doch bereits zum Inventar, und sonst, sonst sehe ich hier keine weiteren Gäste, gut der Herr dort, noch ein Zuschauer. |
| Ingrid: | Gut, laß es gut sein, ich muß jedenfalls auf Jan aufpassen, jedenfalls die nächsten neun Monate, dann ist ihre Zeit sowieso um. |
| Freundin: | Gut, sie bleibt, aber er fliegt, versprichst du mir das? |
| Ingrid: | Ja, mein Gott, ja. |
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Hausmädchen erscheint.
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| Feundin: | Wenn man vom Teufel spricht ... |
| Ingrid: | ... nun laß, sie kann doch nichts dafür. |
| Freundin: | Wie du meinst. |
| H-M: | Ach, sie sind hier, wo ist Herr Olaf, er wollte zeigen, wie Mangel funktioniert. |
| Ingrid: | Ach, die Mangel, ja, Kind, das ist sein Gebiet, das Mangeln, da kann ich auch nicht weiterhelfen. |
| Freundin: | Kommen sie, setzen sie sich zu uns, Frau? ... |
| H-M: | Ja? |
| Ingrid: | Nun setzen sie sich schon, Bettina. |
| Freundin: | Ach, Bettina heißen sie, ein wunderschöner Name, klingt so wunderbar russisch. Kind, ich liebe Rußland, dieses weite Land, mit seinen Steppen, Bergen, Flüssen und Seen, sie hatten doch diesen Tolstoi bei sich und Dostojewski und überhaupt, Moskau, Petersburg. |
| H-M: | Ich komme aus der Ukraine. |
| Freundin: | So. Das hört man ihnen gar nicht an. Egal, die Ukraine ist ja quasi auch Rußland, jedenfalls für uns Deutsche. |
| H-M: | Das kann sein. |
| Freundin: | Ach hier, nehmen sie, uns ist ein Glas Korn übrig geblieben, trinken sie es ruhig aus, sie trinken doch gerne, dort, nicht? |
| H-M: | Ich versteh nicht? |
| Freundin: | Na, trinken, einen heben, ... s a u f e n ... |
| H-M: | Ich trinke nicht. |
| Ingrid: | Schon gut, sie meint es nicht so, wollen sie einen Saft. |
| H-M: | Nein, ich gehe lieber, ich werde mit Bügeln beginnen, bis Herr Olaf kommt, ja? |
| Freundin: | Nun seien sie doch nicht gleich eingeschnappt, nur wegen des Schnapses. |
| Ingrid: | Laß.
Gut, gehen sie ruhig. |
| H-M: | Tschüß. |
Das Hausmädchen geht recht unbeholfen hinweg.
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| Freundin: | Eine Ukrainerin, die nicht trinkt, man sollte sie im Panoptikum ausstellen. |
| Ingrid: | Gleich neben meinem Mann. |
| Freundin: | Das würde dem so passen. |
| Ingrid: | Ob dem das wirklich so passen würde? |
| Freundin: | Männer! Du kennst sie doch. Und kennst du drei, so kennst du alle. |
| Ingrid: | Drei? |
| Freundin: | Ja, drei. Den Macho, den Antimacho und dem, der betont, daß er weder Macho, noch Antimacho sei. |
| Ingrid: | Und meiner? |
| Freundin: | Deiner ist alle drei, quasi gleichzeitig, eine zusammengefügte Persönlichkeit. |
| Ingrid: | Du hast gut Lachen, du hast ja keinen Mann,
Ach, ich hätt' so gerne keinen Mann, Keinen richtigen Mann, Mit dem man alles machen kann, Der einem küßt, wie sonst kein Mann.
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| Freundin: | Vergiß es, den findest du nicht, höchstens als Gummipuppe, aber selbst den mußt du erst mal aufblasen. |
| Ingrid: | Meiner war gestern ganz anders zu mir, so ganz anders, weißt du, er wollte mich wieder einmal verstehen, sogar reden wollte er mit mir, hatte extra seine Zeitung weggelegt, ich hätte ihn knuddeln können, dafür. |
| Freundin: | Ach, dann hat er also bereits Lunte gerochen, der Sauhund. |
| Ingrid: | Glaub ich nicht, warum auch? |
Jakob erscheint.
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| Jakob: | Frau Ingrid, sie sind heute gar nicht im Geschäft? Ich dachte, ich sollte heute die Scheiben putzen, aber ihr Mann hat gesagt, ich bräuchte nicht. |
| Ingrid: | So ein Blö.. Äh, er weiß sicherlich nichts davon, Jakob, ich werde mal schauen, was der da so treibt, bleib solange hier, du kannst heute noch die Scheiben putzen, ganz klar, das regele ich. |
Ingrid geht in's Geschäft.
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| Freundin: | Setzen sie sich doch, Herr ... |
| Jakob: | Jakob. Alle nennen mich so. Alle die mich kennen, jedenfalls. Die anderen, gut, da weiß ich es nicht, wie die mich nennen, aber wenn sie mich kennen würden, die anderen, dann würden sie mich auch Jakob nennen, verstehen sie. |
| Freundin: | Also Jakob, denn ich kenne sie ja nun. Jakob, wollen sie einen Korn trinken, wir haben ihn aus Versehen bestellt. |
| Jakob: | Während der Arbeit trinke ich ... |
| Freundin: | ... nun hören sie schon auf, sie arbeiten doch zur Zeit gar nicht. Sie sitzen doch hier, neben mir. |
| Jakob: | Gut. Gut, wenn sie meinen, aber nur einen ganz kleinen. |
| Freundin: | Ach, das Glas werden sie schon schaffen reicht ihm das Glas |
| Jakob: | Das ist ja halb voll. |
| Freundin: | Was für ein Optimist. Aber wenn es sie beruhigt, es ist halb leer, so läßt es sich besser trinken, wegen der Arbeit, sie wissen schon. |
| Jakob: | Prost. |
| Freundin: | Prösterchen. |
| Jakob: | Sie sind mir eine Granate. |
| Freundin: | Aber Hallo. Sie. |
| Jakob: | Entschuldigung, ist mir nur so rausgerutscht, quasi. |
| Freundin: | Was halten sie eigentlich von der Ingrid? |
| Jakob: | Meine Gretel ist mir lieber. |
| Freundin: | Sie sind verheiratet? |
| Jakob: | Nein, meine Nachbarin. |
| Freundin: | Haben sie was mit ihr, sie wissen schon. |
| Jakob: | Ohh, sie ist ein wirklich schönes Mädchen, wissen sie. |
| Freundin: | Gut, sie haben nichts mit ihr, vermutlich haben sie noch nicht ein einziges Mal mit ihr gesprochen. |
| Jakob: | Doch, erst gestern. |
| Freundin: | Und, was hat sie gesagt? |
| Jakob: | Guten Tag. Sie müssen wissen, es war schon mitten am Tag, als wir uns trafen, und das Sonnenlicht fiel auf ihr blondes Haar. |
| Freundin: | Gut gut gut, sie mag schön sein, aber, Ingrid ist doch auch nicht, hmh, gerade häßlich. |
| Jakob: | Nö. |
| Freundin: | Na, sehen sie, die könnten sie haben, eine richtige Frau, wissen sie, nicht nur eine Nachbarin. |
| Jakob: | Ja? |
| Freundin: | Ja, doch, das werden wir schon hinkriegen. |
| Jakob: | Sie ist doch verheiratet. |
| Freundin: | Nicht mehr lange. |
| Jakob: | Ach so. |
Ingrid kommt wieder, leicht erregt.
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| Ingrid: | Wäre ich bloß nicht hingegangen, dieser Mann macht mich wahnsinnig. Nimmt der den Lappen, den ich extra für die Waschbecken bereithalte und säubert damit das Urinal. |
| Jakob: | Urinal? |
| Ingrid: | Pissbecken. Ich werd verrückt. Der ruiniert mein Geschäft. Und was sagt er? Ich solle mich nicht so anstellen, er könne es ja nicht wissen. Dabei habe ich den Lappen extra unter den Waschbecken zu liegen. |
| Freundin: | Mein Gott, dieser Mann ist sogar zum Pissbeckensaubermachen zu dämlich. |
| Jakob: | Und, darf ich nun Fensterputzen? |
| Freundin: | Ganz ruhig, bleib mal ganz ruhig, mein Junge, die Fenster werden schon noch drankommen. |
| Ingrid: | Stell dir vor, er wollte die Fenster selbst putzen, als wenn er nicht bereits mit der Kloanlage überfordert wäre. Ich hab ihm gesagt, Olaf, das Geschäft überlaß mir, da will der doch einfach nach Hause gehen, ich: du bleibst schön, er: ich gehe, ich: dann brauchst du nicht wiederkommen, er: dann komme ich eben nicht wieder, ich: Tschüß |
| Freundin: | Wahnsinn, er ist wirklich gegangen? |
| Ingrid: | Wo denkst du hin, plötzlich fragt der mich, ob ich ihn nicht mehr lieben täte. |
| Freundin: | Und du? |
| Jakob: | Was ist nun, kann ich die Fenster putzen? |
| Freundin: | Still.
Nun sag schon. |
| Ingrid: | Ich hab gesagt ...
ich hab gesagt, ach ich habe gar nichts gesagt. Was sollte ich auch tun, er umarmt mich, küßt mich plötzlich, bis ich bermerkt hatte, daß er den Lappen noch nicht fortgelegt hatte, war es bereits zu spät, er hat mich vollkommen naß gemacht. Aber, so gut wie er, so gut küßt eben keiner. |
| Freundin: | Du hast es wieder nicht getan. |
| Ingrid: | Zumindest darf Jakob die Fenster putzen gehen. |
| Freundin: | Was für ein Erfolg. |
| Jakob: | Jetzt gleich? |
| Freundin: | Jetzt gleich. Jetzt gleich. Alles muß bei den Männern sofort geschehen, am liebsten alles in zwei Minuten, rein, raus, man ist ja schließlich auf der Jagd, und da darf man sich keine Blöße geben, nicht wahr, auf der Jagd. Nicht vor dem Wild, aber auch nicht vor den Mitjägern. So ist es doch, Jakob? |
| Jakob: | Was ...? |
| Ingrid: | Schon gut, du kannst die Fenster sofort putzen gehen. Wenn du fertig bist, sagst du Bescheid, ich guck mir dann alles an, Bezahlung bekommst du dann im Anschluß, wie immer. |
| Jakob: | Wie immer. Dann geh ich mal, bis gleich. |
Jakob geht hinaus.
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|
| Freundin: | Ingrid, du wirst doch nicht etwa wieder schwach werden. |
| Ingrid: | Glaubst du, ich bin blöd? |
| Freundin: | Dazu sag ich lieber nichts. |
| Ingrid: | Ist auch besser so. |
| Freundin: | Wie du meinst. |
| Ingrid: | Er will mit mir zusammen eine Kreuzfahrt machen, wo er doch Kreuzfahrten so sehr haßt, stell dir vor, eine Kreuzfahrt. |
| Freundin: | Bestechung. |
| Ingrid: | Gönnst du es mir nicht? Gib es zu, Liebste. |
| Freundin: | Ich gönne dir alles auf der Welt, das weißt du doch, Ingrid, vor allem gönne ich dir einen besseren Mann, einen, mit dem man etwas anfangen kann. |
| Ingrid: | Und wen meinst du damit? |
| Freundin: | Einen ganz bestimmten. Schmuck aussehend, arbeitsam, einer aus dem Reinigungsgewerbe, quasi einer, der dir in deinem Geschäft richtig helfen könnte. |
| Ingrid: | Nun sag schon, wen meinst du. |
| Freundin: | Eigentlich müßtest du es längst wissen, schließlich kennst du ihn seit Jahren. |
| Ingrid: | Karl, etwa? |
| Freundin: | Wo denkst du hin, Karl, das ist doch ein Verlierertyp. |
| Ingrid: | Werner? Nun sag es schon. |
| Freundin: | Jakob ist es, stell dir vor, Jakob, er hat mir gerade gestanden, daß er dich lieben täte, seit Jahren, aber er ist so schüchtern, du weißt ja, wie Männer eben sind. |
| Ingrid: | Jakob! Das hätte ich nicht gedacht, ich dachte, der liebt seine Freiheit. |
| Freundin: | Und stell dir vor, er ist zur Zeit ohne Freundin, zumal unverheiratet, keine Kinder, kein Nichts, total ungebunden. |
| Ingrid: | Also Jakob. |
| Freundin: | Das hättest du nicht gedacht, nicht? |
Olaf tritt ein.
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| Olaf: | Ach, die gute Freundin ist immernoch anwesend. |
| Freundin: | So kennen wir ihn, immer zu einem Spaß aufgelegt. |
| Olaf: | Und, hast du einen neuen Freund. |
| Freundin: | Stell Dir vor, das Gleiche wollte ich dich fragen. |
| Olaf: | Kannst du uns einen Moment allein lassen, wir haben etwas zu bereden. |
| Freundin: | Ingrid? |
| Ingrid: | Geh schon, wir sehen uns nachher, ja? |
| Freundin: | Gut, wie du meinst. Einen schönen Tag noch ahmt das Hausmädchen nach: "Herr Olaf" |
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Freundin geht, mit schiefem Lächeln, aber sie lächelt, noch.
|
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| Olaf: | Ich mag sie nicht. |
| Ingrid: | Ich mag sie auch nicht, aber sie ist meine beste Freundin, wir kennen uns ewig, sie hat ein gutes Herz. |
| Olaf: | Sie oder ich. |
| Ingrid: | Na, hör mal, was soll denn das nun. |
| Olaf: | Sie oder ich. Du, ich meine es ernst. |
| Ingrid: | Ist dir etwas zu Kopf gestiegen, etwa der Toilettenduft? |
| Olaf: | Gut, es hat sich erledigt, ich ziehe aus. |
| Ingrid: | Bitte, bitte, ich werde dich nicht abhalten. |
| Olaf: | Liebst du mich nicht? War das nichts, vorhin, im Geschäft? |
| Ingrid: | Was willst du? Soll ich meine beste Freundin aufgeben, für dich? |
| Olaf: | Ja. |
| Ingrid: | Wenn du über deine Weibergeschichten ebenfalls so denken würdest. |
| Olaf: | Weibergeschichten! Du übertreibst, wie immer. |
| Ingrid: | Ich glaube, du kannst ruhig gehen. |
| Olaf: | Gut, dann gehe ich jetzt. |
| Ingrid: | Das hoffe ich doch. |
| Olaf: | Na hör mal, nur wegen dieser Person. Wir verstehen uns doch prima, immer wenn sie nicht dabei ist, läuft alles super, nur wenn sie aus ihrem Zimmer kommt, dann gibt es Theater. |
| Ingrid: | Olaf, sie braucht mich, ihr Mann hat sie vor die Tür gesetzt, wo soll sie hin, und wir haben doch das eine zusätzliche Zimmer, es stünde sonst sowieso nur leer. |
| Olaf: | Mein Arbeitszimmer. |
| Ingrid: | Was arbeitest du schon. |
| Olaf: | Ich schreibe. |
| Ingrid: | Du schreibst nicht, du murckst. |
| Olaf: | Es gab Zeiten, bevor deine Freundin zu uns zog, da hast du mein Geschreibe gemocht, wirklich gemocht. |
| Ingrid: | Na und, was soll das schon heißen. Hast du etwa einen Verlag, für dein Geschreibse? |
| Olaf: | Immer fängst du damit an. |
| Ingrid: | Hast du einen Verlag? |
| Olaf: | Das weißt du ganz genau. |
| Ingrid: | Also hast du immernoch keinen Verlag. Punkt. |
| Olaf: | Was sagt das schon über die Qualität des Geschriebenen aus. |
| Ingrid: | Es sagt etwas darüber aus, ob du mit deiner Tintenkleckserei Geld verdienst oder nicht. Mensch, du hast eine Familie, drei Kinder, die gilt es zu ernähren, werde endlich erwachsen, und was machst du, schwängerst am liebsten das Hausmädchen, Olaf, es reicht. |
| Olaf: | Ich muß, ich habe einen Termin mit einem Verleger, übernimmst du bitte das Geschäft, ja? |
| Ingrid: | Ja ja, geh nur, heute bleibt das Geschäft geschlossen, Jakob soll es abschließen, gib ihm die Schlüssel. |
| Olaf: | Gut. |
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Olaf geht.
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| Ingrid: | Ich weiß gar nicht, womit ich diesen Mann verdient habe. Ich muß im vorigen Leben ganz schrecklich zu Männern gewesen sein, womöglich war ich selbst ein Mann, ein bösartiger Mann, der Frauen verfolgte, oder ein sonstiger Tunichtgut.
Eine Familie zu bekommen, ist leicht, sie zu erziehen, umso schwerer. Als Frau bleibt einem jedoch nichts anderes übrig, als die Familie zu erziehen, das nimmt der Frau kein Mann ab, die meisten taugen sowieso nur zum Arbeiten, gäbe es keine Männer, man müßte sie für die Arbeit erfinden. Er stellt mir ein Ultimatum. Sie stellt mir ein Ultimatum. Fehlen nur noch meine Söhne, und meinetwegen, seine Eltern, meine Eltern. Das Leben lebt sich schwer. Nicht, daß ich klagen will, aber, könnte er nicht wenigstens eines seiner Bücher veröffentlichen? Es muß ja kein Harry Potter sein, es genügte doch bereits ein Werther oder wenigstens ein Krull, egal, er ist nicht vom Erfolg verwöhnt. Dabei schreibt er nicht schlecht Man kann es lesen. Hochdeutsch. Sogar Hochdeutsch. Und so wenige Fehler in der Rechtschreibung. Einfach gut. Ich hab seine Manuskripte gleich meinem Ältesten gegeben, zum Lesen, er sollte sich daran ein Beispiel nehmen, an der schönen Schrift und der guten Rechtschreibung. Und was macht mein Herr Sohn? Er schreibt aus einem Manuskript ab, für einen Schulaufsatz! Als er dann nur eine vier bekam, war das die rechte Strafe, auch für Olaf, stets dachte er, ungerecht behandelt zu werden, von den Verlegern. Nein, ein Deutschlehrer hat ihm gezeigt, wo sein Talent nicht liegt. Danach überkam ihm eine Schreibhemmung, bis er wieder an sich glaubte verging beinahe ein ganzes Jahr. Aber so sind die Männer, wie Männer eben sind, Männer. |
Jakob erscheint.
|
|
| Ingrid: | Bist fertig? |
| Jakob: | Ja, mit dem Geschäft bin ich fertig. gibt ihr die Schlüssel |
| Ingrid: | Alles sauber. |
| Jakob: | So wie immer. |
| Ingrid: | Gut, hier hast du die Pinunsen. |
| Jakob: | Danke. |
| Ingrid: | Eine Zeit ist vergangen, während der Jakob herumsteht.
Was ist, Jakob, stimmt der Betrag nicht. |
| Jakob: | Nein, das nicht. |
| Ingrid: | Was dann? Willst du etwa nicht mehr kommen? War es das? |
| Jakob: | Nein, ganz im Gegenteil. |
| Ingrid: | Noch öfters kann ich dich nicht bezahlen, das weißt du doch. |
| Jakob: | Hmh, darf ich mich zu ihnen setzen. |
| Ingrid: | Jakob, du kannst ja richtig vornehm sein. |
| Jakob: | Wenn es sein muß. setzt sich |
| Ingrid: | Nun, was gibt es. |
| Jakob: | Ich hab da so eine Idee. |
| Ingrid: | Eine Idee? Etwa die Scheiben nur noch von Außen putzen, hatte ich auch schon, dann verdienst du aber nur die Hälfte, ist doch klar, Jakob. |
| Jakob: | Nein nein, es geht nicht ums Geschäft, ich hab da so eine Idee. |
| Ingrid: | Jakob! nun sag es schon. |
| Jakob: | Ich habe eine Idee, hmh, wir könnten doch ... |
| Ingrid: | ...Was? ... |
| Jakob: | ...heiraten? |
| Ingrid: | Jakob, du überraschst mich, du bist ein ganz Netter, das weißt du doch, das hab ich dir schon immer gesagt, aber ich bin doch verheiratet. |
| Jakob: | Nun, gut. |
| Ingrid: | Wer hat dich denn auf diese, entschuldige, absurde Idee gebracht? |
| Jakob: | Nun, ich liebe sie, dich. |
| Ingrid: | Quatsch. |
| Jakob: | Kein Quatsch, ich liebe dich wirklich. |
| Ingrid: | Warte, du warst doch vorhin mit meiner Freundin allein, hier an diesem Tisch, was hat sie dir gesagt? |
| Jakob: | Hmh, nichts weiter, nur daß sie fürchterlich einsam seien und dieser Mann nicht der richtige ... |
| Ingrid: | So ein Früchtchen. |
| Jakob: | Gut, dann werde ich mal. |
| Ingrid: | Jakob, nichts für ungut, aber so eine Überraschung. |
| Jakob: | Entschuldigung. |
| Ingrid: | Ach, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, du, mein kleiner kleiner dummer lieber drückt ihn an sich, küßt ihn auf den Mund, sogar recht leidenschaftlich |
Der Sohn erscheint.
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| Ingrid: | Du schon wieder, brauchst du noch einen Zehner? |
| Jan: | Mama, du bist meine liebste Seherin. Wirklich, noch ein Zehner wäre nicht schlecht. |
| Ingrid: | Gibts nicht. |
| Jan: | Mama, dann kann ich den Kinotag vergessen. |
| Ingrid: | Deine Kumpels haben doch eigenes Geld.
Ach, daher weht der .... Schau mich mal an .... Ja, hast du etwa eine Freundin, eine erste, deine erste große Liebe? |
| Jan: | Nicht direkt. |
| Ingrid: | Du wirst ja ganz rot, im Gesicht, Sohn. |
| Jan: | Ma! |
| Ingrid: | Ok. Ok., hier hast du den Zehner, aber du paßt auf, ja, du weißt schon. |
| Jan: | Was weiß ich schon? |
| Ingrid: | Tu nicht so, du weißt schon. |
| Jan: | Gut, ich weiß es schon, Tschüß, dann, Ma. Er geht, zuvor Küßchen. |
| Ingrid: | Weiß er es wirklich nicht oder ist er etwa, nein, das nicht. Gut, er ist ein Spätentwickler, aber das doch nicht, lieber nicht. Ich hätte nach dem Namen der Bekanntschaft fragen sollen, ich dämliche Kuh, gut, aber das werd ich schon noch herausfinden |
Olaf erscheint.
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| Olaf: | Zum Ober: Peter, ein Bier.
Ingrid, mein Liebling, was denkst du, was mir gerade geschehen ist. |
| Ingrid: | Du hast einen Kurs in Querquatschen gewonnen. |
| Olaf: | Ich habe einen Verlag. |
| Ingrid: | Endlich hat sich ein Idiot gefunden, der dich verlegen will. |
| Ober: | Ihr Bier. |
| Olaf: | Zum Ober: Danke.
Er ist absolut renommiert, der Verlag, das Feinste und Beste auf dem deutschen Markt. |
| Ingrid: | Hast du sie nun rausgeschmissen. |
| Olaf: | Du weißt doch selbst, daß ich das nicht kann. |
| Ingrid: | Immer wieder das alte Lied, einem Au-Pair-Mädchen könne man nicht kündigen, wie lange willst du mir so etwas noch erzählen. |
| Olaf: | Ingrid, begreifst du nicht, ich habe einen Verlag, einen Vertrag, ein Buch wird von mir veröffentlicht werden, ach, was sag ich, eins, zweidreivierfünfsechs, ich hab ihm meine gesammelten Schreibwerke gegeben, in einem großen Karton. |
| Ingrid: | Bist du blöd, warum verramschst du dein Werk? |
| Olaf | Ich dachte, du freust dich. |
Das Hausmädchen erscheint.
|
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| H-M: | Herr Olaf, sie müssen mir zeigen, wie Mangel geht, ich hab ein Haufen Wäsche, alles muß gemangelt werden. |
| Olaf: | Gleich, meine Liebe. |
| Ingrid: | Geh nur. |
| Olaf: | Ja? |
| Ingrid: | Du weißt, wohin ich meine! |
| Olaf: | Wenn ich ihr nun die Mangel zeigen muß. |
| Ingrid: | Geh ruhig. |
| Olaf: | Bis gleich, mein Schatz. |
Olaf und das Hausmädchen gehen.
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| Ingrid: | Jetzt, wo ich ihn rausschmeißen werde, hat er einen Verlag,. Aber ich werde ihn nicht halten, ich schmeiße ihn einfach raus.
Ingrid, der spinnt sowieso nur herum. Hat er dir einen Vertrag gezeigt? Nein. Hat er dir einen Scheck gezeigt? Nein. Hat er den Verlag benannt? Nein. Es soll ein renommierter Verlag sein. Was wird er schon darunter verstehen? Wahrscheinlich ein Selbstverlag, man nehme 10.000 Euro gebe es dem Verlag und er bringt eine Ausgabe heraus, die man dann unter seinen Freunden verteilen kann. Die Freunde werden sich bedanken, die einen weil sie nun extra zur Papiertonne gehen müssen, die anderen, weil sie wirklich ernsthaft das Buch lesen wollen. Und wenn er doch? Und wenn er doch einen richtigen Verlag hat? Egal, er muß weg, weg mit ihm, weg. |
Jan erscheint wieder.
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| Ingrid: | Noch ein Zehner? |
| Jan: | Nein, hast du Nina irgend wo gesehen, ich such sie schon den ganzen Nachmittag. Ist sie etwa, im Geschäft? |
| Ingrid: | Jaaan, du wirst dich doch wohl nicht mit dem Hausmädchen verabredet haben. |
| Jan: | Und wenn? |
| Ingrid: | Und wenn! Das ist kein Spaß, Junge. Aber was sag ich, ganz der Vater. |
| Jan: | Nein, Mama. |
| Ingrid: | Was heißt hier, nein, Mama. |
| Jan: | Eben NEIN. Ich such mein blaues Hemd, du weißt schon, sie wollte es bügeln. |
| Ingrid: | Ach so. Sie ist mit dem Vater im Keller mangeln. |
| Jan: | Dann hat sie das Hemd bestimmt vergessen, ich geh gleich zu ihr. |
| Ingrid: | Tu, was du nicht lassen kannst. |
Jan geht.
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| Ingrid: | Was ich nur denke.
Mein Sohn, mit dieser Person! Er soll das Geschäft übernehmen, da hat er was Besseres verdient. Die Kleine von der Petersen, der, mit dem Laden an der Ecke, ja, die wäre das rechte Ding für ihn. Sie wird auch das Geschäft übernehmen, ein gutgehendes, und sie ist die einzige Erbin, die Petersen hat nur eine Tochter, wie heißt sie nur, Karin glaub ich, oder doch Katrin? Egal, Karin oder Katrin, sie scheint recht nett und wenn sie nicht nett ist, egal, mein Herr Sohn wird sie schon nett finden. Dafür sorge ich. Aber zuerst muß ich herausfinden, mit wem er sich verabredet hat. Und ihn, den mit dem Superverlag, mein Supergatte, den muß ich loswerden oder nicht? Sollte ich ihn lieber nicht loswerden wollen? Jetzt, wo er doch Perspektive hat, womöglich wird er ein später Grass oder ein früher Böll, meinetwegen auch Karl May, der erste Reiseschriftsteller, der nicht gereist ist, ein Phantast, ein Lem, ein Tolstoi, einer, der Bauer werden will, zurück zum Ursprung, egal, Hauptsache, er verdient mit seinem Geschreibse ordentlich Geld. Was mach ich nur? Sag es mir ... schaut das Kornglas an ... im Wein liegt die Wahrheit, sagt man, im Weinen liegt der Wein, also auch ein Stück Wahrheit ... Alkohol ist für die Nerven gut ... nur nicht nervös werden, Ingrid ... Was mach ich nur? Meine innere Stimme! Ja, meine innere Stimme wird es mir sagen. Meine Bauchstimme. Meine höchstallerlliebste Bauchstimme. Aus ihr heraus will ich entscheiden ... rülpst ... war es das schon! Und was soll es bedeuten? Aus meinem Bauch rülpst es und ich soll deuten, was es bedeuten soll. Schöne Aufgabe. Gut, wenn es nach dem Geruch ginge, Grabesgeruch, dann wär es das gewesen, Aus, Schluß und vorbei: mein Leben: Familie, Kind, Geschäft und ein Autor, der jetzt, jetzt endlich einen Verlag gefunden hat, nein, wir werden leben, ja, wie die Potterschreiberin, mindestens, wenn nicht noch besser, komfortabler, schöner, angenehmer, sittsamer, leidenschaftlicher, deutscher, gut, ein wenig französisch darf es auch sein, wegen der Lebensart. Wo bleibt sie nur, meine allerbeste Freundin, jetzt, wo sie mir etwas raten könnte, jetzt, wo mein Bauch nur rülpst, Untergangsblasen, da könnte sie mir wirklich ihre Meinung sagen ... sonst sagt sie mir doch auch ständig ihre Meinung. |
Ein Herr erscheint, wohl Stammgast, grüßt den Ober
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| Herr: | Sie, Madame, habe ich hier noch nie sehen dürfen, darf ich mich zu ihnen setzen? säuselt er wie angetrunken dieses Mantra des Kennenlernenwollens, während er sich bereits hinsetzt |
| Ingrid: | Bitte. |
| Herr: | zum Ober: Der Ober, ein Bier, bitte. zu Ingrid: Was darf ich für die Dame bestellen? |
| Ingrid: | So leicht bin ich nicht zu ... |
| Herr: | ... natürlich nicht. Ein Wasser, wie es hier steht, die Dame? |
| Ingrid: | Gut, nun bestellen sie schon. |
| Herr: | zum Ober: Ein Wasser für die Dame. |
| Ober: | fragt Ingrid: Das Wasser? |
| Ingrid: | Was sonst, und unterstehen sie sich, es zu kühlen. |
| Ober: | Wie gehabt. |
| Herr: | Kühles Wasser mundet ihnen nicht? |
| Ingrid: | Nicht alles was kühl sein muß, muß mir auch schmecken. |
| Herr: | Recht so, Ingrid. |
| Ingrid: | Woher kennen sie meinen Namen? |
| Herr: | Haben sie ihn gerade eben nicht genannt? |
| Ingrid: | Nein, so weit waren wir noch nicht, Herr? |
| Herr: | Ach so, ich glaube ein Herr hat sie mir neulich vorgestellt, so ein dünner mit Halbglatze, ich hab sie auf seine Beschreibung hin, sofort wiedererkannt, denken sie mal, wie gut er sie beschreiben konnte, phänomenal. |
| Ingrid: | Mein Göttergatte. |
| Herr: | Ja, er nannte sie auch, meine Frau, oder sagte er Weib?, egal. |
| Ingrid: | Und was treiben sie so, sind sie auch, Schriftsteller, wie mein Mann oder gar der, sein, Verleger. |
| Herr: | Ich verlege mich lieber auf das Zuschauen, nennen sie mich einfach einen Zuschauer. |
| Ingrid: | Sie machen es sich aber leicht. |
| Herr: | Ach, das ist nicht ganz so leicht, mitmischen ist doch viel einfacher als einfach nur zuzuschauen, man mag es sich gar nicht denken, aber so ist es, meine ich. |
| Ingrid: | Und wenn sie mal nicht zuschauen. |
| Herr: | Ach, ich würde sowieso nur Unsinn anstellen, glauben sie mir. |
| Ingrid: | Das dachte ich mir, so sehen sie auch aus, und, so reden sie auch, irgend ... egal. |
| Herr: | Nun denken sie nicht gar so schlecht von mir, liebste Ingrid, das Zuschauen kann auch hilfreich sein, zumal, wenn das Tun dadurch ausbleibt. |
| Ingrid: | Das Zuschauen sei hilfreich. Ha, was würden sie tun, wenn jetzt mein Mann hier herein käme und sagen würde, ich hätte ein Verhältnis mit ihnen? |
| Herr: | Wer hat schon mit mir kein Verhältnis? |
| Ingrid: | Wie wunderbar, der Herr hat mit allen Menschen ein Verhältnis, er ist wohl vor lauter Zuschauen irre geworden? |
| Herr: | Was soll ich sagen, glauben sie es oder glauben sie es nicht. |
| Ingrid: | Ich glaube, daß mein Mann sie verprügeln würde, wenn sie dem sagten, was sie mir gerade gesagt haben. |
| Herr: | Man müßte es drauf ankommen lassen. |
| Ingrid: | Und schon sind sie kein Zuschauer mehr. |
| Herr: | Da sehen sie mal, wie unendlich schwer das Zuschauen ist, viel schwerer als das Tun. |
Der holde Gatte kommt.
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| Olaf: | Herr, ... |
| Herr: | Was möchten Sie? |
| Olaf: | Gut, wer immer sie sind, würden sie mich und meine Frau, bitte, einen kurzen Moment allein lassen können? |
| Ingrid: | Nun gehen sie schon, Zuschauen können sie auch vom Tresen aus. |
| Herr: | Wie es die Dame möchte.
steht auf und geht zum Tresen
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| Ober: | Ihr Wasser, gnädige Frau. |
| Ingrid: | Schon gut. Sind denn heute alle übergeschnappt? |
| Ober: | Jörg, wie immer? |
| Olaf: | Bring mal ein Korn. |
| Ober: | Warm? |
| Olaf: | Was heißt hier warm? |
| Ober: | Zimmertemperatur. |
| Olaf: | Igitt, ist der Kühlschrank kaputt? |
| Ober: | Also gekühlt. |
| Olaf: | Natürlich gekühlt. |
| Ingrid: | Bei Zimmertemperatur schmeckt er aber viel angenehmer. |
| Olaf: | Gut, ich bin nicht hergekommen, um mit dir über die richtige Temperatur von Schnaps zu reden. |
| Ingrid: | Und? Hat sich etwa dein Verleger von dir getrennt. |
| Olaf: | Nein, ich will dich nur vor falschen Rückschlüssen bewahren. |
| Ingrid: | Was für Rückschlüsse, daß du kein guter Autor bist, gut das weiß ich schon lange, aber selbst ein unguter Autor findet doch mal ein gülden Korn. |
| Olaf: | Gut, Ingrid, mir ist jetzt nicht zum Lachen. Kannst du einen Augenblick ernsthaft bleiben, ja, versprichst du mir das? |
| Ingrid: | Pionierehrenwort, ach ja, die Zeiten ändern sich: Pfadfinderehrenwort! |
| Olaf: | Gut, du weißt doch, daß ich dem Hausmädchen das Mangeln erklären sollte. |
| Ingrid: | Hast du dabei die Mangel zerstört? |
| Olaf: | Nein, ich habe ihr nur gezeigt, wie man auch Röcke und Hosen mangeln kann. |
| Ingrid: | Und das geht? |
| Olaf: | Das mache ich bereits jahrelang. |
| Ingrid: | Ach so, und, weiter? |
| Olaf: | Es war gerade keine Hose und kein Rock in der Kammer, so habe ich es mit meiner Hose und ihrem Rock gezeigt. |
| Ingrid: | Und? |
| Olaf: | Jan ist dazugekommen, stell dir vor, der dumme Junge hat gleich sonstwas gedacht. |
| Ingrid: | Sonstwas? Haut ihm spontan eine Schelle.
Da hast du sonstwas. Schwein. Mit dem Hausmädchen herummachen.
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| Olaf: | Da war nichts, glaub mir.
Hast du zugelangt, das ganze Gesicht tut mir weh. Da war rein gar nichts, Schatz, würde ich es dir sonst erzählen? Nun weine doch nicht. |
| Ingrid | Geh, geh, und wag dich gar nicht, heute Abend noch zu Hause zu sein. |
| Olaf: | Es ist rein gar nichts passiert, Ingrid.
Ach, was erzähl ich. Gut, wie du willst, dann gehe ich. Tschüß. Und der Herr, da, dein, neuer, Liebhaber. Schon Ersatz gefunden? Ich faß es nicht, ich mangele und sie flirtet mit dem netten Herrn da herum. geht |
Der Herr erscheint wieder am Tisch.
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| Ingrid: | Sie? |
| Herr: | Ja, ich. |
| Ingrid: | Haben sie mal ein Taschentuch? |
| Herr: | Bitte. |
| Ingrid: | Ich brauch ihnen ja nichts erzählen, sie haben ja mithören können. |
| Herr: | Ja. |
| Ingrid: | Warum ist mir das Leben bloß so ... |
| Herr: | ... beschissen? |
| Ingrid: | Ja, so beschissen.
Komisch, sie finden die rechten Worte. |
| Herr: | Nicht immer. |
| Ingrid: | Was weiß ich, aber doch jetzt, jetzt haben sie die rechten Worte gefunden. Beschissen, das genügt doch, um mein Leben zu beschreiben, nicht? |
| Herr: | Was weiß ich. |
| Ingrid: | Tun sie ja nicht so, als wüßten sie nichts, sie wissen alles. |
| Herr: | Also doch, nichts. |
| Ingrid: | Ha, ein Philosoph. Nein, Danke, gehen sie, nun gehen sie schon, ein "Autor" hat mir genügt, jetzt auch noch ein Philosoph.
Sind sie verheiratet? Verlassen? Geschieden? Junggeselle? Nun reden sie schon. Pädophiler? Säufer? Schläger? Manager? Also Puffvater? |
| Herr: | Ich weiß nicht. |
| Ingrid: | Was wissen sie überhaupt. |
| Herr: | Sie haben kein leichtes Leben. |
| Ingrid: | Mitleid, wie ich das hasse.
Ich bin Geschäftsfrau, verstehen sie. Knallhart. Power. Geschäft. Drei Kinder. Ehemann. |
| Herr: | Nun nicht mehr. |
| Ingrid: | Das stimmt.
Er ist einfach gegangen. Haben sie es gesehen? Einfach so gegangen, ohne groß zu lamentieren. |
| Herr: | So sind die Menschen. |
| Ingrid: | Sie sind Pastor. |
| Herr: | Was weiß ich, was ich bin, wichtiger ist doch, was sie wollen, Madame. |
| Ingrid: | Was ich will? |
| Herr | Ja, was sie wollen. |
| Ingrid: | Ein glückliches Leben. |
| Herr: | Glück, alle wollen es finden und verlieren es dabei. |
| Ingrid: | Soll ich es nicht suchen? |
| Herr: | Du sollst leben. |
Freundin kommt, leicht vergnügt.
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| Ingrid: | Ich dacht' schon, ich sehe dich nicht mehr. |
| Freundin: | Tag, der Herr, Ingrid, du mußt jetzt ganz stark sein. |
| Ingrid: | Ha, eine Aposteline, welch frohe Botschaft willst du mir denn verkünden. |
| Freundin: | Da ist nichts zum Scherzen, Liebste. |
| Ingrid: | Nachdem ich nun meinen Mann endgültig verloren, soll ich nicht mal mehr scherzen dürfen? |
| Freundin: | Du bist ja,
besoffen. |
| Ingrid: | Ich war noch nie besoffen, in meinem ganzen Leben noch nie so besoffen. |
| Freundin: | Gut. Kenn ich sie, Herr ...? |
| Ingrid: | Nun gehen sie schon, bitte ... |
| Herr: | Werde ich eben wieder zuschauen, wie vorhin auch. geht zum Tresen |
| Freundin: | Komischer Typ, wo hast du den denn aufgegabelt? |
| Ingrid: | Was weiß ich, er war einfach da, als wäre er schon immer da gewesen. |
| Freundin: | Nun hör schön zu, meine Liebste. |
| Ingrid: | Und? Ja. |
| Freundin: | Ich gehe gemütlich so die Straße lang, kennst mich ja, wie ich eben so bin, lebenslustig, zum Herrn am Tresen, und immernoch zu haben. |
| Ingrid: | Ja. Und? |
| Freundin: | Gut, ich mach es kurz, dein Herr Sohn schläft mit dem Hausmädchen. |
| Ingrid: | Was? Gut gut gut, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man,
ach, wäre bloß ein Sturm gewesen, zur rechten Zeit, womöglich wäre er nicht gar so nah gelandet. |
| Freundin: | Du verträgst das Trinken nicht, Liebste, man versteht ja kaum noch ein Wort. |
| Ingrid: | Gut, er, äh, sie schläft mit meinem Sohn. |
| Freundin: | Ja. |
| Ingrid: | Hast du ihnen etwa dabei zugeschaut, Liebste? |
| Freundin: | Das nicht, aber ich habe sie eng umschlungen die Bahnhofstraße entlang schlendern sehen, eng umschlungen!, stell dir das vor, und sie küßte ihn, was er sich natürlich gefallen ließ, Männer. |
| Ingrid: | Er ist
ein Mann, ich habe meinen Sohn verloren, an diese Schlampe, zuerst mein Mann, dann den Sohn, mein Gott, Herr im Himmel, wo bist du? |
| Freundin: | Was willst du mit den? Willst du dich nicht rächen, da muß man auf die finsteren Kräfte vertrauen. versucht sie aus dem Stuhl zu heben |
| Ingrid: | Laß. |
| Freundin: | Ich kann dich doch nicht hierlassen, in diesem Zustand, ganz allein. |
| Ingrid: | Laß, der Herr wird mich begleiten. |
| Freundin: | Wie du willst. geht hinweg |
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schaut zum Herrn
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| Ingrid: | Nun kommen sie schon her, können das Neueste erfahren. |
| Herr: | Das Neueste ist doch nur immer das Alte. |
| Ingrid: | Wie halten sie es mit der Familie? |
| Herr: | Familie? Soll ich darauf antworten? Sie ist die Keimzelle des Lebens! |
| Ingrid: | Gut, das war für die Galerie, nun mal ehrlich, mein Herr, für uns hier, für uns beide, ganz allein, da können sie es ja sagen, wie halten sie es mit der Familie? |
| Herr: | Gut, wenn man von Jesus ausgeht ... |
| Ingrid: | Mein Herr, kommen sie mir nicht mit Jesus, ich bin Antichrist, äh, Atheist, egal, kommt sowieso auf's Gleiche raus, wer nicht für mich ist, ist gegen mich, sprach schon meine Oma, und die mußte es ja wissen, hat beide Kriege erlebt, nebst Wirtschaftswunder und Zusammenbruch, war schon Millionärin und bettelarm, egal, nun erzählen sie keine Märchen, sagen sie was Echtes, was vom Herzen, wissen sie. |
| Herr: | Gut, meine Familie sind die, die mir angehören. |
| Ingrid: | Und wie bekommt man bei ihnen den Angehörigenstatus, wie? |
| Herr: | Im besten Wortsinne, also, wenn sie sich nicht denken mögen, ohne mich. |
| Ingrid: | Aha, und Familie? |
| Herr: | Ist wichtig. |
| Ingrid: | Warum so dreisilbig, kommen sie, nur einen Satz, bitte. |
| Herr: | Schön, wenn man eine Familie hat, der man angehört und die einem angehört. |
| Ingrid: | Gut. Wieso bricht bei mir alles auseinander, jetzt, gerade? Warum? |
| Herr: | Vielleicht war es schon längst gebrochen, sie haben es nur nicht ... |
| Ingrid: | Ach, was wissen sie schon, sitzen allein in einer Kneipe. |
| Herr: | Wie sie. |
| Ingrid: | Was wollen sie damit sagen, sie ... |
| Herr: | Was will ich damit sagen? Warum will ich überhaupt etwas sagen. Ich will doch gar nichts sagen. Sie fragen mich doch dauernd, ich will nur zuschauen, mehr nicht. |
| Ingrid: | Gut. Dann schauen sie mal zu. Prost. |
| Herr: | Trinken sie doch nicht so viel, das Leben ist zu kurz, als es mit Trinken zu vergeuden. |
| Ingrid: | Bringen sie mich doch aus der Wüste heraus, dann muß ich nicht mehr trinken. Prost.
Ach, mein verkiffter, äh, versiffter, nun gut, Ingrid!, mein verliebter Sohn erscheint, Tag Heinz, äh, Jan. |
Jan kommt zum Tisch seiner Mutter.
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| Ingrid: | Schon zurück, Jan, vom Kino. |
| Jan: | Ja, der Film war nicht besonders. |
| Ingrid: | Was habt ihr denn gesehen? |
| Jan: | Was? Gut, ein Blockbuster. |
| Ingrid: | Was? Jan. |
| Jan: | King Kong , oder so. |
| Ingrid: | Immer der gleiche Film. Und haben sie sich diesmal geliebt, in der Bahnhofstraße? |
| Jan: | In welcher Bahnhofstraße? |
| Ingrid: | Wo schon, in unserer Bahnhofstraße. |
| Jan: | Mutter, der Film King Kong spielt in Afrika und New York. |
| Ingrid: | Kaum zu glauben, wo heutzutage überall New York liegen kann, direkt in unserer Stadt, in der Bahnhofstraße. |
| Jan: | Mutter, was hast du nur immer mit der Bahnhofstraße, du bist ja, entschuldige der Herr, besoffen. |
| Ingrid: | Ob ich besoffen bin, das bestimme immer noch ich selbst, mein Junge, also, belüge mich nicht, du weißt, ich kannes nicht ausstehen, wenn du mich belügst, wo warst du, heute Nachmittag? |
| Jan: | Ach so, dir hat jemand erzählt, ich sei heute Nachmittag in der Bahnhofstraße gewesen. |
| Ingrid: | Ja, und zwar mit einem Mädchen. |
| Jan: | Wäre dir ein Junge lieber gewesen? |
| Ingrid: | Nun werde nicht frech, Rotzlöffel.
weint Geh geh, ich will dich nicht mehr sehen. |
| Jan: | Mama, so war es nicht gemeint. Ja, ich war in der Bahnhofstraße, mit einem Mädchen, du kennst sie übrigens, sie ist recht nett. |
| Ingrid: | Junge, vergebe doch nicht dein Leben an ein Hausmädchen. |
| Jan: | Du weißt es? |
| Ingrid: | Ja, hast du mit ihr bereits, du weißt schon, Sex gehabt? |
| Jan: | Wäre das schlimm, schließlich bin ich alt genug, dafür? |
| Ingrid: | Junge, sie dreht dir ein Kind an, und dann ist deine schöne Jugend futsch. |
| Jan: | Ach, so eine ist sie nicht. |
| Ingrid: | Mist, du hast mit ihr bereits Sex gehabt. |
| Jan: | Ja und? Ich hab es sogar genossen. |
| Ingrid: | Schwein.
Mein Sohn geht einfach mit einer wildfremden Person ins Bett. |
| Jan: | So fremd ist sie nun auch nicht. |
| Ingrid: | Junge, laß sie. Ich habe für dich ein Mädchen gefunden, sie wäre genau die richtige. Ihre Eltern haben das Geschäft an der Ecke, Lebensmittel, das läuft immer. |
| Jan: | Mutter, ich liebe sie, sie liebt mich, sie will mich ihren Eltern vorstellen, bald. |
| Ingrid: | Großer Herr, er liebt sie. |
| Herr: | Liebe ist manchmal unausweichlich. |
| Ingrid: | Ach, wer dran glaubt, wird selig. |
| Jan: | Mutter, bist du mir also nicht mehr böse? |
| Ingrid: | Brauchst gar nicht zu schleimen, diese Person, damit du es weißt, fliegt sofort raus, aus unserem Haus. Und daß du es nicht wagst, ihr hinterherzulaufen. |
| Jan: | Du bist ja besoffen. Kein vernünftiges Wort kann man mit dir reden. |
Jan geht.
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| Ingrid: | Ich dachte, ich habe einen Sohn, nun habe ich einen Sohn gehabt. Großer Gott, wo soll das alles hinführen. |
| Herr: | Gott hat auch einen Sohn gehabt. |
| Ingrid: | Was sie nicht sagen. Kommen sie mir nicht mit Gott, nicht sie, sie armseliges Gewächs. |
| Herr: | Sie reden wirr. |
| Ingrid: | Besser wirr als irr. |
| Herr: | Ich gehe. |
| Ingrid: | Dann gehen sie doch. Ich habe sie schließlich nicht gerufen. Sie sind von ganz allein hier aufgetaucht. Mein Leben kann ich mir auch allein verpfuschen, dazu brauche ich sie nicht.
Ach komm komm, Kleiner, laß es, bleib, war nicht so gemeint Ober, noch ein Wasser, ja? |
| Ober: | Wirklich? |
| Ingrid: | Diesmal gekühlt, nur gekühlt läßt sich das Leben ertragen, wie im Leichenhaus, da läßt es sich gut leben, da wird man nicht vom Leben drangsaliert, muß keine Antworten geben, Fragen stellen, allein ein Pappschild muß man tragen, Name und Geburt erfassend, mehr nicht. |
| Herr: | Sie sind zynisch. |
| Ingrid: | Haben sie schon einmal geliebt? |
| Herr: | Ich liebe ständig. |
| Ingrid: | Nein, sie haben noch nie richtig geliebt. Sie würden anders reden. Ständig lieben, wer soll so etwas aushalten, vielleicht der liebe Gott, und selbst dem wird es zu langweilig sein. |
| Herr: | Wie sie meinen. |
Jakob, der Fensterputzer, erscheint.
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| Ingrid: | Jakob, du? Willst du mich immernoch heiraten? Komm, setz dich zu uns. |
| Jakob: | Ich weiß nicht. |
| Ingrid: | Was weißt du nicht? |
| Jakob: | Kann ich ein Bier trinken? |
| Ingrid: | Das weiß ich auch nicht, aber meinetwegen darfst du eins trinken, Ober, bitte ein Bier. |
| Ober: | Kommt gleich. |
| Ingrid: | Das mag ich an dieser Kneipe, sie erfüllt prompt alle meine Wünsche. |
| Jakob: | Ich muß ihnen etwas sagen. |
| Ingrid: | Was denn, Jakob? Nun sag es und kündige es nicht immer nur an. |
| Jakob: | Wissen sie, du, weißt du, ich habe gerade meine Fenster geputzt, vor einem Cafe' in der Bahnhofstraße. spricht nicht weiter, zögert, schaut dumm herum
Kommt er bald mit dem Bier. Dann kann ich besser reden. |
| Ingrid: | Gut, du hast Fenster geputzt. |
| Jakob: | Ja. |
| Ingrid: | Und? |
| Jakob: | Ja. |
| Ingrid: | Ach, du lieber Gott, er bekommt ja kaum noch ein Wort raus. Ach, Danke Herr Ober, sie sind der Retter in der Not. |
| Ober: | Bitte, gern gedient, die Dame. |
| Ingrid: | Gut gut gut, nun erzähl, Jakob. |
| Jakob: | trinkt sein Bier beinahe in einem Zuge aus
Ingrid, ihr Mann geht mit ihrer Freundin fremd. |
| Ingrid: | Was sagst du da? |
| Jakob: | Ihr Mann geht mit Ihrer Freundin fremd. |
| Ingrid: | Das hab ich schon verstanden, bin doch nicht taub.
Nun mal ganz langsam, wie kommst du darauf, Jakob? |
| Jakob: | Wie ich gesagt habe, ich putze gerade meine Fenster vor dem Cafe' in der Bahnhofstraße als ihr Mann erscheint, kurz darauf, die Freundin, sie setzen sich an einem Tisch und schon, entschuldigen sie, küssen sie sich. trinkt den Rest des Bieres aus |
| Ingrid: | Das hast du dir doch ausgedacht, Jakob, so blöd wird noch nicht einmal mein Mann sein, mitten in der Stadt mit einer wildfremden Frau herumzuknutschen. |
| Jakob: | Doch, das stimmt, ich habe es mit eigenen Augen gesehen. |
| Ingrid: | Du spinnst, du willst mich doch nur rumkriegen, heiraten, soll ich dich! Ach, hau bloß ab, du Spinner, Lügner. Heiratserschwindler! |
| Jakob: | im Gehen zu sich selbst sagend Ich hätte es ihr nicht sagen sollen. Ich blöder ... . |
Jakob geht.
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| Ingrid: | Mein Mann geht mit meiner Freundin fremd. Das muß man sich mal ganz genau überlegen, drüber nachdenken, meine beste Freundin, die Frau, die ich seit meiner Jugend kenne, nimmt mir meinen Kerl weg. Darauf heben wir jetzt einen. Prost, der Herr. |
| Herr: | Trinken ist nicht immer gesund, ist auch die Seele wund. |
| Ingrid: | Ach, red' nicht so'n Schund. Klartext. Nur noch Klartext. Verstehst du doch, oder nicht? K l a r t e x t! |
| Herr: | Sie sollten nicht so viel trinken. |
| Ingrid: | Wer soll es mir verbieten! Sie? Mein Gott, ich bitte sie. |
| Herr: | Ich meine es doch nur gut, mit Ihnen. |
| Ingrid: | Gut ist doch ein scheiß Wort. Wer meint es schon gut mit mir? Alle meinen es nur immer mit sich selbst gut und wenn dann, rein zufällig, das eigene Gutmeinen auch mein Gutsein trifft ... ach, daß verstehen sie doch nicht. |
| Herr: | Dann ist es doch trotzdem auch gutgemeint. |
| Ingrid: | Es ist nur Abfall, mehr nicht, nur Abfall dessen, was man sich selbst gut tut. Nur, es stinkt leider nicht, und die Typen, die es tun, werden Heilige. |
| Herr: | Nichts gegen meine Heilige. |
| Ingrid: | Heilige oder nicht Heilige, sind alles doch nur Erdenwürmer, mit Erdenseele, Erdenkörper, Erdenherz, aus Lehm sind wir gebaut, das sagt doch alles. |
| Herr: | Und doch ... |
| Ingrid: | Ach, hören sie auf. |
| Herr: | Hier ist Hopfen und Malz verloren. |
| Ingrid: | Trinken sie mit mir ein Bier, und nichts ist verloren, glauben sie mir. |
| Herr: | Sie sind betrunken und doch so geistreich. |
| Ingrid: | Um Gottes Willen, machen sie aus mir keine Heilige, und wenn, dann nur eine Schnapsheilige, das genügt für's ganze Leben.
Ja, ich hab ihn auch betrogen, andauernd und supergern habe ich ihn betrogen, aber muß er es deshalb mit meiner besten Freundin treiben? |
| Herr: | Vielleicht gibt es Wichtigeres als die leibliche Treue. |
| Ingrid: | Ich hab es geahnt, er nimmt ihn in Schutz. Männer. Sie halten sich gern die Treue. |
| Herr: | Als Frau würde ich es auch sagen können. |
| Ingrid: | Sie sind aber keine Frau. |
| Herr: | Ich könnte aber eine Frau sein. |
| Ingrid: | Schwein. |
Freundin und Olaf erscheinen.
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| Freundin: | Ingrid, du bist ja immernoch hier, die Kinder jammern, sie denken, du seiest verschwunden. |
| Ingrid: | Tod! Das hättest du wohl gern, liebste aller Freundinnen, zischt leise zum Herrn blödes Weib. |
| Freundin: | Was redest du nur, du bist betrunken, die Kinder warten wirklich, der Jüngste will nicht ins Bett, bevor er dich gesehen hat, ein Gutenachtkuss will er von dir haben, wie jeden Abend, sonst könne er nicht einschlafen, sagt er. Du hättest ihn sehen sollen. |
| Ingrid: | Ach, du, ich hätte lieber dich, ja, dich, ganz genau hätte ich dich sehen, beobachten, lokalisieren müssen. |
| Olaf: | Nun laß es gut sein, ich glaub du hast genug getrunken, komm wir gehen.
Ober, wir zahlen. |
| Ingrid: | Wer hier zahlt, das bestimme ich. Und laß es dir gesagt sein, mit dir gehe ich keinen einzigen Meter. Ha, wußtest du eigentlich, meine Liebe, daß er bei Sex immer pupst. Schreckliche Angewohnheit. |
| Olaf: | Ingrid! |
| Ingrid: | Und er denkt immer, seiner sei zu klein, ich muß gestehen, so wird es sein. |
| Olaf: | Ich bitte dich. |
| Ingrid: | Und, er kann nur einmal im Monat, jedenfalls wenn du ihn so lange am Hals hast, wie ich. |
| Freundin: | Was redest du nur, Ingrid. |
| Ingrid: | Glaubt ihr wirklich, daß euer Techtelmechtel geheim bleiben könnte, IHR ... |
| Olaf: | Nun hast du aber alle Sinne verloren, der Alkohol, du trinkst doch sonst nichts. |
| Ingrid: | Ha, der Alkohol macht die Stimme flott, aber warum sollte er mein Denken vernebeln!
Nein, so klar habe ich noch nie gedacht. |
| Olaf: | Herr Ober, ich zahle. versucht zu zahlen
Ingrid, du kommst mit, morgen reden wir darüber. |
| Ingrid: | Herr Ober, ich zahle selbst, von diesem Lumpen, da, von dem da laß ich mich nicht aushalten. |
| Olaf: | Ich bin dein Mann, Ingrid.
Herr Ober, sie ist nicht bei Sinnen. |
| Ingrid: | Haut bloß ab, ihr zwei, ich will euch nicht mehr sehen. |
| Freundin: | Was hast du bloß? |
| Ingrid: | Ihr seid gesehen worden, im Cafe', in der Bahnhofstraße, na klickt es jetzt bei euch? Eng umschlungen. Geküßt habt ihr euch. Euch eure Zungen gegenseitig bis in den Hals gesteckt. Na was sagt ihr jetzt. |
| Freundin: | Ingrid, nun mach keine Szene, wir sind doch alles erwachsene Menschen, es hat sich eben so ergeben. Aber, ich habe es wirklich nicht gewollt. Ich dachte, es sei aus, zwischen dir und Olaf. |
| Olaf: | Ingrid, wir wollten es dir morgen sagen. |
| Ingrid: | Ach, haut bloß ab. Haut ab, sag ich euch.
Ober, schmeißen sie diese beiden Personen raus, aber sofort. Ich will sie nie wieder sehen |
Die zwei Personen gehen, leicht murmelnd von dannen.
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| Ober: | Wollen sie nun zahlen? |
| Ingrid: | Zahlen? Zahlen! Zahlen! Ich muß wohl
zahlen. Wer sonst? Ach, bring er noch ein Glas vom Wasser und der Herr, was will er? |
| Herr: | Eine Limonade. |
| Ingrid: | Gibts nicht. Sie trinken jetzt was Richtiges mit mir. Herr Ober, für den Herrn ein Glas Wasser. |
| Herr: | Gut gut gut, wenn es denn sein muß, Herr Ober, ein Glas Wein bitte, vom offenen. |
| Ober: | Rot, weiß? |
| Herr: | Grün! Nein nein nein, geben sie einen roten heraus. |
| Ingrid: | Es ist alles aus, nichts wird mehr sein, wie früher. |
| Herr: | Das habe ich bereits millionenfach gehört. |
| Ingrid: | Und, wird es deshalb etwa weniger wahr. Lüge ich etwa? |
| Herr: | Nein. |
| Ingrid: | Nein.
Ach, dieses Schwein. Ich hätte ihn erschlagen sollen, zusammen mit dieser Hure, die sich Freundin nennt. |
| Herr: | Er wird sich totlachen, wenn er davon erfährt, sie halbes Persönchen. |
| Ingrid: | Mist, ich hätte es ihm nicht sagen sollen, daß ich Bescheid weiß. |
| Herr: | Zum Glück weiß er es jetzt. |
| Ingrid: | Auf welcher Seite stehen sie eigentlich? |
| Ober: | Das Wasser, der Wein. |
| Ingrid: | Danke, ich zahle später. |
| Ober: | Irgend wann zahlt ein Jeder. |
| Ingrid: | Ach er hat eine höhere Bildung, wohl auch im zwanzigsten Semester Philosophie studiert, bis er sich entschloß, Ober zu werden. |
| Herr: | Es ist der beste Platz auf Erden. |
| Ingrid: | In der Kneipe? |
| Herr: | Ja, hier finden sich all die Verlorenen, hier kann man findend sein, gerade, wenn man die Philosophie liebt. |
| Ingrid: | Ja ja, bald werden zum Kellnerberuf nur noch Philosophiestudenten zugelassen. |
| Herr: | Ja, Bildung schadet nicht. Und sie bringt uns voran. |
| Ingrid: | Wohin? |
| Herr: | Dahin. |
| Ingrid: | Mein Gott, wohin? |
| Herr: | Ich sagte doch schon, dahin. |
| Ingrid: | Wo ist ihr Dahin? |
| Herr: | Dort, wo es schon immer gewesen ist. |
| Ingrid: | Wo? |
| Herr: | Wo schon? Wohin kann ein Mensch schon kommen, lebt er, ist er auf der Erde, stirbt er, ist er woanders. |
| Ingrid: | Das war doch schon immer so. |
| Herr: | Sie sagen es. |
| Ingrid: | Das Spiel ist aus. |
| Herr: | Hat es je begonnen? |
| Ingrid: | Nun hören sie auf, mit diesem Philosophenquatsch, ich meine meine Familie, sie Herumverdreher. |
| Herr: | Also ist das Spiel aus. |
| Ingrid: | Ja, gleich morgen jage ich ihn aus dem Haus, soll er doch sehen, wo er bleibt, und sie gleich mit, die Hure, auch das Hausmädchen, soll es zurück, dorthin, wo es herkam, ich werde alles verändern, soll mal sehen, der Herr. Erst einmal schmeiße ich ihn raus, dann wird er für uns zahlen, der gutverdienende Schriftsteller, und zuletzt werde ich ihn nicht mehr zu seinen Kindern lassen. |
| Herr: | Das Übliche. |
| Ingrid: | Das Übliche? Natürlich das Übliche, bin ich eine Heilige? Nein. Punkt. Aus. Ich werde ihn fertig machen. |
| Herr: | Sie werden sich fertig machen. |
| Ingrid: | Egal, ich werde ihn fertig machen. |
| Herr: | Wahrhaft, sie gehen über Leichen, und sei es, neben den anderen, auch die eigene. |
| Ingrid: | Das ist mir egal. Hauptsache er blutet. |
| Herr: | Warum hassen sie nur. |
| Ingrid: | Ach, nun hören sie auf, ich hasse nicht, ich lebe. |
| Herr: | Was sie nicht sagen. |
| Ingrid: | Ja, das sage ich, es gehört einfach zum Leben ... |
| Herr: | Das Hassen? |
| Ingrid: | Nein, das Zurückschlagen. Ich schlage nur zurück. Und ich befinde mich in einem gerechten Krieg, das muß genügen. |
| Herr: | Es gibt sie also wirklich, die gerechten Kriege, ich dachte immer, es gäbe nur Kriege. |
| Ingrid: | Er hat mich betrogen! Er hat Schuld auf sich geladen. Eine Sünde. Eine Todsünde. Und da soll ich ihn nicht strafen dürfen? |
| Herr: | Nun werfen sie schon den ersten Stein. |
| Ingrid: | Ich werde auch den zweiten, dritten, vierten werfen, bis ich ihn niedergestreckt habe. |
| Herr: | Und sich selbst gleich mit. |
| Ingrid: | Ein Kollateralschaden, mehr nicht. Ein Kollateralschaden, oder wie das Biest heißt. |
| Herr: | K o l l a t e r a l s c h a d e n . |
| Ingrid: | Sie sagen es, ein Kollateralschaden. |
| Herr: | Das Opfer ist groß. |
| Ingrid: | Wer denkt an Opfer, wenn es um Gerechtigkeit geht, ich nicht. |
| Herr: | Der gerechte Lohn wird das Himmelreich sein; Gerechtigkeit wird erst im Himmel sein. |
| Ingrid: | Ich bin nicht gläubig, ich glaube an mich selbst, verstehen sie. |
| Herr: | Mancher Glaube kann in die Irre führen. |
| Ingrid: | Stehen sie nun zu mir oder wollen sie gegen mich sein? |
| Herr: | Ich bin stets für sie da, auch wenn es nicht so ausschaut. |
| Ingrid: | Verstehen sie doch, meine Familie, er hat sie zerstört, soll ich ihn dafür verschonen? |
| Herr: | Ich verstehe. |
| Ingrid: | Er hat sich mit meiner besten Freundin eingelassen. |
| Herr: | Ich verstehe. |
| Ingrid: | Er hat ein Doppelleben geführt. |
| Herr: | Ich verstehe. |
| Ingrid: | Nichts verstehen sie. |
Jan kommt mit zwei Koffern in seinen Händen.
|
|
| Jan: | Ma, alles klar? |
| Ingrid: | Jan, nun schleich dich doch nicht so ran, an mir. Was willst du überhaupt hier?
Und die Koffer? Hat er dich etwa rausgeschmissen? Jetzt dreht er total durch. |
| Jan: | Nein, Ma. |
| Ingrid: | Was ist denn, mein Junge, was hast du denn? |
| Jan: | umarmt sie tränend Ma, ich liebe dich. |
| Ingrid: | Das weiß ich doch. Du, was ist denn, wann hab ich dich zuletzt weinen sehen, ja, ja doch, mit fünf, ja, mit fünf, hast du das letzte Mal geweint. Du, ich bin doch nicht tod, du mußt nicht weinen. Ich sitze doch nur, hier, hier sitze ich nur. |
| Jan: | Ich ich ich. |
| Ingrid: | Nun sag schon? |
| Jan: | Es war alles so schön, mit dir, Ma. |
| Ingrid: | Was ist denn mit dir? |
| Jan: | Ich hab deine Koffer, was sollen sie noch im Haus herumstehen? Ich hab sie mitgebracht. |
| Ingrid: | Bedeutet das, er hat mich rausgeschmissen, ja? |
| Jan: | Er sagt, du seiest gegangen, ich wollte ihm nicht glauben, aber, Ma, du warst noch nie so lange weg, und dann bist du hier gelandet, in dieser Kneipe, er hat wohl recht. |
| Ingrid: | Wo willst du hin? |
| Jan: | Ma, ich muß, das Leben geht weiter. |
| Ingrid: | So bleibe doch. |
| Jan: | Dann müßte ich zu dir kommen. |
| Ingrid: | So komm doch, mein Junge. |
| Herr: | Laß ihn, laß ihn los, er ist erwachsen, siehst du das nicht, er muß selbst entscheiden. |
| Ingrid: | Was mischen sie sich überhaupt ein, sie sie Herr Zuschauer.
Jan, Jan, nun bleibe doch. |
| Jan: | Tschüß, Ma. |
Er geht ab, die Koffer stehen bei ihr.
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|
| Ingrid: | Er ist wirklich gegangen, mein Sohn. |
| Herr: | Es wird Zeit. |
| Ingrid: | Zeit, es wird Zeit. Zeit ist realtiv, ein Schnürsenkel ist nicht lang, hier, meiner, der ist nicht lang, aber mancher ist länger, ihrer, zum Beispiel, er schaut aber nicht länger aus, er ist aber länger, das sehe ich, beim genauen Hinsehen sehe ich das. Zeit ist relativ, mein Herr. |
| Herr: | Die Zeit ist so relativ, wie wir sie haben wollen, es ist wie mit der Wärme, sie ist auch relativ, relativ kalt, warm, heiß, relativ, der Raum um uns kann immer die gleiche Gradzahl haben, wir nennen es dennoch kalt, warm, oder heiß, je, nachdem, wir wie es empfinden, genau so die Zeit, der Augenblick kann kurz oder lang sein obwohl er in beiden Fällen nur zehn Sekunden dauert. |
| Ingrid: | Ich fühle, daß ich noch viel Zeit habe. |
| Herr: | Dann haben sie ein Problem. |
| Ober: | Entschuldigen sie bitte, sie müssen jetzt zahlen, ich schließe gleich. |
| Herr: | Sehen sie. |
| Ingrid: | Papperlapapp, er schließt gleich und wenn es bedeutet, dieses "gleich", daß er erst in einer Stunde schließt, erst in zehn Minuten?, fünf Minuten?, gut, fünf Minuten. Das ist doch noch eine Menge Zeit. |
| Ober: | Ha ha ha, es ist fünf vor Zwölf. |
| Ingrid: | Blöd, das stimmt ja sogar, es ist fünf vor Zwölf, rein formal gesehen stimmt es, ist es aber auch wirklich fünf vor Zwölf? |
| Ober: | Heiße ich Kassandra? Nun zahlen sie schon, ich muß schließen. |
| Ingrid: | Was bekommen sie?
Ach, sie haben die Rechnung fein verpackt, wie in feinen Restaurants, wunderhübsch, unter einer Serviette hat er die Rechnung versteckt, auf einem silberfarbenen Blechteller, gut, wie billig, hier haben sie es, mein Geld, brauche ich heute sowieso nicht mehr. |
| Ober: | Das sind aber zweihundert Euro. So viel Trinkgeld kann ich nicht annehmen. |
| Ingrid: | Nun nehmen sie schon, tun sie nicht so scheinheilig, oder sind sie gar heilig, ein scheinheiliger Heiliger, nehmen sie es, aber versaufen sie es nicht, das heißt nur zum Schein Trinkgeld, man kann dafür auch Wurst, Käse und Brot kaufen. |
| Ober: | Dankeschön, die Dame. |
| Herr: | Kommen sie, wir gehen. |
| Ingrid: | Gut, ist schon gut, wir gehen. |
Sie gehen, der Herr trägt die Koffer.
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Ausstattung:
Himmel und Erde.
Personal:
| Gott | Gott |
| Engel | die Engel |
| Luzifer | der gefallene Engel |
| Hiob | ein Mensch und Gerechter |
| Frau | Hiobs Frau |
| Elifas | ein Freund Hiobs |
| Bildat | ein Freund Hiobs |
| Zofar | ein Freund Hiobs |
| Zefir | ein Jungspund |
Vorsprech, Engel und Gott, versammelt im Himmel
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| Gott: | murmelnd:
Engel, Engel, Engel, Ach, wie freu ich mich an meine Menschen sind sie mir doch recht wohl gelungen das haben mir selbst die Engel gesungen alle, die vor mir ihren Blick senken.
zu Luzifer, der sich räusperte:
Ach, Luzifer, du, auch hier ist dir etwa die Erde satt kommst wieder zu mir bist wohl vom Intrigieren matt.
|
| Luzifer: | Der schönste Mensch ist doch nur Mensch mit keinem Engel zu vergleichen wer kann schon einem Engel gereichen nenn mir nur einen, einen ...
|
| Gott: | Hast du den Hiob nicht gesehen, wie er sich täglich müht das schönste Haus zu geben während du gegen mich wühlst. Bereits die hohe Mathematik spricht für ihn, sieben Söhne, drei Töchter, siebentausend Stück Kleinvieh, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder, fünfhundert Esel, dazu Gesindel und ein untadeliger Leumund er fürchtet Gott und meidet das Böse.
|
| Luzifer: | Er fürchtet Gott und meidet das Böse, nimm ihn sein Habe, so zürnt er Gott und findet das Böse Ha, ändere nur seine Lage.
|
| Gott: | Vertraust du meinen Worten nicht Schelm, der du bist ginge ich mit ihm zu Gericht wäre es doch nur durch deine List.
|
| Luzifer: | Ich dacht, du bist dir sicher, dieser Mensch sei edel, einer deiner Lichter die Prüfung nur reel. Laß mir sein Gut nehmen dann wollen wir weiter sehen.
|
| Gott: | Durchtrieben wie du bist durchbricht er doch deine List ich sag es dir, er wird weiter glauben auch wenn wir ihm sein gesamtes Gut rauben. Gut gut, ich seh, du willst es sehen so soll es denn geschehen. Aber sein Leben, sein Leben, das sei dir nicht gegeben.
|
| Luzifer: | Nun darf ich wirken nun darf ich sein ich werd ihn schon verwirren flüsternd: und nachher ist er mein. Was nehm ich ihm zuerst? Ach ja, sein Eigentum. Ein bißchen Gewalt, ein bißchen Feuer Tiere, Knechte, Haus verloren ehe er kann, Gott geloben. Ein bißchen Gewalt, ein bißchen Feuer Tiere, Knechte, Haus verloren ehe er kann, Gott geloben. Nun noch seine Familie, Sieben Söhne, drei Töchter, ein wenig Wind und keiner weiß mehr wo sie sind. Sieben Söhne, drei Töchter, ein wenig Wind und keiner weiß mehr wo sie sind. Ach, wie er sich krümmt Hiob, das Leben meint es gut mit dir Hiob, das Leben meint es gut mit dir Ach, wie er sich krümmt Soll es das gewesen sein soll er leben, ganz allein er wird seinen Gott schon verdammen ich werd ihn schon für mich entflammen.
|
| Gott: | Nun sag schon, hat es etwas gebracht dem Hiob sein Gut zu nehmen nur wegen dein Verdacht ich mag das Schauspiel nicht mehr sehen Und hat er nicht soeben gesagt: Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter, Nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen. Gelobt sei der Name des Herrn Luzifer, gelobt sei der Name des Herrn gelobt sei der Name des Herrn Und hat er sich nicht seine Kleider zerrissen sich mit Asche beschmissen Luzifer, und kein Wort gegen den Herrn und kein Wort gegen den Herrn und kein Wort gegen den Herrn Ach, du elender Bub, ganz ohne Grund ließ ich es dir tun.
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| Luzifer: | Ja ja ja es ist doch klar was stellt schon sein Gut dar Windhauch Windhauch Kohelet sagt es auch.
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| Gott: | Und?
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| Luzifer: | Laß ihn mir jetzt seine Gesundheit nehmen dann wird er von dir streben er wird sich gegen dich stellen sobald ihm sein Wunden entstellen.
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| Gott: | Und gäb ich dir seine Gesundheit was verlangst du hernach, sein Leben, dazu wär ich nicht bereit was verlangst du, nun sag, du Narr.
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| Luzifer: | Was nützt mir sein Leben ich brauch es wie du sieh nur zu wie er sich gegen dich stemmt ist erst seine Gesundheit dahin dann steht er da, wo ich längst bin.
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| Gott: | An Hiob sollst du dir die Hörner abstoßen schaut es auch aus, als würde ich Hiob verstoßen bleibt er in seinem Glauben fest wird sein übriges Leben ein großes Fest.
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| Luzifer: | Ach, wie es mich freut schnell schnell schnell schlag ich ihn mit Geschwüre schnell schnell schnell von Fuß bis Stirn Geschwüre ehe es dem Herrn reut.
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Nun bei Hiob und seiner Frau, alles verödet, Hiob in zerfetzte Kleidung, Asche vom ausgegangenen Feuer am Körper.
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|
| Hiob: | Ich hoff, die Asche hilft gegen all den Süff ach, vielleicht kratz ich mich mit der Scherbe auf daß die Haut wieder werde.
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| Frau: | Igitt, und du glaubst an den Herrn, der dir das hat angetan, Hiob, dir bleibt nur ein Weg: Lästere Gott, und stirb.
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| Hiob: | Wie eine Törin redet, so redest du. Nehmen wir das Gute an von Gott, Sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?
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Drei Freunde, Elifa, Bidat und Zofar und der Jungspund Zefir kommen zu Hiob, sehen sein Leid und zerreißen ihre Kleider, wälzen sich in Hiobs Asche und setzen sich zu ihm, langes Schweigen, dann Reden.
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| Frau: | Da haben sie sich ja gefunden sich in ihrem Elend zu suhlen ach, wär ich nicht gebunden, ein anderer Mann dürft um mich buhlen. Anstatt aufzubauen, ja, auf sich selbst zu vertrauen, lassen sie die Trümmer liegen, wollen sich lieber in ihr Unglück wiegen. Ich muß fort, ich muß schaffen, Brennholz für die Nacht heran, sie wird kühl, das fühl ich, ach, ginge es nur um mich, ich ginge immer voran, würde alles hinter mir lassen.
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| Hiob: | Weib, was redest du, mach uns lieber einen Tee, los, bereit ihn uns zu, während ich mit meinen Freunden red'.
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| Frau: | Tee kochen, dazu bin ich ihnen gut, die Männer mit ihrem Übermut, und ihrem erbärmlichen Gehabe, als ständen sie nach einem Regenguß bereits am Grabe.
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| Hiob: | Geh geh geh, Weib.
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| Frau: | Ja ja ja, Mann. geht und bereitet Tee
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| Hiob: | Freunde, dieses Weib, ach, was ich sag, wahrlich, Freunde, verflucht sei der Tag, an dem ich geboren wäre das Leben doch von mir gezogen. Warum gab Gott mir das Leben? Nur, um mir alles Glück zu nehmen? Wäre ich doch gestorben als wäre ich tod geboren verscharrt wie eine Fehlgeburt. Ha, ein Glückspilz, bereits von Geburt! Der Tod ist doch des Glückes Schmied alles was einmal zu ihm geriet ist frei von Sorgen ob Gefangener, Sklave oder Prinz Freiheit ist des Todes Sinn nein, der Tod kennt kein Morgen. Warum warum warum läßt er die Elenden am Leben warten sie nicht ohne Unterlass auf ihren Tod und käme er sofort und käme er sofort, so würde es für sie kein größeres Glück geben.
|
| Elifas: | Hiob, du ach so Gerechter unter den Lebenden warst du es nicht, der die Elenden zu sich rief ja, sie im Erreichen des Glückes unterwies, ja, gehörtest du nicht einst zu den Lehrenden! Jetzt trifft es dich selbst jetzt sieht man, was du von der Lehre hältst, Ha, sogleich ist dir die Lehre nichts mehr wert alles, was du einst gelehrt scheint dir plötzlich verkehrt. Bedenk doch! Wer geht ohne Schuld zugrunde? Wo werden Redliche im Stich gelassen? Wohin ich schaue: Wer Unrecht pflügt, wer Unheil sät, der erntet es auch. Hiob, ich hörte es in einem Traume hör, welch kluges Geraune: Welch Mensch ist schon vor Gott gerecht, nenn mir nur einen der vor seinem Schöpfer rein du magst ihn mir zeigen Kaum daß Gott seinen Engeln traut wie dann eine Seele in des Menschen Haut Menschen leben um zu sterben keine Einsicht mögen sie vererben. Nein nein nein Mühsal ist des Menschen Schicksal er kann ihr nicht entkommen da mag er noch so frommen das Leben bleibt ihm eine Qual. Ich seh dich zweifeln, Hiob! Sag, wer geht schon ohne Schuld zugrunde, wem schlägt Gott grundlos eine solche Wunde. Ha, Warum nicht Gott befragen, ihm deine Sache vortragen. Denn er verwundet, und er verbindet, er schlägt, doch seine Hände heilen auch.
|
| Hiob: | Was soll ich sagen irr vor Schmerz könnt ich doch nur wie blöde klagen hätt er mich doch getroffen in mein Herz ich wär tod weg von diesem öden Ort Woher soll ich bloß die Kraft nehmen um es mit diesem Leben aufzunehmen Ist meine Kraft denn Felsenkraft, ist mein Fleisch denn aus Erz Ach, was sag ich, meine Worte haben doch kein Gewicht selbst meine Freunde gehen mit mir ins Gericht, Freunde sind nichts als taubes Gestein, ist man verdammt, so ist man allein Kommt, belehrt mich eines Besseren und all mein Unglück sei vergessen nicht um Gold oder Dukaten bitte ich kommt, schart euch um mich laßt den bösen Fluch nicht siegen laßt mich in eurem Schoße wiegen. Gut gut gut, was ist schon das Leben das Leben, gern würd ich es fortgeben nur Mühsal ist des Lebens Lohn ha, das Leben ist ein einziger Hohn Windhauch, Windhauch es weht dahin, es weht dorthin alles bleibt wie vorhin Windhauch, Windhauch. Herr, wo bleibt nur meine Schuld, warum versagst du mir deine Huld, am Tag läßt du mich wachen die Nacht sollt' ich nicht schlafen, so quältest du mich mit Träumen, und mit Gesichtern jagtest du mich in Angst. Herr, wo bleibt nur meine Schuld, warum versagst du mir deine Huld, Warum nimmst du mein Vergehen nicht weg, läßt du meine Schuld nicht nach? Dann könnte ich im Staub mich betten, suchtest du mich, wäre ich nicht mehr.
|
| Bildat: | Hiob, welch Unverstand hält dich im Bann als ob der Herr grundlos nach Unheil sann
|
| Frau: | Der Tee, ihr Herren, ich geh, mach das Nachtlager.
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| Hiob: | Nachtlager? Gut, Frau, geh geh, ein Nachtlager!
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| Bildat: | Laß sie, Hiob, Hiob, zweifle nicht, suche Gott, richte an ihm dein klagend Wort, und bist du ohne Schuld, zeigt er dir seine Huld, ja, und war dein Anfang auch gering, dein Ende wird gewaltig groß. Ich seh, ich seh, du bist so fern, so fern Hiob, wach auf, und komm zum Kern die Vergangenheit ist des Rätsels Lösung aus ihr zu lernen ist des Lebens Krönung: Im Glauben liegt des Menschen Kraft Im Glauben bleibst du auf Gottes Seite Im Glauben entrinnst du deiner Haft Im Glauben erlangst du des Gerechten Reife Denn Gott hat noch keinen Menschen aufgegeben der ihm sein Vertrauen hat gegeben. Ja, Gott verschmäht den Schuldlosen nicht, die Hand der Boshaften aber hält er nicht fest.
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| Hiob: | Wahhaftig weiß ich, daß es so ist: Wie wäre ein Mensch bei Gott im Recht! Wenn er mit ihm rechten wollte, nicht auf eins von tausend könnt' er ihm Rede stehen. Gott hat das All erschaffen Nach seinen Regeln leben wir Gott kann das All nicht verlassen ohne, daß die Welt krepiert. Kein Wissen macht den Menschen wirklich wissend keine Weisheit läßt ihn in den Himmel streben gottgleich ist kein Mensch je gewesen schaut ihn die Erde auch besitzend Wie könnte ich Gott verklagen wer sollte zwischen uns richten er kann mich grundlos vernichten was sollte ich ihm schon sagen. Gäbe es doch einen Schiedsmann zwischen uns! Er soll seine Hand auf uns beide legen. Zum Ekel ist mein Leben mir geworden, ich lasse meiner Klage freien Lauf, reden will ich in meiner Seele Bitterniss. Ob er mich schuldig oder nicht schuldig spricht, was nützt mir solches Wissen, wer lebt schon für das Gericht warum kämpft er gegen mich so verbissen. Ganz ohne Grund erhebt er seine Hand erst hat er mich aus Staub erschaffen nun kämpft er gegen mich mit all seinen Waffen mein Leben ist mir, als liefe ich gegen eine Wand. Gott, nun laß mich gehen, als sei ich nie geboren Gott, noch nie habe ich auf der Erde so gefroren, laß mich doch in die Tiefe gehen noch nie hat die Erde so ein Leid gesehen. Laß mich gehen, ins Land, so finster wie die Nacht, wo Todesschatten herrscht und keine Ordnung, und wenn es leuchtet, ist es wie tiefe Nacht.
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| Zofar: | Hiob, was kommt dir nur für ein dummes Geschwätz. Warum mag der kluge Hiob nicht siegen? Mag sich wohl so gern in seinem leeren Gerede wiegen. Wenn Gott nur spräche, damit Hiob nicht mehr seine Zunge wetzt. Die Tiefen Gottes willst du finden, bis zur Vollkommenheit des Allmächtigen vordringen? Hiob, der Allmächtige ist vollkommen, denn der Allmächtige ist vollkommen. Ha, selbst was uns unvollkommen scheint, reiht sich doch in das Vollkommene ein. All das Sein läßt sich im Vollkommenen gründen wer mag schon das Sein gegen Gott vorbringen? Hiob, hängt an dir keine Schuld, und wäschst du dich rein so wird er dich wieder erheben du führst wieder ein sorgloses Leben Nur der Frevler gibt sich auf in seiner Not nur der Frevler erhofft sich allein den Tod.
|
| Hiob: | Geht, geht doch, ihr drei so klugen Gestalten, ach, bleibt bleibt bleibt, hört meine Ansicht über Gottes Walten so klug wie ihr wär ich selbst unbeleibt. Ja ja , Freunde, wolltet ihr schon gehen, um unsere Freundschaft sei es wohl geschehen, zum Spott bin ich euch geworden, ja, zum Spott bin ich euch geworden, als hätt' es sich der Fromme mit Gott verdorben. Freunde, aus sicherer Entfernung läßt es sich gut reden, geht nur, geht, hat man Gott nicht gegen sich, steht keiner gegen das eigene Ich, da läßt es sich gut leben. Es scheint, als hätten allein die Frevler Gott in ihre Hand, es scheint, sie könnten sich in Sicherheit wiegen, die Gerechten werden dagegen von seinem Zorn erkannt sie mögen im Staube liegen, bleibt, Elifias, Bildad, Zofor, bleibt, meine Freunde, bleibt. Wer wüßte nicht, zu wissen, welch All Gott erschaffen hat mit seiner unendlichen Kraft. Wer wüßte nicht, zu wissen, daß er im Geheimen waltet in allem was man für offen haltet. Wer wüßte nicht, zu wissen, daß er führt und in die Irre führt. Daß er führt, und in die Irre führt. Sein Walten bleibt uns unbegreiflich, unbegreiflich, mein Gott, unbegreiflich. Freunde, nichts Neues gabt ihr mir kund ihr triebet es mit euer Frommen recht bunt was ihr wißt, weiß ich auch Mein Gott, ich muß mit Gott persönlich reden denn euer Reden ist nur lügnerischer Hauch ich muß mit Gott, rechten. Freunde, ihr vertragt wohl die Wahrheit nicht, mögt ruhig flüstern über mich euch fortbewegen, fortbewegen, nicht krank bin ich, nur äußerlich, das sehe ich ihr seid es im Herzen warum sollte das der Allmächtige nicht merken. Ihr wollt mich mit euren Lügen heilen? Gottes Zorn wird euch ereilen. Er braucht euch nicht an seiner Seite magt ihr es auch gut meinen, aber sicher nicht wie er es meinte. Freunde, Schweigt vor mir, damit ich reden kann. Dann komme auf mich, was mag. Gott, ich will mit dir reden Gott Gott, nun erscheine mir Ach, ich würde mein Leben geben, mit meinem Leben will ich für mein Leben stehen. leise zu sich murmelnd Und erscheint er, so ist der Streit bereits halb entschieden denn erscheint er, so ist meine Unschuld bewiesen ja, man sagt: kein Ruchloser kommt je vor seinem Angesicht. Gott, Wieviel habe ich an Sünden und Vergehen? Meine Schuld und mein Vergehen sag mir an! Warum verbirgst du dein Angesicht und siehst mich an als deinen Feind? Ach, wozu frag ich, ich. Was willst du bloß? Gott. Aus dem Blute des Weibes wird jeder Mensch geboren und ehe er sein Leben bereitet ist er im Tode verloren. Aus dem Blute des Weibes wird jeder Mensch geboren und doch richtest du gar heiter als sei dies richten geboten. Ich frag dich, Kann denn ein Reiner von Unreinem kommen? Nicht ein einziger. Gott, so halte doch Maß im Strafen was du einmal zerschlagen ist zerschlagen an keiner Hoffnung kann der Geschlagene sich laben, willst du mir alle Hoffnung versagen? Fäll mich lieber wie einen Baum, Denn für den Baum besteht noch Hoffnung ist er gefällt, so treibt er wieder, sein Sprößling bleibt nicht aus. Wenn in der Erde seine Wurzel altert und sein Stumpf im Boden stirbt, vom Dunst des Wassers sproßt er wieder, und wie ein Setzling treibt er Zweige. Doch stirbt ein Mann, so bleibt er kraftlos, verscheidet ein Mensch, wo ist er dann?
|
| Elifas: | Hiob, hältst dich für besonders weise, ich höre nur leeres Gerede, beschreitest gar krumme Wege, magst wohl nur die bequeme Reise. Ach, wo bleibt deine Gottesfurcht? Hiob, wir alle sind von Frauen geboren schon mit dem ersten Tag verloren uns bleibt allein die Gottesfurcht. Verkünden will ich dir, hör mir zu! Was ich geschaut, will ich erzählen, was Weise zu berichten wissen, was ihre Väter ihnen nicht verhehlten. Mag auch jeder Mensch unrein sein, der Frevler hat kein gutes Leben und lebt er gut sein Leben so sucht Gott ihn doch heim. Reichtum, Weib und Kinder, Macht und Ansehen der Frevler bleibt ein Blinder, und sein Gut bleibt ihm nur geliehen. Ist ihm alles genommen, dann versteht er erst beklommen.
|
| Hiob: | Papperlapapp, genug gesagt, daß ihr es noch wagt, stets zu singen das gleiche Lied ach, wie ihr euch in eure Gerechtigkeit wiegt. Hätte ich es wie ihr getan, ein schöner Freund wär ich euch gewesen euer Mitleid ist vertan, was wollt ihr weiter reden versteht doch, Gott hat an mir Unrecht getan. Hab ich meine Freunde verloren? Alles spricht gegen mich denn Gott ist gegen mich zu Felde gezogen ach, wie fühl ich mich jämmerlich. Sein Zorn zerreißt, befehdet mich, knirscht gegen mich mit den Zähnen, mein Gegner schärft die Augen gegen mich. Gott gibt mich den Bösen preis, in die Hand der Frevler stößt er mich. Mein Gesicht ist vom Weinen rot, und Dunkel liegt auf meinen Wimpern. Doch kein Unrecht klebt an meinen Händen, und mein Gebet ist lauter. Ach, wo sogar meine Freunde gegen mich zeugen wie sollt ich mich entlasten bei Gericht? Ohne Zeugen muß man sich jedem Urteil beugen, Ohne Zeugen ist selbst der Ehrbare ein armer Wicht. Wer sagt für mich aus, wer entlastet mich? Sollte ich dort oben im Himmel einen Zeugen finden. Freunde, seht nur, dort oben wird sich mein Schicksal gründen, mein himmlicher Zeuge, Bürge, er rettet mich. Ach, Mein Geist ist verwirrt, meine Tage sind ausgelöscht, nur Gräber bleiben mir. Von den Menschen verspottet die meine Freunde sind, Gott, Hinterleg die Bürgschaft für mich bei dir! Wer würde sonst den Handschlag für mich leisten? Mein Aussatz zeugt gegen mich, jeder Redliche denkt es sich. Doch der Gerechte hält fest an seinem Weg, wer reine Hände hat, gewinnt an Kraft. Ach ginge es doch den letzten Weg mit mir es bleibt mir keine Hoffnung hier Sollt ich etwa leben nur zum Tage zählen?
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| Bildad: | Was redest du für krudes Zeugs, Sprich, sind wir drei dir etwa unrein? Nein, das kann nicht sein, es wird Zeit, daß sich dein Rücken beugt. Ein Frevler ist, der Gott nicht kennt, der sich mit seinen Schmähungen verrennt, Hiob, du bist es wohl, alles von dir klingt so hohl. Und fällt der hohle Baum, des Frevlers Wurzel fault doch, Gott hält ihn schon im Zaum, kein Sproß kommt aus ihm noch. Irre ich mich, oder rieche ich Schwefel, das Unten kraucht schon aus dem faulen Nebel.
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| Hiob: | schreiend
IHR SCHELME
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| Frau: | murmeld zu sich selbst
Das ist es, was er kann, seine einzigen Freunde zu beleidigen, er müßte sie verteidigen, damit sie für ihn zeugen, vor Gott, sodann. Warum umschmeichelt er sie nicht, hält ihnen nicht den Hof, ich könnte Pasteten backen, so kurz vor dem Gericht, ach, wie ist der Kluge doof, wie kann er nur auf seine Freunde hacken. Hiob Hiob, komm zur Besinnung, ach, er hört mich nicht, er kennt nicht der Frauen Bestimmung, sie sind doch des Herrn Licht. Sie wissen, wie das Leben funktioniert, sie kennen alle Tricks. Aber, bis der Herr der Schöpfung das kapiert! Oh, Gott, ich weiß, wie du tickst, so wie alle Männer, und da bin ich ein Kenner. Es gibt nichts, was sie nicht können, mit dem Munde schnell gewönnen. Doch das Leben selbst, hält doch allein die Frau fest.
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| Hiob: | Was sag ich, keiner mag mich:
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| Frau: | murmeld zu sich selbst
Ja ja ja, du Depp.
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| Hiob: | Wie sollt ich es mir sonst erklären, als daß sie mein Unglück als meine Schuld wähnen. NEIN, erkennt doch, daß Gott mich niederdrückt, da er sein Netz rings um mich warf. Er erklärte mich, seinen Freund, zum Feind, so bin ich zwar sein Feind, es war aber nicht meine Entscheidung, es war aber nicht meine Entscheidung. Er, ja er hat mich mit Haus, Hof und Familie entzweit, ausgestoßen lebe ich dahin, schaut nur, nichts ist mir geblieben, was mir bleibt, selbst meine Freunde haben mich ... ach, alles ist dahin. Was sag ich, was sag ich, was sag ich, Hiob, Erbarmt, erbarmt euch meiner, ihr, meine Freunde! Denn Gott hat mich getroffen. Warum verfolgt ihr mich wie Gott, warum werdet ihr an meinem Fleisch nicht satt? Ach, wenn ihr nicht für mich zeugen wollt, soll doch die Schrift es für mich tun, in Stein gehauen gilt sie so wertvoll wie Gold, es soll geschrieben werden, eher will ich nicht ruh'n. Eiserner Griffel, schön mit Blei versehen, und Fels, ich muß euch suchen, der Nachwelt meine Unschuld zu bezeugen. Ha, ich weiß, mein Erlöser lebt, lebt lebt lebt, und damit ihr es wißt, es gibt ein Gericht. Ha, ... bangt für euch selber vor dem Schwert; denn heftiger Zorn verdient das Schwert, damit ihr wißt: Es gibt ein Gericht.
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| Zofar: | Was was was, Hiob, bleibt uns denn nichts erspart? Deine Zunge hat so manche Schmähung parat. Und wüßte ich es nicht besser, um nicht zu sagen, ich sei weise, ich liefe wohl ins offene Messer, in deiner Schmähung Kreise. Ach, Hiob, nun höre die gesicherte Lehre, nur Frevler werden von Gott geschlagen, wie du, den Frevler nimmt er auf einem Schlage alles, alles im nu, kaum daß sich einer wehre, denn des Frevlers Stoß geht in die Leere. Ja, Hiob, erkenne dich: Der Himmel enthüllt (des Frevlers) seine Schuld, die Erde bäumt sich gegen ihn auf. Die Flut wälzt sein Haus hinweg, Wasserströme am Tag seines Zorns. Das ist des Frevlers Anteil von Gott, das Erbe, das Gott ihm zuspricht.
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| Hiob: | Ach, ihr wollt schon gehen? So konnt' ich euch nicht überzeugen? Ach, würdet ihr mir doch wenigsten Trost geben. Ach, würdet ihr mich nicht verleumden. Nur ein Wort noch, Freunde, Freunde? Nur ein Wort noch, Zofar, deine Lehre nähm' ich gern an, denn sie ist mir die reinste, doch, Zofar, sie kommt nicht an die Realität heran, das schaut selbst der Geringste. Des Frevlers Tage sind meist voller Glück, als dächte ich an meine Tage zurück: sieben Söhne, drei Töchter, siebentausend Stück Kleinvieh, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder, fünfhundert Esel, dazu Gesindel und ein untadeliger Leumund aber die Frevler fürchten weder Gott noch meiden sie das Böse. Die Frevler lebten stets voller Glück, Und doch sagten sie zu Gott: Weiche von uns! Deine Wege wollen wir nicht kennen. Und sollte Gott ihre Nachkommen strafen, während die Frevler längst ewig schlafen, was kümmert es sie? Darf man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der die Erhabenen richtet? Der eine stirbt in vollem Glück, ist ganz in Frieden, sorgenfrei. Der andere stirbt mit bitterer Seele und hat kein Glück genossen. Ja, das könnt ihr sehen, wenn ihr es sehen wollt, versperrt eure Augen jedoch hinter alten Weisen, als wenn die das Leben meinen, seht nur, dem Frevler bleibt das Glück stets hold. Ach, Wie wollt ihr mich mit Nichtigem trösten? Eure Antworten bleiben Betrug.
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| Elifas: | Hiob, warum verlangst du, hier auf Erden, Gottes Lohn, für die Gerechten, dein Reden klingt in meinen Ohren wie Hohn, hör auf, mit Gott zu rechten. Die Gerechten leben rechtens, weil es ihnen dient, nicht für Gottes Lohn machen sie sich verdient. Hiob, ist nicht groß deine Bosheit, ohne Ende dein Verschulden? Du, Hiob, du hast nicht recht gelebt, den Armen halfest du nicht, mit den Verbrechern verbandest du dich, für die Witwen und Waisen hast du kein Finger bewegt. Und du behauptest, Gott habe dich falsch gerichtet, und wähnst all die Frevler im Glück, Ha, ich frage dich, sind unsere Gegner nicht allesamt vernichtet? Komm, schau nur zu unsere Ahnen zurück. Hiob, ich flehe dich an, Hiob, schau mich an, kehre um, kehre um, hörst du, kehre um, mein Freund, Werde sein Freund, und halte Frieden! nur dadurch kommt das Gute dir zu. Hiob, Wer hochmütig redet, den duckt er, doch hilft er dem, der die Augen senkt. Er rettet den, der schuldlos ist; durch seine Hände Reinheit wird er gerettet.
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| Hiob: | Was sollt ich sagen, ich würd' den Allmächtigen gern treffen, aber wohin sollt' ich meine Schritte wagen? Nach Ost, nach Süd, nach West, nach Nord, ich gehe jetzt, am besten, fort. Wohin, wohin nur? Wär doch mein Weg auch seiner, meiner seiner, seiner meiner, meiner seiner. Wohin, wohin nur? Hätt' ich bloß nicht solche Angst vor dem Allmächtigen, Seine Entschlüsse sind mir einfach unergründlich, wär' dies nicht so, ich würd gern bei ihm nächtigen, hört nur, er würde bei meinem Anblick wieder vernünftig. Ach, prüfte er mich, er würde mich redlich finden, sähe er mich, er würde mich als reinstes Gold befinden. Doch er bleibt sich gleich. Wer stimmt ihn um? Wonach ihn gelüstet, das führt er aus. Gott macht mein Herz verzagt, der Allmächtige versetzt mich in Schrecken. Denn bin ich nicht von Finsternis umschlossen, bedeckt nicht Dunkel mein Angesicht? Das Haus der Menschen ist längst auf Finsternis gebaut, mehr und mehr lichtscheue Gestalten mögen die Welt bereisen, der Weg zu Gott ist ihnen jedoch verbaut, denn sie suchen sich in allerlei Verbrechen zu beweisen. Frevler, Frevler, überall, das Licht so fern, so fern, Finsternis, überall, Finsternis. Warum hat er, Gott, ja er, keinen Termin fest gelegt, der Tag, an dem sich er sich zu seinem Gericht bewegt? Warum bleiben seine Gerichtstage verborgen, warum erzählen alle nur vom Morgen? Wie wär es um die Welt bestellt, wüßte jeder Schelm, wann das Fallbeil fällt, Dem Finsteren wäre die Ruhe genommen, sie schauten alle auf den Gerichtstag beklommen. Und doch, Gott straft lieber unverhofft, läßt zuvor die Frevler gewähren, doch können sie sich nicht vor seinem starken Arm bewähren, letzten Endes trifft er sie alle, Kopf für Kopf.
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| Bildad: | Hiob, was schwafelst du von Licht und Schatten von Schwarz und Weiß, versteh endlich, der Mensch ist nicht so geschaffen. Hiob, du bist auch nur geboren von einem Weib. Siehe, selbst der Mond glänzt nicht hell, die Sterne sind nicht rein in seinen Augen, geschweige denn der Mensch, die Made, der Menschensohn, der Wurm.
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| Hiob: | Mein Bildad, Hilfe hätte ich erwartet, nicht leere Belehrung, was hilfst dem Schwachen was hilfst dem Weisen, deine Worte geben nur deine Leere kund, sie machen meine Seele wund. Gott hat in Urzeiten knallend die Welt erschaffen, jeden Tag kannst du seine Werke begaffen, ach, doch das Donnern seiner Macht, wer kann es begreifen? Ich, Hiob, begreife es nicht, ja, warum er mir mein glückliches Leben nahm. Noch werde ich lügen, in meines Unglückes Wahn, Freunde, eure Lehre stimmt so nicht. Fern sei es mir, euch recht zu geben, ich gebe, bis ich sterbe, meine Unschuld nicht preis. An meinem Rechtsein halt' ich fest und laß' es nicht; mein Herz schilt keinen meiner Tage. Mein Feind sei wie ein Frevler, mein Gegner wie ein Bösewicht. Keiner von ihnen wird vor Gott bestehen mögen sie auch ihr Leben leben Ja, es gibt einen göttlichen Plan, so hört ihn euch an: Alles was sich die Frevler schaffen, wird die Zeit dahinraffen, selbst ihre Kinder werden büßen, für ihrer Ahnen unredliches Bemühen Genossen werden die Früchte schließlich von den Gerechten, mögen die Frevler auch zu Lebzeiten ihre Messer gegen sie wetzen. Ach, wär ich weise, ich würde Gottes Sinnen wohl ergründen, aber, wo soll ich die Weisheit finden? Ach, Hiob, der Mensch der sucht, der findet auch, die Wissenschaft schafft sich Raum um Raum. Gen um Gen wird das Leben gelesen, das Fernrohr schaut die fernste Gegend, das U-Boot den tiefsten Punkt im Ozean, und doch, ich merke an, die Weisheit ist sie ist nicht so zu finden, sie ist kein Gut zum Ergründen zum Lesen, Schauen, Hören, Schürfen, das Alles, was die Menschen dürfen. Elend stehen wir da, ohne Weisheit, ohne Einsicht, und sind so kahl, so kahl und fahl und der Mensch, der Weisheit sucht, ist ein armer Tropf, denn ihm bleibt nur, daß er ewig hofft. Mensch, Hiob, du Esel, Gott ist es, der den Weg zu ihr weiß, und nur er kennt ihren Ort. Doch zum Menschen sprach er: Seht, die Furcht vor dem Herrn, das ist Weisheit, das Meiden des Bösen ist Einsicht. Ha, hast du Furcht vor dem Herrn, das ist Weisheit, denn dann liegt dir das Freveln fern, liebst dafür sein Wissen, seine Reinheit. Und meidest das Böse, und meidest das Böse, sodann. Und meidest das Böse, und meidest das Böse, sodann. Mein Gott, was hab ich getan? Was hab ich getan? Mein Leben war glücklich, ich war geachtet, bei Volk und König, mein Trost war bei den Witwen und Waisen mein Wort wurde überall beachtet mein Tun war gerecht. Und nun? Nun lachen sie über mich, mir, mir, einfach ins Gesicht, sogar die Niedrigsten der Niedrigen, sie hausen unbehaust, draußen, ernähren sich von der Wiese und ihren kruden Flausen selbst zur Arbeit hätten sie nicht getaugt, sie sind vom ewigen Hungern und Lungern längst ausgelaugt, und doch, das Unglück kennen sie zu gut, als daß sie sich nicht über mich lustig machen, nun haben sie den Mut, nun spucken sie mir ins Gesicht, mit einem schnöden Lachen. Gott, Weinte ich nicht um den, der harte Tage hatte, grämte sich nicht meine Seele um den Armen? Ja, ich hoffte auf Gutes, doch Böses kam, ich harrte auf Licht, doch Finsternis kam. Gott, ich weiß, daß ich unschuldig bin, und du schaust doch meine Wege lügte ich, wäre das ohne Gewinn, willst du, daß ich meine Hand ins Feuer lege? Die zehn Gebote, sie sind mir wohlbekannt, in Kürze seien sie benannt: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen, denn der Herr läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen mißbraucht. Gedenke des Sonntags halte ihn heilig. Ehre deine Eltern. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Das waren sie wohl, hab ich etwas vergessen? Nein nein nein, ich habe sie alle beachtet, als hätte ich dies Wissen schon immer besessen. Freunde, Freunde, ich sah gerade wie ihr lachtet, verstummt, verstummt, ich weiß, ich weiß, die Gebote kennt jedes Kind, aber, ob sie auch jeder ernst nimmt? Ich hab sie ernst genommen, hab mich stets nach ihnen benommen, ich brauch mich nicht hinter Lügen verbergen mich im Haus zu verstecken, mich bedecken, nein, hier bin ich, hier steh ich für mich, soll mich Gott doch kennenlernen. Gäbe es doch einen, der mich hört. Gäbe mir der Almächtige doch Antwort. Gäbe es doch einen, der mich hört. Das war wohl mein letztes Wort. Hiobs letztes Wort. Hörst du mich nicht, Allmächtiger? Mein Gott, hörst du mich nicht?
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| Frau: | zu sich murmelnd
Endlich Ruhe, das Reden hat ein Ende gefunden, doch, daran wird Hiob nicht gesunden, ja ja ja, alles ist zerstört, doch warum gleich so verwirrt, wir bauen alles wieder auf, wir haben bald wieder ein Zuhaus, endlich eine frohe Kunde. Morgen muß ich den Hiob sprechen, ihn seine Flausen austreiben: Recht und Gerechtigkeit! Der Winter wird sich rächen, sollten wir bei diesem Sprechspiel zu lange bleiben, ich merke schon die kalte Feuchtigkeit. Ein Haus muß her, nur vier Wände, meine, unsere, vier Wände, mein Gott, ein Haus muß her.
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| Elihu: | Ei ei, nun ist das Reden der Alten vorbei, ihr wißt Hiob nicht mehr zu antworten. Nun ist's einerlei, ich muß, obwohl jung an Jahren, meine Weisheit fassen in Worten. Gut, ich bin jung, sehr jung, ich hab mich auch nicht vorgedrängelt, doch glaubt, mit der Weisheit befind' ich mich in einem Bund und nicht jeder Alte ist gleich weise, und der Junge wird so oft vom Alter gegängelt. Kurz und gut, ich übernehme die schwere Last, ihr Alten, bleibt ohne Wut, ich rede ohne Hast. Hiob, nun höre mein Wort, wir sind beide Menschen du muß vor meinen Worten nicht schrecken, ich frag und du gibst mir Antwort. Du meintest du seiest ohne Fehl und Tadel Gott habe mit dir einen bösen Handel. Da bist du nicht im recht, sage ich dir, denn Gott ist größer als der Mensch. Warum hast du mit ihm gehadert, weil er all deinen Worten nicht erwidert? Setzt Gott nicht stets Zeichen, an ihnen soll jeder Mensch reifen, im Traume warnt er den Hochmütigen und mag das nicht genügen, so läßt er ihn am Tode kosten, läßt ihn abmagern bis auf seine Knochen. Gut dem, dem dann ein Engel trägt, ein gutes Wort für ihn bei Gott einlegt, und Betet er zu Gott, so ist er ihm gnädig, er darf sein Angesicht schauen im festlichen Jubel. Die Finsternis hat ihn nicht gefunden, er durfte gesunden, Hiob, das macht Gott locker gleich drei Mal für jeden Menschen, wie willst du mit Gott rechten? Hiob, schweige, wenn du nichts zu sagen hast, das Jammern laß, hör mir zu, meine Weisheit klärt deinen Fall im Nu. Hört mir nur ruhig weiter zu, ihr Weisen, wir hörten Hiob ständig greinen, Gott habe ihm ein Unrecht getan, er lästert Gott und nennt sich selbst keinen Frevler, und so treibt er es immer übler, meint sogar, alle Freundschaft zu Gott sei vertan. Frevler! Hört, was ich zu sagen habe, schaut meine ungeheure Gabe: Gott tut niemals ein Unrecht, denn alles was Gott tut ist recht. Er hat all die Gesetze geschaffen, Physik, Mathematik, Biologie Philosophie, das Ganze ist aus ihm entstanden. Werdet ihr es raffen? Er ist's, das lebendige Gesetz, er kann nicht gegen sich handeln. Gottes Macht ist also unermeßlich, so scheut er weder die Reichen noch die Gewaltigen, plötzlich, und ohne Frist, holt er sie nachts aus ihrem Bett, ist ihr Erden Ruf auch vortrefflich, ist ihr Körper auch noch so sauber, als würden sie sich ständig reinigen er schaut doch in ihr Innerstes, schaut ihr Antlitz auch noch so nett. Ja, Gewaltige knickt er ohne Verhör, und stellt andere an ihren Platz. Ja, er kennt all ihre Wege, und schreitet er ein so ist um sie geschehen, ohne daß er sich zu ihnen gleich begebe wer hat ihn schon jemals gesehen. Nein, keine Rechtfertigung kann vor ihm gelten, kein Disput nützen, denn alles was er weiß, muß ihm niemand melden, er braucht sich zu keinem bücken. Und so ist's, jeder Weise wird es wissen, Hiobs Reden ist zwar schlau und gerissen, aber, ist sein Reden nicht das reinste Freveln, wenn er nicht der schlimmste aller Frevler ist. Und, Hiob, hast du etwas zu erwidern? Nein? Gut, dann will ich meine Argumente weiter gliedern. Du sagst, du hast nichts davon, daß du das Rechte magst, der Frevler bekommt doch stets den Lohn. Ich sage, was hat Gott davon, ob du gerecht bist oder eine Plage, und dein Lohn? Menschen wie dich trifft dein Frevel, dein Gerechtsein nur die Menschenkinder. Hiob, verstehe, meine Rede, erst im Gericht wird Gott strafen, vergeben und geben, jedem, nach seinem Leben Nur weil keiner den Tag des Gerichts kennt, ist er dem Allmächtigen doch nicht fremd! Hiob, du gehst, nun ist dir genug? Warte, meine Rede ist ohne Lug und Trug, es lohnt sich, sie zu hören, mag dich auch meine Jugend nicht betören. Höre, es stimmt, was über Gott geschrieben steht, worauf jeder Gerechte seine Hand ins Feuer legt. Den Frevler läßt er nicht am Leben, doch den Gebeugten schafft er Recht. Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten; Könige auf dem Thron: für immer setzt er sie ein, sie werden groß. Doch auch für den König gilt, er ist nicht stets und immer mit ihm mild, hört er nicht seinen Rat und kommt zur Einsicht, er schleift ihn vor's Gericht. Auch den Leidgeprüften kann der Allmächtige retten, auch du, Hiob, darauf können wir wetten, aber wehe, du bist wie ein Frevler, das wäre dein größter Fehler, flehe nicht den Tag des Gerichts herbei, denn Gott ist seine Schöpfung nicht einerlei. Sieh, groß ist Gott in seiner Macht. Wer ist ein Lehrer wie er? Wer will ihm weisen seinen Weg? Wer kann ihm sagen: Du tust Unrecht? Er bestimmt den rechten Weg, denn ihm gehört noch der letzte Erden Steg. Er hat alle Gesetze ersonnen, ob für die Natur oder dem menschlichen Leben, er bestimmt über seine Gesetze ob es regnet oder ob wir uns sonnen und das vom ersten Knall bis zum letzten, es kann im All nur ihn allein geben. Nein, Gottes Wesen mögen wir nicht ergründen, alles Streben muß in die edle Furcht vor Gott münden Keinen sieht er an, wie weise sie auch sind.
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Gott taucht auf, alle bleiben starr am Platze sitzen, allein Hiob gehht zu ihm, anscheinend kann nur er allein ihn sehen.
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| Gott: | Sag Hiob, bist du so vermessen, dich mit mir zu messen. Was weißt du schon? Was weißt du schon? Was? Hiob, komm zur Vernunft, und uns bleibt die Zukunft. Hältst dich klüger, weiser als ich es bin? Wo warst du, als die Erde entstand? Und was hast du schon erkannt? Warum macht das Leben einen Sinn? Wie hab ich die Erde organisiert? Sag es! Welche Gesetze hab ich fabriziert, damit alles geht und geht und geht, als gäbe es keinen Finger, der es bewegt? Sag es! Wieso bleibt euch das Denken? Ich könnte euch auch ohne Denken lenken! Und warum sollt ihr auf mich vertrauen, ja, glauben? Sag es! Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? Der Gott anklagt, antworte drauf.
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| Hiob: | Siehe ich bin zu gering. Was kann ich erwidern? Ich leg meine Hand auf meinen Mund. Einmal habe ich geredet, ich tu es nicht wieder; ein zweites Mal, doch nun nicht mehr!
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| Gott: | Hiob, Was wäre, gäbe ich dir Recht? Willst du wirklich mein Recht zerbrechen, mich schuldig sprechen, damit du recht behältst? Dann übernehme doch mein Zepter, komm, organisiere das Leben das wollen wir doch mal sehen ach, spiele auch den Henker. Bestraf die Frevler, weise sie in ihre Schranken! Ach, das wäre ein Fehler? Ohne mich könnte die Erde wanken? Hiob, man reizt den Elefanten nicht, denn steht er auf, erhebt er sich gegen dich! Was würde schon von Allem bleiben, wolltest du mich vertreiben?
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| Hiob: | Ich hab erkannt, daß du alles vermagst; kein Vorhaben ist dir verwehrt. Wer ist es, der ohne Einsicht den Rat verdunkelt? So habe ich denn im Unverstand geredet über Dinge, die zu wunderbar für mich und unbegreiflich sind. Hör doch, ich will nun reden, ich will dich fragen, du belehre mich! Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut. Darum widerrufe ich und atme auf, in Staub und Asche.
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| Gott: | Was mach ich nur mit deinen FREUNDEN, Elifas, Bildad und Zofar. Sie haben dir Unrecht getan, ja, sie haben sich mit ihren Reden vertan Wo helle Freundschaft walten sollte, blieb nur Sturm und eine düstere Wolke. Mein Zorn geht mit ihnen ins Gericht, ach, Hiob, du besänftigst mich?
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| Hiob: | Allmächtiger, es sind brave Bürger, Freunde, sie konnten es nicht besser wissen sie haben jedoch ein reines Gewissen, laßt uns leben in Eintracht und Freude. Ach, steht auf, Freunde, geht geht geht, bevor er euch hinweg weht.
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| Gott: | Hiob, so sei es, das Leben soll dir von nun ab alles geben, Freude, Glück, genieße es, du hast mein Segen.
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| Frau: | Hiob schau, der Himmel wird blau, ein neues Haus, im schönsten Licht, unser Schicksal wendet sich, was für eine neue Sicht.
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| Hiob: | Ja, Frau
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| Freunde: | Hiob, das Tun des Allmächtigen ist unergründlich, so unerfindlich. Freunde, Freunde wollen wir doch sein und für immer bleiben.
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| Hiob: | Ja, Freunde.
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Gott wieder bei seinen Engeln.
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| Gott: | Habt ihr es gesehen, einer wie Hiob war auf der Welt noch nie gewesen, ich werde ihm vom allen was er dereinst besaß das doppelte geben, reich an Jahren soll er leben und leben.
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| Luzifer: | Ein Mensch, mehr nicht, ein Wicht.
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| Gott: | Ja ja ja, und?
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| Luzifer: | Und? Geb mir sein Leben, unter der Erde werden wir dann weiter sehen, oh, er wird gegen dich freveln bald unter meinem Winde segeln. Geb mir nur sein Leben, unter der Erde werden wir dann weiter sehen.
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| Gott: | Luzifer, du hast deine Zeit gehabt, ihn auf sein Herz zu prüfen, und ich müßte lügen, hätte ich mich deswegen nicht selber gehaßt. Ach, einer der Anständigsten unter den Menschen, er mußte leiden für alle, ich werde nun sein Schicksal wenden, noch einmal stell ich ihm keine Falle.
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| Luzifer: | Und, was soll es, ist doch nur ein Mensch, ja ja ja, so was tolles, wie ein Mensch. Ha ha ha.
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| Gott: | Schluß, es ist Schluß. Das Spiel ist aus, der Vorhang fällt, und hast du noch Fragen, so pack ich dich an deinen Kragen.
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Ausstattung:
ein Weg, karg, kaum Bäume, eine Parkbank
Personal:
| Maik | Junger Mann |
| Lena | Junge Frau |
| Jörg | Freund des Maik |
| Maik | Ich liebe dich |
| Lena | Mich? |
| Maik: | Ich liebe dich. |
| Lena: | Das kann jeder sagen, was weißt du schon. Mich zu lieben, bedeutet, sich die Liebe der anderen zu versagen. |
| Maik: | Rede nicht so etwas, ich liebe dich wirklich. |
Küssen sich.
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| Lena: | Du weißt nichts von mir. |
| Maik: | Du bist unheimlich schön, du riechst gut, du, hast schöne Augen, eine schöne Stimme, deine Lippen, einfach übersinnlich, dein Lächeln, gestern, als wir uns das erste Mal in der Schule sahen, als ich dich sah, ich hätte, du bist, du bist meine Traumfrau. |
| Lena: | Sagte ich doch, du weißt nichts von mir. |
| Maik: | Nein, ich weiß alles alles, ich liebe dich. |
| Lena: | Du bist ein Dummkopf. |
| Maik: | Rede doch nicht so, nicht so ... |
| Lena: | Wie soll ich sonst reden? Charmanter? |
| Maik: | Ja, ein wenig so, ein wenig mehr nach dem, wie du ausschaust, eben viel charmanter. |
| Lena: | Du, ich muß, nach Hause, meine Mutter, sie paßt auf, ständig auf mir auf, als sei ich zerbrechlich, aus Porzellan. |
| Maik: | Geh ruhig, wir sehen uns doch morgen wieder. Kommst du am Sonnabend mit ins Kino? |
| Lena: | Mal sehen. |
| Maik: | Gut, du kommst. |
| Lena: | Ich werde es versuchen, meine Mutter zu überzeugen. |
| Maik: | So eine Mutter möchte ich auch mal haben. |
| Lena: | Du, nichts gegen meine Mutter, das meine ich jetzt ernst, sonst ist es aus, zwischen uns, aus, verstehst du. |
| Maik: | Was hast du denn?
Gut, nichts gegen deine Mutter, muß wohl 'ne Heilige sein, egal. |
| Lena: | Also, bis morgen. |
| Maik: | Grüß deine Mutter von mir. |
| Lena: | Wirklich? |
| Maik: | Ja, na klar. |
Lena geht, Maik bleibt.
|
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| Maik: | Sie liebt mich.
Ja, sie liebt mich. Ich liebe sie. Ja, ich liebe sie. Und sie liebt mich mich mich.
Ich habe zuvor noch nie geliebt, richtig geliebt. Mir ist heute die Liebe begegnet. Die große Überwinderin aller Hindernisse.
Ich mag mein Glück kaum fassen. So unbegreiflich ist es mir. Gelesen und gelesen habe ich viel, über die Liebe, auch gesehen, Fernsehen, Filmchen und Bilder, klar, was man so sieht, wenn es einem interessiert, aber nichts ist vergleichbar, mit dem Lieben einer Geliebten, nichts ist schöner, nichts ist wirklich wirklich, nichts kann das ersetzen, und doch, die Einzigartigkeit existiert gleich milliardenfach, milliardenfache Einzigartigkeit. Jeder kann es fühlen, sie fühlen, die Liebe. Mein Gott, wenn du da oben existierst. schreit Wenn du da oben existierst, dann möchte ich dir danken, dafür danken, daß es die Liebe gibt. Alles andere erscheint mir so unsinnig. Das Gute, wie das Böse. Alles erscheint mir so unsinnig, schreit, hörst du, so unsinnig, das Gute, wie das Böse. Das Gute haben die Guten für sich entdeckt, das Böse haben die Bösen für sich entdeckt, und sobald sie es für sich entdeckt haben, so wollen sie davon nichts hergeben, sie wollen es besitzen, als Eigentum, schließlich haben sie es gefunden, zumindest ein Finderlohn gebührte ihnen, als gerechter Lohn des Findens. Doch, wer soll ihn zahlen, den Lohn? Du etwa, Gott? Dir scheint Gut und Böse egal zu sein, denn du hältst die Liebe für alle bereit, machst keine Unterschiede, noch der Bösartigste darf sich verlieben, es ist ihm nicht verboten, Gott, du Gleichmacher, verbietest es ihm nicht. Auch Wasser, Brot, Sonne Licht, erhält er, von dir, wenn es dich denn gibt, dich gibt. Egal, ich, ich habe mich heute verliebt, ich spüre es, ganz deutlich, denke nur noch an die Liebe, versuche dabei nicht abzuheben und hebe ab, hebe ab, als sitze ich in einem Jumbo, der gerade startet, mindestens A 380, mindestens, ich fliege, fliege, fliege, abheben ist so einfach, so verdammt einfach. |
Jörg erscheint mit einem Fahrrad, während Maik auf der Bank sitzt, grübelnd und fliegend.
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| Jörg: | Hier bist du. Die ganze Welt sucht dich und du sitzt hier. |
| Maik: | Tag. |
| Jörg: | Tag. |
| Maik: | Was treibt dich hierher, zu diesem verlassenen Ort. |
| Jörg: | Dich zu suchen trieb mich her. |
| Maik: | Ich weiß, du bist in der Theatergruppe, mußt es deswegen doch nicht dauernd raushängen lassen |
| Jörg: | Ich dachte, ich könnte dich doch noch begeistern. |
| Maik: | Junge, ich habe mich heute verliebt, einfach so, sie ist toll. |
| Jörg: | Und wer ist sie, die Tolle. |
| Maik: | Sie ist etwas ganz Besonderes, weißt du. |
| Jörg: | Sag schon, wer sie ist, wir sind doch unter uns. |
| Maik: | Ach, es gibt Gute Zeiten und Schlechte Zeiten, jetzt sind es die guten Zeiten. |
| Jörg: | Es wird doch wohl nicht etwa eine verbotene Liebe sein? Soll ich dich Werther nennen? nein, dafür leidest du nicht genug, nun sag schon, wer ist die Gute? |
| Maik: | Hältst du deine Klappe? |
| Jörg: | Ehrenwort. |
| Maik: | So ein Kohl. Ehrenwort! Sag mir lieber, ob du es nicht weiter erzählst. |
| Jörg: | Ich werde nichts weiter erzählen, ganz klar, auch ohne Ehrenwort. |
| Maik: | Sie heißt Lena. |
| Jörg: | Die Lena? |
| Maik: | Wieso fragst du so komisch. Ja, die Lena, die gestern zu uns kam. |
| Jörg: | Mist. |
| Maik: | Was heißt hier, Mist, sie ist wunderschön. |
| Jörg: | Ich muß los, ist ja schon spät, mach's gut. |
| Maik: | Gut. |
Jörg fährt mit seinem Fahrrad weg.
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| Maik: | Was hat er nur?
Kaum sag ich ihren Namen, da schauen seine Augen zum Boden, als könnte ich sie mit einem Namen plagen. Lena Lena Lena heißt sie und sie ist rein, vollkommen rein. Was weiß er schon? Kennt er sie doch weniger, als ich sie kenne. Was weiß er schon? Ist sie etwa nicht die richtige, nicht die, die ich denke, daß sie es ist? Und wenn, ich liebe sie. Ist sie auch die falsche, so liebe ich sie doch, denn nichts ist Falscher, als der Liebe nicht nachzugeben. Was soll schon mit ihr sein? Was soll er schon wissen? Er neidet sie mir. Gewiß, er neidet sie mir. Wie er geschaut hat, voller Neid. Ich kenne ihn. Er ist voller Neid. Sonst ist er lieb und nett, mein bester Freund, aber sein Neid, sein Neid, macht mich kirre. Hab ich ein besseres Fahrrad, er spricht drei Tage nicht mir, bekomme ich bessere Noten, er schaut an mir vorbei, habe ich eine Freundin, er macht sie mir madig. Ha, welch holde Pflaume verträgt nicht eine Made? Nur die besten sind voller Maden, neidige Blicke der anderen, der zukurzgekommenen mögen mich nicht verletzen. Ha, ich werde sie besetzen, wie den letzten leeren Stuhl, da muß ich den Neid ertragen, nichts ist schöner, als den Neid der anderen ertragen. Eine angenehme Last, ist mir die angenehmste aller Lasten, besser als Mitgefühl, schöner als die Liebe. Schöner als die Liebe. Nein nein nein, die Liebe ist etwas ganz Besonderes, sie ist zu mir gekommen, wie das Kinde zur Jungfrau, einfach so, ohne mein Zutun, einfach so, von oben herab stieß sie zu mir, pfeilschnel, die Liebe, und besaß mich sofort, hat Besitz ergriffen, von mir, nichts gehörte mir mehr von mir, nichts gehört mir mehr von mir, okkupiert von der Liebe, Amor, du Himmelskrieger, du hast mich erlegt, ich bin deine fette Beute geworden, Himmelsgestalt, gäbe es das Paradies, du wärest ohne Arbeit, arbeitslos, Hartz IV wäre dir gewiß, Adam und Eva bräuchten dich nicht. Aber so, der Sündenfall hat dich zum Leben erweckt, darfst tätig sein, mit Pfeil und Bogen, Menschen kapern, für die Liebe. |
Ausstattung:
großer heller Raum, in der Mitte ein Sarg, schwarz, erhöht stehend
Personal:
| Jörg | junger Mann |
| Heike | junge Frau |
| Alte | alter Mann |
| Best. | der Bestatter |
Jörg sitz in einer Ecke der Bühne, Heike in der anderen.
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| Jörg | Die Weisen sind ausgestorben. |
| Heike | Die Weisen. |
| Jörg | Die Weisen sind ausgestorben.
Alles ist leer von ihnen. Nichts mehr. Nichts mehr ist zu finden, von ihnen. Von ihnen ist nichts. Nichts ist geblieben. Geblieben das ewige gar Nichts. Das rein gar Nichts. |
| Heike | Jörg! |
| Jörg: | Es gab Zeiten, in denen lebten die Weisen unter uns, steht auf, zeigt ins Rund
direkt unter uns, ja, unter uns. Verstehst du, Heike? rennt zu ihr, kniet vor ihr nieder direkt unter uns. |
| Heike | Jörg, so traurig habe ich dich noch nie, niemals erlebt. |
| Jörg | Verstehe doch, sie sind nicht mehr unter uns, fühlst du nicht diese Leere, die uns umgibt, diese einsame Leere, spürst du sie nicht, die Gruft, in der wir leben, das Kalte, fühlst du es nicht? |
| Heike | Wir sind doch, wir beide sind doch, sind doch.Verstehst du nicht. |
| Jörg | Wir sind und wir werden sein und wir waren gewesen. Wir werden sein und doch, werden wir bloß sein.
Warum leben wir? Sag es. |
| Heike | Für die Liebe. |
| Jörg: | Für die Liebe. Wir leben für die Liebe. |
| Heike | Dir ist nichts heilig. |
| Jörg | Die Liebe. Was soll mir die Liebe heilig sein. Führt sie doch nur in die Irre. Führt sie doch weg, weg zu uns. |
| Heike | Vielleicht leben wir, um zu lieben. Verstehe doch, Jörg. Ich bin nicht weise, aber verstehe doch, wir leben ganz sicher, um zu lieben, denn wenn wir nicht liebten, weswegen sollten wir dann leben, um zu hassen? |
| Jörg | Um zu hassen, meinetwegen, um zu hassen, das täte der Welt gut, endlich würde ausgesprochen, für was die Mehrheit der Menschen lebt, für das Hassen, für das perverse Hassen, sie hassen den Nächsten, wie den Übernächsten, sie hassen alles, was sich ihnen in den Weg stellt und seien es sie selbst, sie selbst, die sich selbst im Wege stehen. Zum Hassen braucht es nicht viel, kaum ein Grund, ha, Hassen geht auch ganz ohne Grund. |
| Heike | Jörg, wo gehst du hin? |
| Jörg | Ich gehe den Hass suchen, vielleicht verdanken wir unser Leben dem Hass, weißt du. |
| Heike | Warte, ich komme mit, ich komme mit, warte nur. |
Heike und Jörg gehen ab, es kommt ein Alter.
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| Alte | Was redet das junge Volk, habe kurz gelauscht, gerade habe ich versucht, sie zu verstehen, ach, wäre ich weise, ich könnte ihnen Liebe lehren.
Die Weisen sind ausgestorben, so scheint es, ja, die Weisen sind ausgestorben. Ha, wo seid ihr, ihr Penner, ihr Langschläfer. Wo seid ihr, ihr Weisen. Die Welt bräuchte euch und ihr, ihr habt euch abgewandt, nicht einmal zum Abendmahl wollt ihr kommen, ekelt euch wohl, vor dem abendlichen Mahl mit den Menschen. Habt dafür die Ersatzweisen zu uns gesandt. Klug genug, um zu erkennen, was richtig ist und um zu sagen, was ihnen am meisten nützt. Ha, nützlich sind uns diese Weisen. Vielleicht sollten wir sie verjagen, durch das Fallbeil jagen, vielleicht kämt ihr dann, dann wieder zurück, 100000 schlachteten wir, hätten euch einen roten Teppich ausgelegt. Einen roten Teppich. Den besten von allen roten Teppichen. Was wollt ihr mehr? Soll ich mein Kind unters Messer legen? Wollt ihr das. Und hieße ich Abraham, so hätte ich es bereits getan und Gott hätte es nicht von mir verlangt. Was wollt ihr? |
Ein Bestatter mit einer Gruppe gut schwarz gekleideter Menschen erscheint.
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| Best.1 | Das wäre also unser Premiumsegment.
Habe ich ihnen zu viel versprochen? Bestes Holz aus dem Regenwald, hält ewig, das bleibt bis zur Auferstehung, da verspreche ich bestimmt nicht zu viel. Der X5B ist vollkommen von Hand gefertigt -Handarbeit-, das Holz, fünf Mal geschliffen, fünf Mal grundiert, fünf Mal lackiert und fünf Mal poliert, feinste Handarbeit. Ja, überzeugen sie sich ruhig, streichen sie mit der Hand über den Lack, glatt wie ein Kinderpopo, eine umwerfende Qualität. Dazu die Beschläge, alles Platin, das edelste Metall der Welt, wie sie ja wissen. Ja, der X5B ist unser Prunkstück, da fühlt sich der Mensch wie im siebenten Himmel, genau das rechte für ihren Herrn Papa. zustimmendes Lächeln der Gruppe der Sarg dreht sich automatisch nach oben, so daß er Kopf steht und der eine Sargdeckel geht auf Schauen sie nur die Innnenausstattung, das ist keine Seide, sondern Weltraumtechnologie, die neueste Errungenschaft der Wissenschaft. Es schaut aus wie Seide, fühlt sich an wie Seide, ist aber keine Seide. Es ist unbrennbar, unzerrottbar, der Hersteller gibt eine Grantie von 1000 Jahren auf die Unzerrottbarkeit des Materials. Es hält jeden Chemieangriff aus, Atombomben sind auch kein Problem, und dabei ist es atmungsaktiv, und sorgt damit für eine natürliche Luftzirkulation im Sarg, denn sie wissen schon, äh, der Leichnam, äh, ihr Papa soll ja nicht, sie wissen schon. Gut. |
| Nr.1 | Was wissen wir schon. |
| Best.1 | Darf ich es sagen?
schaut in die Runde, zustimmendes Nicken. Gut, junger Herr, ihr Herr Papa soll doch ganz natürlich seinen Weg nach dem Tode gehen. |
| Nr.1 | Er soll also zerrotten. Warum sagt er es nicht? Wobei ich nicht glaube, daß der verrottet, der ist einfach viel zu zäh dafür. |
| Nr.2 | Junge, wie redest du von deinem Vater, er ist doch gerade erst verstorben. |
| Nr.1 | So wie ihr stets über ihn geredet habt, als er noch lebte. |
| Nr.3 | Gut, wir nehmen diesen Sarg, äh X B |
| Best. | Unser Premiumsarg X5B darf es also sein.
Zustimmendes Nicken. Wie ich es mir gedacht habe. Meine Herren und Damen, ihr Geschmack adelt sie. |
Gruppe geht wieder, vom Bestatter angeführt.
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| Alte | Der Sarg X5B, pah, so weit sind wir gekommen, zum Sarg X5B, handgefertigt, fünf Mal lackiert, glatt wie ein Kinderpopo, mein Gott, wo leben wir, was ist uns wichtig, wo werden wir leben? Wo werden wir leben? Was ist uns wichtig. Ein Sarg? Leben wir, um gut begraben zu sein? Hätte ich den Stein des Weisen gefunden, ich würde mit ihm den Sarg X5B zertrümmern, einfach so zertrümmern, wahrhaftig, ich würde ihn zertrümern. Wie er dasteht, aufgeplusterter Hahn. Weltraumtechnologie! Vielleicht besteht der Stein des Weisen auch aus Weltraumtechnologie, einem Asteoriden oder so, egal.
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2. Bestatter erscheint mit weiterer Gruppe.
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| Best.2 | Hier steht unser Meisterstück, der X5B, aber, meine Damen und Herren, ich glaube, ich habe für sie mit unseren phantastischen Eichensärgen ein besseres Angebot, original handgefertigt von den Chinesen, steht dem X5B kaum nach. |
| Nr. 1 | Wir haben uns aber bereits für den X5B entschieden. |
| Nr. 2 | Ja, Papa wollte unbedingt in einen X5B bestattet werden, das hat er im Testament so festgelegt. |
| Nr. 3 | Ja, könnten wir nicht das Platin durch Silber ersetzen, das sieht doch keiner und der X5B wäre dann genau das Richtige für uns. |
| Nr 1. | Ja, geben sie sich einen Ruck, machen sie die Beschläge aus Silber und wir nehmen den X5B. |
| Best.2 | Meine Damen und Herren, der X5B ist der X5B, den können wir nicht einfach abändern, das ist unser absoluter Höhepunkt das NonPlusUltra der Bestattungstechnik. |
| Nr. 1 | Wie wäre es mit einem Golf? Und wir werden uns handelseinig und wenn sie statt der Weltraumseide normale Seide nehmen, mein Gott was kostet ihnen das? Dann wäre sogar ein Audi drin, den können sie sich gleich morgen bei uns im Autohaus aussuchen. |
| Best.2 | Ich darf sie bitten, wir sind ein seriöses Bestattungsunternehmen. Entweder sie nehmen den X5B so wie er ist oder ich kann ihnen nicht weiter helfen. |
| Nr.2 | Sie haben keine Rabattmöglichkeiten? Mama würde sich dann bei ihnen auch im X5B äh, in dem chinesischen Sarg. |
| Nr.3 | Kind, du bist die geborene Verkäuferin, das hast du von deinem Vater. Ja, was halten sie davon, Herr ... , egal, sie geben uns einen Rabatt, wenn ich mich auch von ihnen unter die Erde bringen lasse. |
| Nr. 2 | Und ich auch, selbstverständlich. |
| Nr. 1 | Ich ziehe nach. Ich unterschreibe alles, sie haben mich bereits so gut wie in der Kiste. |
| Best.2 | Mit Sterbeversicherung, Grabstein, nein, Mausoleum und Grabpflege, ja?
zustimmendes Nicken gut, das könnte gehen. |
| Nr. 3 | Na bitte. |
| Best. | Wollen sie sich den X5B noch einmal genauer anschauen? |
| Nr. 3 | Nein, das genügt uns. Wo steht eigentlich X5B dran, an dem Sarg? |
| Best. 2 | Wenn sie es wünschen, können wir eine goldene Binde um den Sarg legen in der ganz dezent, beinahe wie ein Hologramm, X5B, steht. |
| Nr. 3 | Ja, darum bitte ich, das bin ich meinem Mann schuldig, der Arme, stirbt einfach so, aber er soll einen ordentlichen Sarg bekommen, den X5B. Martha, sagte er immer, original, so sagte er, Martha, wenn ich mal nicht mehr bin, dann kommt für mich nur der X5B in Frage. Ich dachte zuerst, daß sei eine Automarke, bis er mich aufklärte, daß es das Weltspitzenprodukt in Sachen Sarg darstellt und das bei uns, gleich um die Ecke, da mußte ich ihn doch herbringen. |
| Best.2 | Gut, dann wollen wir ihm den Wunsch erfüllen, soll er den X5B bekommen. Wenn Sie mir bitte folgen würden, für alles Schriftliche. |
Gehen hinaus. Kurz darauf erscheint die Putzfrau.
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| Putzfr. | Was für ein Gewese um den eenen Sarg, stellen ihn wie ein Heiligtum aus. Ein riesiger Raum für einen einzigen Sarg und keiner denkt dabei an die Putzfrau, die den Raum sauber halten muß. Hätte er nicht ein wenig kleiner sein können?
Vor diesem blöden Sarg hatte ich genau drei Stunden Zeit zum Putzen aller Räume, plus Toiletten und Totenraum. Drei Stunden. Jetzt haben sie diesen Raum hier angebaut, und ich habe keine Minute mehr Zeit zum Putzen. Egal, dann fege ich eben nur ein bißchen herum, mal hier mal da, gut, und fertig. Jetzt noch der Sarg, Staub wischen. Ein bißchen hier, ein bißchen da, fertig, schließlich habe ich noch die anderen Räume zu putzen. X5B, so nennen sie dieses Ding, das NonPlusUltra, sagen sie. Gibt es denn keinen einzigen auf dieser Welt, der denen erklärt, daß die Unsinn treiben? |
| Alte | kommt aus seine Ecke hervor Das frage ich mich auch, gute Frau. |
| Putzfr. | Wo kommen sie denn her? Habe ich mich erschreckt. |
| Alte | Ich kam durch diese Tür dort. |
| Putzfr. | Klar, der Hausmeister hat wieder die Tür offen stehen lassen. Äh, betteln und hausieren ist hier verboten. |
| Alte | Was sie nicht sagen. |
| Putzfr. | Nun verschwinden sie schon, oder ich rufe die Polizei. |
| Alte | Was für eine weise Entscheidung. |
| Putzfr. | Auch noch frech werden, sie. |
| Alte | Wollen wir uns nicht wie zivilisierte Menschen unterhalten? |
| Putfr. | Welch verkehrte Welt, der Einbrecher verlangt nach Zivilisation. |
| Alte | Ein wenig würde mir bereits genügen. |
| Putzfr. | Schauen sie sich den Sarg an, den X5B, wie soll hier Zivilisation gedeihen, wo für Menschen bessere Särge gebaut werden, als Hütten für die Armen. |
| Alte | Und sie finden das verkehrt? |
| Putzfr. | Ja. |
| Alte | Warum? |
| Putzfr. | Sie können Fragen stellen. Das liegt doch auf der Hand, hier wird Geld für den Tod vergeudet, welches woanders Not beseitigen könnte. |
| Alte: | Und Jesus sagte, sie hat richtig an mir getan, denn die Armen werdet ihr immer haben, mich aber nicht. |
| Putzfr. | Alter, was schwafelst du da? |
| Alte | Das ist schon lange her, beinahe ewig, da wurde ein Mann Namens Jesus von einer Frau mit teurem Öl eingerieben und seine Jünger waren erbost, sie wollten das Öl lieber verkaufen, damit sie den Armen helfen könnten. |
| Putzfr. | Recht hatten sie. Den Armen hätte es mehr geholfen, er wäre so oder so gekreuzigt worden. |
| Alte | Ja, was ist wichtig? Wofür wird das Geld ausgegeben? Das ist die große Frage. Und kein Weiser in der Nähe, der die Frage beantworten könnte, hätte Jesus nun so oder so handeln sollen, was wäre richtiger gewesen. |
| Putzfr. | Wer wenn nicht ihr, sollte weise sein, so uralt, wie sie scheinen. |
| Alte | Wenn es nur das Alter wäre. Wenn alles Alte automatisch weise wäre, die Menschheit würde weiser und weiser und weiser.
Es ist nicht das Alter. Es ist da etwas anderes, da draußen, etwas was uns Weisheit schenkt, wie ein Gabe. |
| Putzfr. | Die einen haben es und die anderen nicht, meinen sie, Alter? |
| Alte | Wenn es nur so wäre. Ich täte Freudensprünge vorführen, hoch und höher, höher. Nein, dem ist nicht so, ich sehe keinen, der weise ist. |
| Putzfr. | Ich sehe sie, Alter, sie, sie sind es doch. |
| Alte | Wenn ich es nur wäre. Ich bin alt und ich sehe einiges, was andere nicht sehen, aber bin ich deshalb weise, nein. König Salomon war weise. |
| Putzfr. | Wer ist schon Salomon, sie sind weise. Wirklich weise, ich sehe es an ihre Augen, sie schauen, wie nur weise Augen schauen können, so als hätten sie alles gesehen und dennoch wollten sie nicht wegschauen. |
| Alte | Ha, ich bin ein Jammerlappen. Ich kann nichts bewirken. Das Leben, ich kann es nicht verändern, ich kann es schauen, mehr nicht. Wer will schon weise sein, denn weise sein bedeutet doch nur, ein Märtyrer zu werden, einer, der von den anderen ausgestoßen, umgebracht wird, weil sie gar nicht hören wollen, was er zu sagen hat. Weil sie ihn nicht hören wollen Weil sie lieber taub wären, als ihn hören zu müssen. Weil die Weisheit längst abgeschafft ist, existiert nicht mehr, eine ausgestorbene Art und wenn dann doch das letzte Exemplar eines Weisen gefunden ist, so landet es im Zoo oder als Präparat für eine Ausstellung im Naturkundemuseum. |
| Putzfr. | Sie Ärmster. |
| Alte | Nicht ich
ICH nicht ich. Ich bin es nicht, um den es geht, ich bin bloß ich, nicht mehr, mehr nicht, ich müßte du sein, um mehr sein zu können, als ich und dann würde ich dennoch nicht zumWir finden. |
| Putzfr. | Alter, was redest du nur, erst dachte ich, du seiest ein Landstreicher, dann, du seiest ein kluger Mensch, sodann gar ein weiser und jetzt weiß ich nicht mehr, was ich von dir halten soll, ich glaube, du gehörst in ein Irrenhaus. |
| Alte | Klar, ins Irrenhaus gehört alles, was sich anmaßt, weise sein zu wollen. |
| Putzfr. | Entschuldige, Alter, es war nicht so gemeint, nicht so gemeint. |
| Alte | Und du, du scheinst nicht auf den Kopf gefallen, wie man sagt, wenn man jemanden für klug hält, der nicht unbedingt klug sein müßte. |
| Putzfr. | Ich und klug? Ich bin bloß eine Putzfrau. Klug genug, um ordentlich putzen zu können, Dreck von anderen Dingen zu unterscheiden. |
| Alte | Was redest du bloß. Du bist klug und du mußt das einsehen, denn die Klugen müssen nach der Weisheit streben, wer soll es sonst tun? |
| Putzfr. | Wenn ich klug wäre würde ich nach einem guten Job streben. Ich würde studieren, Ärztin oder Medizinprofessorin werden, vielleicht sogar Bundeskanzlerin, wenn ich dann nicht gleichzeitig Verbrecherin werden müßte, wenn das damit nicht einhergehen würde, zwangsläufig, sozusagen. |
| Alte | Wenn du klug wärest, sagst du, du bist aber klug und warum hast du dennoch nicht studiert, hättest Ärztin werden können, zumindest Ärztin. |
| Putzfr. | Wer drei Kinder hat, der fragt nicht danach, was er studieren könnte, nein, der muß die Kinder erst einmal groß bekommen, groß bekommen, verstehst du, Alter, und jetzt laß es gut sein, geh wieder dorthin, wo du hergekommen bist, rührst in mir alles Mögliche wach, was längst schlief, mich nicht mehr beunruhigte. Ich sollte studieren. Mein Gott, das Leben hatte etwas anderes mit mir vor und es fragt nicht stets nach den eigenen Wünschen. Liebes Mädel, was hättest du denn gerne, ein kleines Studium da und dort, nein, es fragte nicht, es schenkte mir das erste Kind und dann das zweite, das dritte. Ich sollte studieren, ha, ich bin studierte Reinigungskraft, ich weiß alles über das Reinigen und, ich weiß vor allem alles über Menschen, die eine Reinigungskraft beim Arbeiten beobachten. |
| Alte | Vielleicht bist du doch weise. |
| Putfr. | Ha, ich und weise, hätte ich dann drei Kinder von drei Vätern, nein, ganz bestimmt nicht. |
| Alte | Wer sagt denn, daß die Weisen perfekte Menschen seien, ja, dass sie selbst ein perfektes Leben führen würden? König Salomon soll Frauen und Frauen gehabt haben, ja, womöglich war er besonders wollüstig, und doch war er weise. |
| Putzfr. | Erzähle mir nichts von Salomon, Alter, wenn das stimmt, was du sagst, dann war er nicht weise. |
| Alte | Warum nicht? |
| Putzfr. | Wenn die Weisheit nicht vor der eigenen "Wollust" schützt, zu was sollte sie dann nütze sein? |
| Alte | Vielleicht dürfen Weise auch irren, zumindest wenn sie Menschen sind. |
| Putzfr. | Vielleicht sind Weise gar nicht weise, weil sie Menschen sind. |
| Alte | Vielleicht gibt es Weisheit unabhängig vom Menschsein, vielleicht kann der größte Verbrecher weise sein und der beste Mensch so wenig weise wie ein Bündel Stroh. |
| Putzfr. | Vielleicht sollten wir nicht weise sein, sondern einfach bloß menschlich. |
| Alte: | Vielleicht kann der Mensch nur dann ein Mensch sein, wenn er weise ist. |
| Putzfr. | Vielleicht leben wir auch ohne Weisheit gut, ja sehr gut, denn wenn sie uns nicht vor unser Verderben schützt, dann müssen wir uns selbst schützen. |
| Alte: | Sage, wie würdest du entscheiden, gesetzt der Fall, du wärest Richterin und müßtest folgenden Fall entscheiden, zwei Nachbarn wohnen durch einen Maschendrahtzaun getrennt, aber der Zaun schafft keinen Frieden, sondern nur Streit. |
| Putzfr. | Der Streit wäre leicht zu lösen, baute man den Maschendrahtzaun ab, gäbe es keinen Grund zum Streiten, täten sie sich dennoch streiten, so geschähe dieses grundlos, und wo es keinen Grund gibt, da ist jede Klage erfolglos. So wäre das Gericht machtlos, allein die Zeit mag dann richten, denn die Zeit ist der beste Richter. |
| Alte | Du bist es doch, du bist weise. |
| Putfr. | Alter, frage zehn Putzfrauen, was du mir soeben gefragt hast und neun von ihnen werden das Gleiche antworten. |
| Alte | Warum diese Bescheidenheit? |
| Putzfr. | Ich muß, mein Gott, ich muß, die anderen Räume warten auf mich, schaut auf die Uhr, oh Gott, bloß noch 5 Minuten, dann muß ich fertig sein, was habe ich bloß Zeit mit dem Schwätzen verbracht, ein geschwätziger Mensch kommt niemals zu etwas, es sei denn, er wird für sein Schwatzen bezahlt, Schauspieler müßte ich sein, ich wäre Hunderttausenderin, vielleicht sogar Millionärin, wenn ich Julia hieße und dazu vielleicht Roberts. Schauspieler müßte man sein, die bekommen für jedes Wort, daß sie sagen ein paar tausend Euro, hörst du Alter, ein paar tausend Euro für jedes einzelne Wort. Du sagst "scheiße" und schon kannst du 1000 Euro einstreichen. Gut, ne gute Mimik mußt du auch dazu machen, so etwa verzieht das Gesicht scheiße, oder so, scheiße, oder so, scheiße, oder dabei hinlegen, scheiße, knien scheiße, vielleicht auch mal weinen, versucht zu weinen, gut, das müßte ich üben, aber lachend scheiße sagen, das kann ich, etwa so: scheiße.
Ne gute Mimik und ne gute Sprache, Hochdeutsch. Dann der richtige Name, und es gibt 1000 Euro pro Wort, egal, was man sagt, von A wie scheiße bis Z wie Himalaya, alles für 1000 Euro. |
| Alte | Schade, du wärest eine gute Weise gewesen, als Schauspielerin vergeudest du all dein Talent zur Weisheit. |
| Putzfr. | Sage nur, ich taugte nicht zur Schauspielerin, Alter. |
| Alte: | Es scheint, du taugst zu allem und daher zu gar nichts. Das ist wie mit einem Wort, das alles bedeuten kann, ein Wort, das alle Wörter ersetzen könnte, es taugte dennoch nicht zur Verständigung, bedeutete aber das Wort Scheiße wirklich nur Scheiße, so wäre es ein sehr gut zu gebrauchendes Wort. Wird Scheiße jedoch nicht bloß für diese braune aus dem After kommende Masse verwendet, sondern auch im Sinne von s c h l e c h t, so wird alles bereits ein wenig komplizierter. Sagt dann aber eine Frau zu ihrem Mann Scheißkerl und küßt ihn dabei, dann mag sie ihn sagen wollen, daß sie ihn liebt und alles wird noch verrückter. |
| Putzfr. | Deswegen gehört den Einfältigen die Welt. |
| Alte | Deswegen geht die Welt an der Einfältigkeit zu Grunde. |
| Putzfr. | Du meinst, die Welt geht an sich selbst zu Grunde, klug, du meinst also, die Welt braucht das Einfältige und gleichzeitig wird sie durch die Einfältigkeit zu Grunde gehen, das nenne ich eine verzwickte Philosophie. |
| Alte: | Mein Gott, es ist gleich zwölf. |
| Putzfr. | Scheiße, ich sag einfach, daß ich den X5B besonders putzen mußte, egal, blöder Sarg. |
| Alte | Nun geh' schon, kommst ja morgen wieder. |
| Putzfr. | Du bist mir gut, Alter, mich zum Gehen auffordern, dabei gehörst du nicht her, du müßtest gehen, zumindest vor mir gehen. Am besten, durch diese Tür, dort hinten, durch die du gekommen bist. |
| Alte | Egal, wer von uns beiden zuerst geht, einer von uns beiden muß gehen, sicherlich zuerst gehen, gleichzeitig können wir kaum gehen, höchstens rein zufällig, denn wir müßten auf die Sekunde genau durch die Tür gehen, sie durch ihre, ich durch meine, wie soll das gehen? Bloß der Zufall könnte es geschehen lassen. |
| Putzfr. | Alter! Ich glaube es nicht. Aus der kleinsten Angelegenheit machst du noch etwas Kompliziertes. Erstaunlich. |
| Alte | Das ist mein Dilemma, ich mache alles Einfach kompliziert und das Komplizierte einfach. Dieses Schicksal begleitet mich bereits mein ganzes Leben. Entschuldige, gehe du einfach zuerst, ich folge dir dann durch die andere Tür. |
| Putzfr. | Alter, wie wunderlich du bist. Meinetwegen, machen wir es so, ich habe weder die Lust noch die Zeit, lange mit dir darüber zu beraten, ob du nun zuerst gehst oder ich oder wir beide gemeinsam zugleich gehen |
| Alte | Kommst du morgen wieder, so könnten wir unser Gespräch fortführen? |
| Putzfr. | Ich bin jeden Tag in der Woche hier, wirst mich schon sehen, wenn du willst, aber der Hausmeister wird sicherlich heute Abend die Tür verschließen, dann kommst du morgen nicht herein. |
Die Tür zum Geschäftsraum geht auf, Bestatter Nr.1 erscheint mit einer weiteren Trauergruppe.
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| Best.1 | zischt der Putzfrau im Vorbeigehen zu Was suchen sie denn noch hier, nun gehen sie schon. Putzfr. verschwindet, der Alte versteckt sich in seiner Ecke |
| Nr.1 | Der Tod hat sie viel zu früh ereilt, Gott habe sie selig. |
| Nr.2 | Mutter, nun laß, wir müssen den richtigen Sarg aussuchen. |
| Nr.1 | weinend so früh |
| Best.1 | Werte Frau, darf ich ihnen ein Taschentuch reichen, gibt ihr umständlich ein Seidentüchlein |
| Nr.1 | Danke, besten Dank, sie sind so aufmerksam. |
| Best.1 | Ja, das überwältigt uns immer am meisten, wenn ein junger Mensch sterben muß. |
| Nr.1 | So jung war sie nun auch wieder nicht, nur so früh ist sie verstorben, um 04:00 Uhr in der Früh, ich hatte alle gerufen, sie wollten alle kommen, am nächsten Morgen, sich von ihr verabschieden, und sie stirbt so früh, sie müssen wissen, sogar ihr Bruder wollte kommen, mit dem sie sich vor zwanzig Jahren gestritten hatte, zu spät, er kam zu spät, um 08:00 Uhr lag sie da, in ihrem Bett, grußlos begrüßte sie all die Gekommenen, es war zum Heulen, nein, so einen Tod hatten wir nicht verdient. |
| Best.1 | Gott allein kennt unsere Wege. |
| Nr.1 | Ja, wie blind torkeln wir und plötzlich sind wir tod, ohne Abschiedswort, Tschüß hätte sie sicher gesagt, das wars dann oder so, vielleicht auch einfach nur hmh, wie Großmutter, damals, einfach nur hmh um punkt 08:00 Uhr, pünktlich, sie schaute dabei so zufrieden aus, hmh, sie seufzte hmh. Und von ihr? Von ihr haben wir gar nichts, kein Wort, kein letztes Wort. |
| Nr.3 | Frau, nun laß es gut sein, wir müssen den Sarg aussuchen. |
| Nr.1 | Nun laß mich doch, gut, wir suchen ihr einen Sarg aus, auch wenn sie einfach so gegangen ist, nicht einmal das Abschiedswort hat sie uns gegönnt. |
| Nr.2 | Mama, laß sie in Frieden ruhen, bitte, laß sie. |
| Nr.1 | Sie war eine Hexe. Ganz bestimmt, dieser Blick. |
| Nr.3 | Entschuldigen sie, das sagt sie immer von ihrer Schwester, dabei waren sie wie Zwillinge. |
| Nr.1 | Was soll es, kommen wir zum Sarg, steckt das Taschentuch ein. Das ist also der berühmte X5B, von dem meine Schwester immer so geschwärmt hat. Das ist er also, für den wir die gesamten Ersparnisse hergeben sollen, dazu das Haus verkaufen müssen, nur damit wir ihren Anteil vom Haus in diesen Sarg stecken können. Welch teufliches Vergnügen muß es ihr bereitet haben, sich so etwas auszudenken. |
| Nr.2 | zum Bestatter gerichtet Sagen Sie mal, ist der, äh, X5B derzeit überhaupt lieferbar? |
| Best.1 | Wir garantieren, daß unser X5B innerhalb von 14 Tagen zur Verfügung steht, das sind wir unseren Kunden schuldig. |
| Nr.2 | Was ist denn eigentlich das Besondere an dem Sarg? |
| Best.1 | Junger Herr, unser X5B ist absolut handgefertigt, vom Nagel bis zur Weltraumseide, alles handgefertigt und von deutschen Ingenieuren, deutschen Innenarchitekten und deutschen Designern entwickelt, ein Team von 24 Mitarbeitern hat ihn innerhalb von 24 Monaten in 24 Teilschritten ersonnen. Er ist das Optimum an neuzeitlicher Begräbniskultur, vergessen sie die Pharaonen, die Inkas und die Steinzeitmenschen sowieso, das, was sie hier vor sich stehen haben, gab es zuvor noch nie auf dieser Welt, das Ergebis, der X5B, könnte leicht das neunte Weltwunder genannt werden, wenn es denn nicht unsere Pietät verbieten würde. |
| Nr.2 | Wow, und die technischen Daten? |
| Best.1 | Wir haben hier zehn Festmeter Tropenholz verarbeitet, nur die besten Teile des Holzes wurden verwendet, der Lack wurde im Weltraum in der Schwerelosigkeit angefertigt, die Weltraumseide ist quasi unbezahlbar und sie sehen hier zwanzig Kilo Platin verarbeitet. |
| Nr.2 | Wow, da hat sie sich aber was Geiles ausgesucht. |
| Nr.1 | Junge, verstehst du nicht, sie hat uns quasi enterbt, und nicht nur das, wir müssen sogar das Haus verkaufen. |
| Nr.2 | Das werden wir schon verkraften. |
| Nr.3 | Dein Sprachurlaub ist erst einmal gestrichen. |
| Nr.2 | Geil. |
| Nr.3 | Zum Abitur gibt es keinen Golf, tut mir leid, wir müssen erst einmal die Finanzen regeln. |
| Nr.2 | Ha, wozu lebe ich noch, Herr Bestatter, sie können mich gleich hier unter die Erde bringen, was soll ich weiter leben, ich bin quasi tod, alle Kumpels wissen, daß ich einen GTI bekommen soll. |
| Nr.1 | Junge, ein VW Polo muß reichen. Bedanke dich bei deiner Tante. Diesem Miststück. |
| Nr.2 | Können wir das Testament nicht anfechten. |
| Nr.3 | Junge! |
| Nr.2 | Ja, können wir es nicht anfechten. |
| Nr.3 | Junge, wir sind hier beim Bestatter, leise, das haben wir längst getan. |
| Best.1 | Gut, wollen sie Weiteres zu unserem Prunkstück wissen? |
| Nr.2 | Nein, das genügt uns, wissen sie, es gibt noch einige rechtliche Probleme, in einer Woche entscheidet sich, ob wir einen vernünftigen Eichensarg bestellen, oder doch diesen X5B, bis dahin werden sie die gute Frau sicher aufbewahren können, oder? |
| Best.1 | Das soll uns das kleinste Problem sein. |
Bestatter Nr.1 begleitet die Gruppe hinaus.
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| Alte | Und kehren wir zurück, so sind wir bloß und frei von allem Irdischen, schauen das Angesicht Gottes und schauen uns selbst, uns selbst. Uns wird bewußt, wer wir sind, woher wir kamen und wohin wir gehen werden.
Das Leben läßt uns, uns im Unwissen, im Unwissen nach dem Nichts streben, dem Irdischen. Alles, alles, alles rennt dem Irdischen nach und es scheint das höhere Gesetz, daß w ir dem Nichts nachrennen, ja, dem Irdischen. Und verheißt es uns etwa nicht das Glück, das Glück auf Erden. Wie groß sind wir? Ein Sandkorn im All, unser Sternensystem ein Nichts unter dem Vielen, ein Windzug und wir sind weg und dennoch halten wir uns fest, an dem, was wir erwerben können, an dem Nichts. Das Eigentum wird geschützt, ist ein höheres Gut als das Seelenheil. Das Seelenheil ist ungeschützt, durch kein einziges Gesetz geschützt. Und doch, das Einzige was wir mitnehmen können ist die Seele, die Seele, die Seele. Sie ist es, warum wir sind, wir waren und sein werden. Warum ist die Welt so wie sie ist? Damit wir nicht zugrunde gehen, an unser Seelenheil? Vielleicht ist es wichtiger, ein Haus zu besitzen, als ein ruhiges Gewissen?
Und doch, die irdischen Dinge erscheinen uns so wichtig, daß sie plötzlich wichtig sind, tatsächlich wichtig sind, als könnten wir diese Dinge mitnehmen und vielleicht können wir es ja und vielleicht müssen wir die Dinge lieben, denn Gott hat sie erschaffen, ja, vielleicht müssen wir die Dinge, die Dinge, das, das und das (zeigt auf Dinge) lieben, denn Gott hat in ihnen all seine Liebe gesteckt. Laßt uns die Dinge lieben, denn lieben wir die Dinge, so lieben wir Gott und lieben wir Gott, so wird er uns lieben und er wird unsere Seelen erretten. Oder ist alles nur Schein? Gemacht, um uns zu verwirren, auf die Probe zu stellen? Auf die Probe zu stellen? Vielleicht ist die Wirklichkeit verdeckt, von all den Dingen, vielleicht müssen wir sie beiseite räumen, um das wirklich Wichtige erkennen zu können? |
Jörg erscheint wieder durch die offene Tür.
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| Jörg | leise immer lauter redend
Ich bin ausgezogen das Hassen zu ergründen und habe es bei den Liebenden gefunden. Bei den Liebenden, als sei der Hass das unabdingbare Spiegelbild der Liebe. Nur wer liebt, der haßt auch. Hassen, etwas ohne Grund verabscheuen, etwas abgrundtief verabscheuen und bereit zu sein, alles, auch alles Böse zu tun, um das, was man verabscheut zu vernichten. Treibt uns der Hass? Ist das der Treibstoff, der uns zum Leben treibt? Ist es der Hass, der uns lehrt, böse zu sein, ohne dabei das Böse als böse zu empfinden? Gott, nun sage schon, gebe Auskunft, ist es der Hass, der aus uns Ungerechten Gerechte macht, der uns den Eifer gibt, den wir benötigen, um zu tun, was gerecht sein soll. Lieber würde ich lieben, die eine und die andere Wange hinhalten, gleichmütig staunend über die Menschen, die das ausnutzen und dennoch sie liebend, sie liebend. Vielleicht ist ja ein Gerechter unter ihnen, ein unerkannter Gerechter, der uns das Dilemma des Zusammenbruchs der Welt ersparen kann, vielleicht genügt dir, Gott, ja ein einziger Gerechter. Ich muß ihn nur finden und dir bringen, damit du dich überzeugen kannst. Gott, zeige dich, zeig dich endlich, denn ich möchte dich sehen, das bist du mir schuldig. Er zeigt sich nicht, zeigt sich bloß in den Dingen, die er geschaffen hat, in dem Kraut genau so wie dem Unkraut, den Hassenden und den Liebenden, den Gerechten und den Ungerechten. Mensch Gott, du hast das alles geschaffen, nun sage, gebe mir Bescheid, warum du auch das Ungerechte geschaffen hast? Hätte das Gerechte nicht genügt, und sage, führt das Hassen genau so sicher zu dir wie das Lieben? Er antwortet nicht, antwortet nicht, alles geht dem Ende zu und er schweigt, ist der große Schweiger, ich werde mal eine Zigarette rauchen, in der Zeit kannst du ja überlegen, ob du nicht doch antworten willst, wenn du bis dahin nicht gestorben bist, denn auch das Passivrauchen soll schädlich sein, gar tödlich, nicht dass ich dich umbringe, ha ha ha, Gott. Kniet nieder, betet. murmelt dabei |
| Alte | Guten Abend, der Herr, hören sie nicht, Guten Abe... |
| Jörg | Ich dich hören,? Ja, ich höre dich, Gott, du bist also gekommen. Was für eine alte und doch so feste Stimme. Ich darf dich sicherlich nicht sehen. Habe keine Angst, ich werde nicht aufschauen, wenn du mir sagen würdest, wo die Gerechten geblieben sind und wo ich sie finde, damit sie uns den rechten Weg zeigen.
Hörst du? Hörst du nicht? Bist du etwa schon wieder weg? Mein Gott, laß mich nicht allein, so sprich doch weiter. Hörst du nicht? Warum sagst du nichts? Spielst mit mir, spielst mit mir einfach. Sag was. Sag ... |
| Alte | Ich bin kein Gott. |
| Jörg | Gott, was bist du dann, dann? |
| Alte | Ich bin der Alte. |
| Jörg | Sicher, sicher, du bist der alte Gott, den bereits Moses huldigte, ja? |
| Alte | Wie gern würde ich dich frohlocken sehen, nein, ich bin bloß der Alte, ein Mensch, mehr nicht, ein Mensch, ein alter Mensch. |
| Jörg | schaut auf, sieht den Alten jetzt Warum veralberst du mich, Alter, hättest du nicht gleich sagen können, daß du kein Gott bist? |
| Alte | Ich habe das gar nicht gesagt, du dachtest bloß, ich hätte es gesagt. |
| Jörg | Alter, was suchst du hier? |
| Alte: | Was suchst du hier? |
| Jörg | Der Hausmeister hat mir extra einen Schlüssel gegeben, weil es draußen so kalt ist, wollte nicht, daß ich erfriere, draußen und meine Heike, sie sollte auch nicht erfrieren. Und du? Was suchst du hier? |
| Alte | Die Tür stand offen. |
| Jörg | Mist, ich habe wohl vergessen, sie abzuschließen. |
| Alte | Egal, jetzt bin ich hier, bei dir, und wo zwei übernachten können, da findet sich auch ein Plätzchen für den Dritten. |
| Jörg | Das geht nicht, Alter, der Platz ist reserviert, für mich und
Heike. Wo bleibt sie nur. Sonst ist sie doch stets so pünktlich. Alter, was legst du dich hin. Auf Auf Auf, hurtig und raus, fort mit dir, ich mußte dem Hausmeister versprechen, daß ich keine weiteren Menschen herein lasse. |
| Alte | Du hast dich aber. Mein Gott, das hätte ich nicht gedacht, du hast dich so, als seiest du der Eigentümer dieses illustren Raumes. |
| Jörg | Mach dich nur lustig, Alter, mach dich nur lustig, du wirst schon sehen.
laut ich kann dich nicht hier gebrauchen, denn erfährt es der Hausmeister, so bin ich mein Quartier los, verstehst du das nicht? |
| Alte | Vielleicht solltest du mal etwas riskieren. Für dein Seelenheil. Könntest mich ja wenigstens eine Nacht hier an diesem wunderschönen Orte übernachten lassen, einem Ort, beinahe schöner als das Paradies, als das Paradies. Ruhe, sei ruhig, hörst du nicht?, nein? Hörst du nicht den Paradiesvogel zwitschern? |
| Jörg | Du verwirrst mich, Alter. |
| Alte | Ich versuche dir bloß das Paradies nahe zu bringen, damit du dich richtig entscheiden kannst, verschließe deine Augen nicht, wenn du einen siehst, der deiner Hilfe bedarf, weißt du, das ist ganz wichtig, wichtiger als die offene Hand, denn was du siehst, erreicht dein Herz und was dein Herz erreicht, das ist von Dauer. |
| Jörg | Du faselst und faselst Alter, ich
mein Gott, ich will den Schlafplatz nicht verlieren, verschwinde, bei Gott, verschwinde, oder ich drehe dir den Hals um, wahrhaftig, so wahr mir Gott helfe, ich drehe dir den Hals um. |
| Alte | Das ist nicht dein Ernst, du suchst die Weisheit und handelst so wenig edel. |
| Jörg | Edel soll handeln, wer sich das edle Tun leisten kann. |
Heike tritt ein, eine Tüte voller Essen bei sich führend.
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| Heike | Ja, edel sei der Mensch. |
| Jörg | Heike, endlich bist du da. |
| Alte: | Das ist also die Heike. |
| Heike | Wer ist denn das? |
| Jörg | leise zu Heike Er war plötzlich hier, ich kniee nieder und bete zu Gott und plötzlich ist er da. Gekommen durch die Tür, die ich zuvor öffnete. |
| Heike | Wir können ihn nicht hier lassen, wenn der Hausmeister... |
| Jörg | ...Ich weiß, ich weiß, er will aber nicht gehen. |
| Heike | Komm, ich schicke ihn Zigaretten kaufen, dann schließt du hinter ihm die Tür ab. Alter, hörst du. |
| Alte | Ich bin nicht schwerhörig. |
| Heike | Ich habe vergessen Zigaretten zu kaufen, kannst du schnell zum Laden gehen und welche kaufen, in der Zeit bereiten wir das Abendbrot vor. |
| Alte | Du wirst doch nicht hinter mir die Tür abschließen? |
| Heike | Würde ich dir dann zehn Euro mitgeben, hier nimm und kauf dir selbst auch etwas. |
| Jörg | leise zu Heike Du mußt es ja dicke haben. |
| Heike | Wer nichts investiert, der kann auch nichts ernten.
Alter, hier, nimm, den Zehner. |
| Alte | Wenn es denn sein muß, was für eine Marke soll ich denn holen? |
| Heike | Egal, Hauptsache es raucht. |
| Altze | Ich hole die billigsten. |
| Heike | Meinetwegen, nur mach schnell, der Laden ist bald zu. |
| Alte | Ja ja, der Laden, Strittmatter hätte mir sicherlich paar Zigaretten geschenkt, bestimmt.
Gut gut, ich geh ja schon , den Strittmatter kennt ihr ja sowieso nicht, ihr strittmatterfernes Volk. |
Der Alte geht, die Tür ein wenig später leise verschlossen.
|
|
| Jörg | Das wäre geschafft. |
| Heike | Besser ist. |
| Jörg | Er wird frieren. |
| Heike | Selbst dran schuld. |
| Jörg | Er wird erfrieren. |
| Heike | Er wird dorthin gehen, wo er gestern schlief und nicht erfroren ist. |
| Jörg | Und wenn nicht? |
| Heike | Und wenn nicht? Du stellst Fragen,. Wäre es dir lieber, wenn wir uns Quartier verlieren? |
| Jörg | Sicher nicht.
Der Alte, irgend tut er mir doch leid. |
| Heike | Er hat sogar einen Zehner von mir, das genügt für die Notunterkunft. Ansonsten, er hat auch zuvor ohne uns überlebt, so wird er es jetzt auch können. |
| Jörg | Klar wird er es können. Er muß es einfach können. |
| Heike | Ich habe eine Pizza mitgebracht, hat mir der Pizzaladen gegeben, damit ich verschwinde, habe noch ein wenig gewartet, dann hat er mir noch eine Flasche Bier dazu gegeben. |
| Jörg | Hast wohl einen neuen Verehrer gefunden. |
| Heike | Iiieh, Thunfisch. |
| Jörg | Doch kein Verehrer. Nun gib schon her, ich esse Thunfisch, gerne, sehr gerne. |
| Heike | Hier, bitte, esse die Pizza ruhig, ich trinke das Bier, das muß genügen. |
| Jörg | Ich habe noch ein Stück Kuchen, stell dir vor, hat einer weggeworfen, kaum angebissen. |
| Heike | Wie kann er nur. Hmh, schmeckt gut. |
| Jörg | So geht die Welt zugrunde, an der Wegwerfgesellschaft. |
| Heike | Du sagst es, schmeckt die Pizza? |
| Jörg | Hervorragend, zwar nicht mit einem Essen im Adlon zu vergleichen, man will aber nicht meckern. |
| Heike | Ob uns das Adlon so wie wir jetzt ausschauen, noch einmal speisen ließe? |
| Jörg | Du stellst Fragen. Wenn du die richtigen Kreditkarten hast, dann kannst du dort sogar in Badelatschen essen gehen, verstehst du, in Badelatschen. |
| Heike | Und Bademantel. |
| Jörg | Badehaube |
| Heike | Badehose |
| Jörg | Und ich im Bikini. |
Es klopft laut an der Tür.
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| Alte | Nun laßt mich rein. klopft noch lauter Laßt mich rein. |
| Heike | Wir sind gar nicht mehr hier. |
| Jörg | zischt Dummes Ding. Wir sind hier, drinnen, und du, Alter, bist draußen. So ist das Leben. |
| Alte | Ihr könnt mich doch nicht einfach draußen lassen, äh, ich habe eure Zigaretten bei mir. Nun laßt mich rein. |
| Jörg | Alter, behalte die Zigaretten ruhig, wir können dich nicht herein lassen, der Hausmeister, du weißt es, würde es nicht gestatten. |
| Heike | Such dir doch einen anderen Schlafplatz, kennst doch die Notunterkunft, Alter. |
| Alte | Nun seid doch vernünftig, ihr, die ihr die Weißheit sucht, seid doch wenigstens vernünftig. |
| Jörg | Es gibt so viele vernünftige Dinge, Alter, alles kann irgend wann vernünftig sein, sogar das Unvernünftigtse kann vernünftig werden, so ist das im Leben. Und nun geh, suche dir eine andere Unterkunft, sei doch froh, daß dir die Zigraretten bleiben. |
| Alte | Ich bleibe hier, bis ihr mich herein laßt. |
| Heike | Dann kannst du warten, bis du erfrierst. |
| Alte | Liebe Frau, ihr könnt doch nicht so hartherzig sein. |
| Heike | Was heißt hier hartherzig. Ich habe nichts zu verschenken, muß sehen, daß ich selbst durchs Leben komme, nicht wahr, daß ich selbst zurecht komme. Wenn uns der Hausmeister wegen dir die Schlüssel weg nimmt, würdest du ein neues Quartier finden? |
| Alte | Ich sehe keinen Hausmeister, weit und breit keinen Hausmeister. |
| Heike | Laß gut sein, Alter, suche dir eine andere Unterkunft. |
| Jörg | Ja, suche dir eine andere Unterkunft, oder ich komme raus und dann werden wir weiter sehen. |
| Alte | Schon gut, schon gut, wenn das der Weisheit letzter Schluß ist, mein Gott, dann ist es um die Weisheit nicht gut bestellt. |
Der Alte geht hörbar.
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| Heike | leise Er ist wohl gegangen. |
| Jörg | leise Ich glaube, ja. |
| Heike | Er ist gegangen. |
| Jörg | Ja. |
| Heike | Ein komischer Mensch. |
| Jörg | Als ob die Weisheit etwas damit zu tun hat, ihn hier übernachten zu lassen. |
| Heike | Gar nichts. |
| Jörg | Richtig, gar nichts.
Die Weisheit läßt uns weise Gedanken haben, damit wir dem Leben fliehen können. Das kann die Weisheit, sie kann uns fliegen lassen. Zu fernen Welten. Schau nur, nach dem Nimmerland in dem das Nimmer lebt und uns beglückt mit dem Nimmerleben. Das Nimmerland, in das uns die Weisheit führt. Alles was klug ist und doch nicht zu klug, das nicht voraus berechnet ist, das ist der Weisheit geschuldet. |
| Heike | Du bist so klug. |
| Jörg | Klug, klug, klug, pah, klug!
Ich scheiße auf all die Klugheit, weise, w e i s e, hörst du, weise möchte ich sein, was bedeutet all die Klugheit, wenn sie einem nichts nützt, weil alles, was man aus ihr zieht, nicht mitzunehmen ist, verstehst du, nicht mitzunehmen ist, dorthin, wo selbst der Kaiser ohne Körper geht, verstehst du, dort zählt nichts, was hier zählt, dort werden wir uns wie eine Zwiebel fühlen, Schale um Schale gepellt, und alles Tränen und alles Bedauern und alles Vergebung, hoffentlich Vergebung, denn Schluß soll mit all dem Weinen sein, nach dem Pellen. Gott, Vergebung, Vergebung, Vergebung. |
| Heike | Für was, für was willst du Vergebung?, Jörg. |
| Jörg | Vielleicht genügt es, daß er uns wegen des Alten verzeiht, vielleicht genügt das und es muß uns genügen, denn wir können ihm nicht ständig genügen, dafür sind wir zu sehr Mensch, selbst wenn wir wissen, daß wir fehlen, so tun wir es doch nur, weil wir es als Menschen tun müssen, weil es das Menschsein von uns verlangt. |
| Heike | Du bist so klug. |
| Jörg | Aller Dummheit Anfang ist das Denken, man sei klug, nein, ich bin nicht klug, oder, ich bin klug genug, um zu wissen, daß ich nicht klug bin, ein Mensch unter Menschen, einer unter Vielen, einer, der es nicht besser wissen kann, weil er einer von ihnen ist. |
| Heike | Aber du redest so klug. |
| Jörg | Dummes Geschwätz. |
| Heike | Und so bescheiden. |
| Jörg | Weiber. |
| Heike | Du bist so klug, du könntest Manager sein, oder Politiker, wir könnten in einer großen Villa leben. |
| Jörg | Schluß Schluß Schluß, ich will es nicht mehr hören. |
| Heike | In einer großen Villa, |
| Jörg | AUS |
| Heike | Mit großem Garten. |
| Jörg | Wirst du wohl. Leise zu sich: Blödes Weib, ich muß meine Ohren verschließen - |
| Heike | Und natürlich mit Gärtner. |
| Jörg | Es bringt uns nichts, das bringt uns alles nichts. |
| Heike | Und wenn er es uns bringt. |
| Jörg | Du meinst, wenn Gott es uns bringt? |
| Heike | Ja, wenn er es uns bringt. |
| Jörg | Dann bringt es uns auch nichts, denn wir können es nicht mitnehmen und wir müssen es gottgefällig verwalten, verstehst du, wir bekommen zusätzlich eine Verantwortung, die wir jetzt nicht haben, denn Eigentum verpflichtet, verpflichtet uns, es gottgerecht einzusetzen. |
| Heike | Dann lebe ich lieber in einer Hütte, so kommen wir dem Paradies näher. |
| Jörg | Dummes Weib. |
| Heike | Blöder Ochse. |
| Jörg | Entschuldige, es war nicht so gemeint, es ist nur so, wir können es uns nicht aussuchen, bürdet er uns den Reichtum auf, so müssen wir uns dem Reichtum stellen, läßt er uns in Armut leben, so müssen wir uns der Armut stellen. |
| Heike | Und was ist, wenn wir aus eigener Kraft reich werden. |
| Jörg | Das ist das, was wir sehen, die Oberfläche, aber ist es auch die Wirklichkeit? Freiheit!, pah, ein großes Wort zur Kennzeichnung unseres Unwissens. |
| Heike | Angenommen, du machst ein schönes Geschäft, kaufst ein Bild für 50 Euro auf dem Flohmarkt und dann verkaufst du es für eine Million Euro weiter. |
| Jörg | Ja ja ja, das ist doch der Zufall. |
| Heike | Nein, angenommen, du weißt, daß das Bild eine Million Euro wert ist. Dann ist es kein Glück, dann ist es Wissen, Können. |
| Jörg | Und dennoch, ohne Glück, G l ü c k wie du es nennst, also, ohne Glück hätte der Käufer das Bild womöglich gar nicht endeckt oder ein anderer Käufer hätte es kurz zuvor gekauft. |
| Heike | Du drehst es, wie du es gerade brauchst. |
| Jörg | Merkst du nicht, daß es keine eindeutigen Beziehungen gibt, nichts ist eindeutig, du kannst nicht sagen, der Käufer habe es seinem Wissen zu verdanken, daß er eine Million Euro an dem Bild verdient hat, verstehst du, es ist da immer noch etwas anderes, eine Variable, der Zufall, nenne es meinetwegen auch Glück, und doch, jeder darf denken, er habe es seinem eigenen Geschick zu verdanken, wenn er zu Geld gekommen ist, aber ist es wirklich so?, kann er wirklich alle Faktoren selbst beeinflussen und an welchen Faktoren dreht Gott selbst, ja, Gott selbst herum, wo fummelt er herum, ob wir es wollen oder nicht, schließlich kann der Käufer nicht sagen, er wolle nur dann die eine Million verdienen, wenn er es allein seinem Können zu verdanken habe, dann würde er bettelarm bleiben und selbst das, diesen Zustand mag er nicht selbst bestimmen können. |
| Heike | Und wo bleibt unsere Freiheit? |
| Jörg | Ja, wo bleibt unsere Freiheit? Unsere Freiheit besteht darin, zwischen dem zu wählen, was uns zugestanden wird, daß wir es wählen können, ob wir also das Bild kaufen oder nicht, das mag in unserem Bereich liegen, in unserer Autonomie, nicht wahr? |
| Heike | Was soll ich jetzt noch verstehen? |
| Jörg | Ganz einfach, jeder Mensch darf an seinem Glück schmieden, aber was für einen Hammer, Amboss und Eisen er bekommt, das mag nicht in seiner Macht zu liegen. |
| Heike | Ich möchte jetzt schlafen. |
| Jörg | Schlafe nur, ich singe dir ein Lied:
Wenn der Mond sich zeigt am Himmel magst du reiten auf einem Schimmel durch das weite Leben durch das weite weite weite magst du reiten auf dem Schimmel durch das weite Leben. |
| Heike | Singe doch weiter. |
| Jörg | Mir fällt kein weiteres Wort ein. |
| Heike | Schlaf gut. |
| Jörg | Ach,
Wenn der Mond sich zeigt am Himmel magst du reiten auf einem Schimmel durch das weite Leben durch das weite weite weite magst du reiten auf dem Schimmel durch das weite Leben. schaut zu ihr Sie ist eingeschlafen, ich singe etwas vom Schimmelreiter, und sie schläft ein. Ob der Theodor das gut gefunden hätte? Wirklich gut gefunden hätte? Durch all die Zeiten zu reiten, durch den Sturm und dann doch nur den Tod zu finden, ist das das Leben? Ist es unser Leben? Und am Ende entscheidet sich lediglich, ob wir im X5B unsere Ruhestätte finden oder doch bloß in einem Leinentuch, etwa wie der arme Schiller, verscharrt und kaum mehr wieder gefunden. Bloß in seinen Texten lebt er fort, so lange sie mit uns leben, lebt er in seinen Texten fort. Womöglich hat er einen Platz dort oben, versucht einen Reim anzustimmen Oh Schiller, wenn du dort oben bist, und Gottes Brot frißt, Oh Schiller, wenn du dort oben bist während ich unten sitz, so mag es dir gut ergehen nach deinem Leben mag auch die Erde beben du darfst den Himmel sehen darfst den Himmel sehen. legt sich zum Schlafen neben Heike leise darfst den Himmel sehen |
Hausmeister kommt
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| HM | Da sind sie ja, die beiden. Schlafen, wie zwei Kinder, große Kinder, so wenig erwachsen, so sehr sie auch tun, als seien sie erwachsen. Reden ständig wirres Zeug, so Hochgeistiges und doch gelingen ihnen kaum die einfachen Dinge. Ich muß sie wecken, es geht nicht anders, eine Nacht konnte ich sie hier lassen, aber jetzt sind es bereits drei, wer zahlt meine Miete, wenn mich mein Chef entließe? Ich muß mich schließlich zuerst um mich selbst kümmern. Drei Tage, das sind immerhin drei Tage, genug Zeit, um ein anderes Quartier zu finden. Was laß ich mich von meinem Gewissen beißen? Bin ich Mutter Therese oder wie die hieß, oder n' Papst, Theo oder Leo der 13., egal, meinetwegen auch Benedikt, der läßt auch keinen Gestrandeten bei sich schlafen, warum auch, er ist schließlich der Papst und für die Gestrandeten hat er Mutter Therese und wenn sie tot ist, dann hat er sie als Heilige, und wenn er sie als Heilige hat, dann kann er sie vermarkten. Nein nein nein, Gott, verstehe mich nicht falsch, dein Stellvertreter ist n' lieber Kerl, klar, und womöglich ist er genau so lieb wie du oder er tut zumindest genau so lieb wie du, egal, es steht mir nicht an, über irgend wen zu richten, noch nicht einmal über mich selbst, egal, ich muß ihnen den Schlüssel weg nehmen, denn merkt das mein Chef, daß ich ihnen den Schlüssel gegeben habe, ich fliege womöglich raus und habe dann keine Mutter Therese, die mir helfen könnte und der Papst wartet so lange, bis ich heilig gesprochen bin, dann wird er meine Gebeine zu sich nehmen, sehr gerne. Ich muß sie wecken. |
Hausmeister geht zu den Schlafenden
|
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| HM | Hee, ihr beiden, aufstehen, aufstehen. |
| Heike | Welch unchristliche Stunde. |
| HM | Ich bin es nur. |
| Jörg | Der Hausmeister. |
| HM | Ja, der Hausmeister. |
| Jörg | So spät noch, kommen sie. |
| HM | Ihr wolltet mir den Schlüssel in den Briefkasten stecken, gestern schon. |
| Heike | Gestern. |
| HM | Ja, gestern, der Tag vor dem heutigen. |
| Heike | Ich weiß, wann der gestrige Tag war. |
| Jörg | Es war der letzte. |
| HM | Ja, der letzte vor dem heutigen. |
| Jörg | Entschuldige, das haben wir vollkommen verschlafen, können wir den Schlüssel nicht morgen in den Briefkasten stecken? |
| HM | Ihr hattet drei Tage Zeit, euch ein neues Quartier zu suchen. |
| Heike | Nur noch heute, morgen sind wir weg, Ehrenwort. |
| HM | Was habe ich von dem Ehrenwort, wenn ich danach arbeitslos bin. |
| Jörg | Nun ging es drei Tage, so wird es auch vier gehen. |
| Heike | Wir werden schon nichts sagen. |
| Jörg | Nein Heike, dann werden wir schon nichts sagen. |
| HM | Was, habe ich es so richtig verstanden? |
| Heike | Ja, dann werden wir nichts sagen, wir sind dann weg und alles ist gut. |
| HM | Das gibt es doch gar nicht, das hätte ich euch gar nicht zugetraut. |
| Jörg | Ist doch bloß die eine Nacht, morgen früh hast du den Schlüssel, Ehrenwort. |
| HM | Ha, auf euer Wort verlasse ich mich lieber nicht mehr, ich bleibe hier, dann könnt ihr noch bis morgen früh bleiben, den Schlüssel gebt ihr mir aber sofort. |
| Jörg | Meinetwegen. |
| Heike | leise zu Jörg Bist du verrückt, gebe ihn nicht raus. |
| Jörg | Ach ja, der Schlüssel, du meinst, Heike, wir haben ihn bei den übrigen Sachen im Schließfach im Bahnhof? |
| Heike | Nun schau schon nach, du wirst ihn doch nicht in das Schließfach gelegt haben, während ich hier auf die wartete? |
| Jörg | sucht seine gesamte Kleidung ab Verdammt, wo sind die Schlüssel. |
| HM | Nun reichts, dort liegen sie doch. schnappt sich die Schlüssel, die neben den Schlafsäcken liegt Und morgen geht ihr. |
| Jörg | Sei doch nicht so. Geduld ist doch nicht bloß den Engeln gegeben, auch den Menschen, sie mögen sich in Geduld üben, anstatt zu lügen, einfach in Geduld üben, vielleicht sogar einfach Geduld üben, als eine Übung, sei geduldig, Mensch, edel und fein. |
| HM | Was für ein gequirltes Zeugs. |
| Heike | Nee, der hat die Weisheit mit Löffeln gegessen, so scheints eher. Oder er ist in den Weisheitstrog gefallen, als Kind, wie Obelix damals in den Zaubertrank, ganz sicher, der ist bereits so weise, daß man ihm seine Weisheit als Dummheit auslegen kann. |
| Jörg | Laß es gut sein. Jedenfalls ist die Geduld das, was den Menschen ziemt, Geduld die erste Bürgerpflich, Geduld, das EinMalEins des Lebens. |
| HM | Glaub ja nicht, dass du den Schlüssel wieder zurück bekommst, morgen früh seid ihr verschwunden, klar? |
| Heike | Klar doch, werden schon was finden, sind ja bloß Minus 17 Grad draußen, ein Klacks für uns und wenn wir den ewigen Traum träumen werden, egal, dann werden wir eben den ewigen Traum träumen, Hauptsache, nicht erfrieren. |
| HM | Was soll ich dazu sagen. |
| Jörg | Nichts. Nichts, Nichts mußt du dazu sagen, denn es ist unser Leben. |
| HM | So ist es. |
| Jörg | Ja, unser Leben, ganz und gar unser Leben. |
| HM | Also, morgen früh seid ihr weg, ich gehe dann. |
| Jörg | Laß dich nicht aufhalten. |
| Heike | Tschüß. |
Hausmeister geht ab.
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| Heike | So ein Mist. |
| Jörg | Was soll es, nichts ist von Dauer. |
| Heike | Hör mal, ich kann dein Gesülze nicht mehr hören. Sage endlich, es ist scheiße, denn es ist scheiße. Du kannst doch nicht so gleichgültig sein. Hör mal, das geht mir auf den Sack. |
| Jörg | Es ist keine Gleichgültigkeit. |
| Heike | Gleichgültigkeit, wie du das schon sagst, natürlich ist es Gleichgültigkeit, was sonst. |
| Jörg | Ich glaube, es ist eine Lebenseinstellung. |
| Heike | Sich alles gefallen lassen, eine Lebenseinstellung! |
| Jörg | Sich nicht zu alles herablassen, das ist meine Lebenseinstellung. Und sie hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun, sondern mit einer Idee vom eigenen Leben.
Ja ja ja, sei ruhig, einmal ruhig, laß mir ein Mal einen Gedanken zu Ende bringen. Also, gut, kann ich fortfahren? Eine Lebenseinstellung also. Die da besagt, daß man lieber keine Scheiße anfaßt, wenn man nicht danach riechen will. Ganz einfach. |
| Heike | Nur das Schöne und Gute willst du anfassen. Und wer soll dann für dich die Scheiße weg räumen? |
| Jörg | Ich umgehe sie einfach, indem ich mich nicht mit ihr befasse, ganz einfach, und das kann jeder tun, dazu gehört nicht viel, statt Leid zu säen muß ein jeder bloß darauf bedacht sein, Wohltaten zu säen, dann wird er auch Wohltaten ernten. Verstehst du? |
| Heike | Bla Bla Bla
bla bla Blablablablablalalalalalalalalal hahaha lalalalallalallablablablalaaaaaa. |
| Jörg | Du nimmst gar nichts ernst. |
| Heike | Komm laß uns schlafen. |
| Jörg | Du willst Sex, jetzt? |
| Heike | Fällt dir etwas Besseres ein? |
| Jörg | Wir könnten miteinander reden, meinetwegen dabei kuscheln, etwas.
MIR IST JETZT NICHT NACH S E X. |
| Heike | Ich glaube, jetzt spinnst du, kann es sein, dass zu viel Weisheit doof macht. |
| Jörg | Die Liebe suche ich, meinetwegen auch den Hass, verstehst du, verstehst du nicht? |
| Heike | Komm runter, komm runter, von dort oben, komm runter, hier und jetzt leben wir. Und hier gibt es ganz normalen Sex, auch ganz ohne Liebe oder Hass, verstehst du. |
| Jörg | Ich tue alles was du willst, ich höre jedoch nicht mit dem Denken auf. |
| Heike | Sollst du doch gar nicht
gar nicht sollst bloß denken wie wir wie wir und alles wird gut gut. |
| Jörg | Ich stand in der Mitte vom Licht
erfaßt von allem Außergewöhnlichen trat ich ins ewige Nichts weg von allem Gewöhnlichen fand ich mich und dachte doch nur an dich.
Ist das gewöhnlich genug, für dich, sag es, g e w ö h n l i c h genug? |
| Heike | Mein Gott, du hast dich ja bereits verbogen, für mich,
sag, liebst du mich? |
| Jörg | Was soll ich sagen
ja und das muß dir genügen, ehe ich es mir anders überleg. |
| Heike | Komm, wir schlafen jetzt zusammen. |
| Jörg | Ich kann nicht.
Ich will nicht Nein, ich muß nicht. |
| Heike | Was?
Was meinst du? |
| Jörg | Ganz einfach
also ganz einfach: Muß ich deinen Körper lieben, wenn ich deine Seele liebe? |
| Heike | O.K, jetzt bist du vollkommen abgedreht.
DU mußt gar nichts mehr, denn ich will von dir gar nichts mehr. |
| Jörg | Gut
gut gut gut gut. |
| Heike | Morgen brauchen wir ein neues Quartier. |
| Jörg | Ja, morgen. |
| Heike | Ein schönes Quartier, ein Schloß. |
| Jörg | Mit einem großen Tor. |
| Heike | Und einem Portier. |
| Jörg | Und mit einem riesengroßen Garten. |
| Heike | Einen Park |
| Jörg | 20 Hektar groß. |
| Heike | Unendlich groß. |
| Jörg | Nein, endlich, und wir werden ihn vermessen. |
| Heike | Ja, wir werden Landvermesser sein. |
| Jörg | Und nach getaner Arbeit gehen wir zum Schloß. |
| Heike | Zu unserem Schloß. |
| Jörg | Und werden stets ein Heim haben. |
| Heike | Wenn uns der Portier herein läßt. |
| Jörg | Warum sollte er es nicht tun? |
| Heike | Wenn wir tagelang das Land vermessen gehen, vielleicht erkennt er uns nicht mehr. Wir verändern uns beim Vermessen, denn wir gehen Schritt um Schritt unser Leben ab, altern und altern, wäre es da verwunderlich, wenn er uns nicht mehr erkennen würde. |
| Jörg | Verwunderlich ja, aber ich hoffe doch auf ein Wunder. Vielleicht erkennt er uns wieder und er wird uns hinein lassen, ins Schloß unserer Sehnsüchte. |
| Heike | Vielleicht ja, vielleicht nein, vielleicht werden wir ewig vor dem Schloß verharren, angewiesen sein, auf unser Leben als Vermesser des Landes, Schritt um Schritt werden wir es messen. |
| Jörg | Wir suchen uns morgen lieber eine Hütte. |
| Heike | Ja, vielleicht eine Hütte, das wäre es doch. |
| Jörg | Eine kleine Hütte mit kleinem Garten. |
| Heike | Und ganz ohne Portier. |
| Jörg | Ja, ganz ohne, denn ohne kann uns keiner aussperren. Wir können jahrelang in den Welten spazieren gehen und fänden wir wieder heim, so kämen wir hinein. |
| Heike | Eine Hütte, aus Holz, mit ein zwei Fenster, einer Tür. |
| Jörg | Vielleicht ein Kamin. |
| Heike | Vielleicht ein Kamin, oder eben ein normaler Ofen. |
| Jörg | Was träumen wir hier herum. Selbst für eine Hütte werden wir nicht kommen können. |
| Heike | Wir müssen einfach daran glauben. |
| Jörg | Wie an Gott. |
| Heike | Es gibt den Gott der Armen und den Gott der Reichen. |
| Jörg | Es gibt nur einen Gott. |
| Heike | Und warum gibt es dann arm und reich? |
| Jörg | Weil es schon immer so war. |
| Heike | Nein, es gibt einen Gott für die armen und einen für die reichen Menschen. |
| Jörg | Ach, was du nicht meinst. Und selbst, wenn es stimmt, was du sagst, was nützte uns das? |
| Heike | Gibt es einen Gott für die armen Menschen, so wird er für uns sorgen, uns eine Hütte geben, ganz bestimmt. |
| Jörg | Und wenn es nur einen einzigen Gott gibt? |
| Heike | Das wäre wirklich ein Unglück. Wie sollte der eine Gott etwas für die armen und für die reichen Menschen gleichsam tun können?
Wie sollte er das? Täte er etwas für die reichen Menschen, so träfe er damit die armen und täte er etwas für die armen, so träfe er damit die reichen. |
| Jörg | Und ich dachte immer, es wäre Faulheit, nein, nun sitzt er da oben, über den Wolken, und kann nicht anders. |
| Heike | Ja, das ist bedauerlich, aber wir werden es überleben, und wenn nicht, dann werden wir zumindest nicht in diesem scheußlichen X5B begraben werden. |
| Jörg | Ja, der X5B, das Nonplusultra der neuzeitlichen Begräbniskultur. Ein Sarg wie er noch nie war. Ein Sarg wie aus dem Märchen. Ein Sarg, wie man sich ihn kaum erträumen mag. |
| Heike | Jörg Jörg Jörg
ein SARG mehr nicht, doch nur ein Sarg. |
| Jörg | Klar, ein Sarg, aber was für einer. |
| Heike | Doch und doch, bloß ein Sarg. |
| Jörg | Nein, es gibt schon einen Unterschied zwischen den Dingen, auch wenn sie gleich genannt werden, Käse ist eben nicht gleich Käse, selbst wenn er Edamer genannt wird, kann er so und so schmecken. |
| Heike | Hörst du! |
| Jörg | Was denn, Weib? |
| Heike | Das Klopfen! |
| Jörg | Sicher der Alte, komm wir lassen ihn rein. |
| Heike | Und der Hausmeister? Vielleicht läßt er uns doch hier weiter übernachten, aber wenn er morgen früh den Alten, hier bei uns sieht, er wird uns sicherlich sofort davon jagen. |
| Jörg | Es ist vorbei, er hat uns längst fort gejagd, eine Galgenfrist hat er uns gegeben, mehr nicht. |
| Heike | Untersteh dich, den Alten hinein zu lassen. |
| Jörg | Du kannst doch nicht so herzlos sein. |
| Heike | Was heißt hier herzlos. Es ist unser Quartier, vielleicht kann ich den Hausmeister überzeugen ... |
| Jörg | Ich lasse ihn rein ... |
| Heike | Nein... |
| Jörg | Doch. Öffnet die Tür, während ihn Heike daran hindern will. |
Der Alte kommt wieder herein.
|
|
| Alte | Oh, besten Dank. Wem habe ich diese Wende zum Notwendigen zu verdanken, sicherlich Ihnen, junge Frau, sie schauen so beherzt aus, sie scheinen das rechte Herz am rechten Fleck zu haben, links, wie man so schön sagt, als wenn die Linken stets recht herzlich seien.
Aber sei es drum. Besten Dank. |
| Heike | Alter, ich wollte, du gingest eher sofort als nur eine Minute später. |
| Alte | Warum plötzlich so garstig? Alle Schönheit ist dahin, Kind, dein Gesicht schaut wie das einer alten Frau, plötzlich, wie von einer alten Frau, warum so garstig? |
| Heike | Wenn es nach mir gegangern wäre ... |
| Jörg | Nun laß schon, sei froh, daß er nicht erfroren ist. Alter, hier hast du meinen Mantel, leg ihn dir um, dann frierst du nicht mehr. |
| Alte | Besten Dank, das nenn ich eine wahre Freundesgabe.
Übrigens kann ich euch vielleicht helfen, denn ich kenn die Putzfrau, und die kennt den Hausmeister, vielleicht kann sie ihn bitten, daß wir zusammen ein paar Tage länger bleiben dürfen. |
| Jörg | Siehst du, Heike, es hat sich doch gelohnt, den Alten wieder rein zu lassen. |
| Heike | Gar nichts hat sich gelohnt. Ich höre bloß haltloses Geschwätz. Er kennt die Putzfrau, na und, glaubt er denn, diese könnte den Hausmeister überzeugen? |
| Jörg | Versuchen, versuchen könnte sie es doch zumindest. |
| Alte | Richtig, das meine ich auch. |
| Heike | Meinetwegen, wenn es denn sein muß, aber es wird nichts bringen, wir werden uns morgen früh gleich nach einem neuen Quartier umsehen müssen. |
| Jörg | Egal, aber vielleicht ... |
| Heike | Vielleicht, vielleicht, vielleicht werden wir morgen zum Mond fliegen, vielleicht sogar mit dem X5B, dann bekäme dieses Ding wenigstens einen Sinn. |
| Jörg | Der X5B, schaut ihn euch an, der beste Sarg weltweit, ein Kunststück der Deutschen Ingenieurstechnik. |
| Heike | Ja ja, dem Ingenieur ist nichts zu schweur. |
| Jörg | Du lachst über alles. |
| Heike | Alter, wie hältst du es eigentlich mit dem Sex, dieser da, dieser junge Hengst hält gar nichts vom Sex. |
| Jörg | Heike! |
| Heike | Sei ruhig, sei du ruhig, ich habe den Alten gefragt. |
| Alte | Was soll ich antworten, Sex ist so profan wie das Kacken, ohne Sex wären wir alle nicht. |
| Jörg | Mit Ausnahme von Adam ... |
| Alte | ... und Eva. Mein Gott, klar, mit Ausnahme dieser beiden Geschöpfe. |
| Heike | Du bist also für Sex? |
| Alte | Was soll ich darum herumreden, genügt es nicht, zu wissen, daß es ihn gibt? |
| Jörg | Sag ich doch. |
| Heike | Klar, das genügt, wenn man daraus die richtigen Schlüsse zieht. Genau so wie man atmet, sollte man Sex haben. |
| Jörg | Nymphomanin. |
| Alte | Nein nein, so ist es nicht. Das ist ganz berechtigt, was sie sagt, wo wären wir ohne Sex? |
| Jörg | Im Paradies. |
| Alte | Wie langweilig. |
| Heike | Und es gäbe bloß Adam und Eva. |
| Jörg | Wie wären alle in Adam und Eva. |
| Alte | Worüber der Mensch sich streiten kann? Wie wunderbar, worüber sich Menschen streiten können. Ich staune immer wieder. |
| Heike | Er staunt. |
| Jörg | Ja, er staunt. |
| Alte | Entschuldigt, daß ich staune. |
| Heike | Wir entschuldigen auch dieses. Aber, wodurch soll sich der Mensch sonst vom Tier unterscheiden, wenn nicht dadurch, dass er sich gezielt mit Seinesgleichen streiten kann? |
| Alte | Vielleicht durch seine Humanität? |
| Heike | Ist das Streitenwollen etwa nicht human? Human! Sag es, Alter. Ist es ETWA nicht human. |
| Alte | Nenne es meinetwegen human. |
| Jörg | Täten wir nicht streiten, so gäbe es keine Täter. |
| Heike | Täteretä, mein Gott, ist der abartig doof. |
| Alte | Was sich liebt ... |
| Heike | ...das neckt sich noch lange nicht. |
| Jörg | Ich liebe dich doch. |
| Heike | Dann beweise es doch. |
| Alte | Er liebt dich. |
| Jörg | Was mischst du dich in unserem Streit ein? |
| Alte | Ich sähe euch so gerne als Adam und Eva. |
| Heike | Ein Romantiker. |
| Jörg | Ja, ein Spinner. |
| Alte | Nennt mich einen Romantiker, ja, nennt mich einen Spinner, aber Adam und Eva, das sind doch die beiden, weswegen wir leben. |
| Heike | Und lieben. Nur er, er will mich nicht lieben. |
| Jörg | Hier steht ein Sarg herum, und du willst Liebe. |
| Heike | Wo sonst, wenn nicht hier.
Ich hatte als junges Mädchen einen Traum, ich war ungeküßt und überlegte, was ich tun wollte, wenn ich bloß noch zwanzig Minuten leben würde. Ich wollte diese zwanzig Minuten der Liebe huldigen. |
| Jörg | Du kannst Träume haben. |
| Heike | Ja, damals wußte ich noch nicht, daß ich mir für 15 Minuten etwas anderes überlegen müßte. |
| Jörg | Klar, und was würdest du während der restlichen 15 Minuten tun wollen, kuscheln? |
| Heike | Was weiß ich, vielleicht die Welt retten. |
| Alte | Noch eine Weltenretterin |
| Heike | Die Welt zu retten, vor allen Übeln, das wäre es doch. |
| Jörg | Dann kannst du sie auch gleich auslöschen. |
| Alte | Oder, sie Paradies nennen. |
| Heike | Was habt ihr nur für einen schlechten Eindruck von dieser Welt. Sie ist viel besser, als ihr sie euch eralpträumt. Viel besser. Sie sprüht vor Humanität. Die Liebe ist in uns, unter uns, also mit uns. |
| Jörg | Die Liebe, wenn ich das schon höre. Ich habe sie gesucht, die Liebe. |
| Alte | Was suchst du das Unauffindbare. |
| Heike | Was suchst du das überall Sehbare. |
| Jörg | Nirgends ist sie zu finden, nichts von ihr. Umsonst hat er sich an das Kreuz nageln lassen. |
| Heike | Umsonst ist nichts auf dieser Welt. |
| Jörg | Alle Sünden wollte er uns nehmen, uns verzeihen, uns lehren, ein neues Leben zu begehen, wie einen neuen Raum. |
| Alte | Und ich dachte, ich sei der Romantiker. |
| Heike | Ja, er hat dich nicht umsonst herein gelassen, nicht umsonst, ist eben ein heilloser Romantiker und suchte dich, Alter, als sein Partner in Sachen Romantik. |
| Jörg | Was redest du nur, wer wollte denn Liebe, ich oder du? |
| Heike | Liebe, Ficken wollte ich, ficken.
Aber dieses Wort kennst du ja nicht. |
| Jörg | Wir verlieren unser Quartier und du denkst bloß an das Ficken. |
| Heike | Und wenn wir es gerade durch das Ficken gewinnen? |
| Alte | Wie Adam und Eva. Eine ganze Welt als Geschenk für's Ficken. |
| Heike | Alter, du bist doch nicht ganz so dumm. Ja, wenn ich nur noch zwanzig Minuten hätte, dann würde ich ficken, ficken ficken, und hoffen, dass ich eine neue Welt erhielte. |
| Jörg | Die Liebe, die Liebe hält uns hier, nichts weiter, nur die Liebe. |
| Heike | Wie willst du das Böse mit dem Guten erhalten? |
| Alte | Ja, die Welt entstand aus der Sünde, willst du sie wirklich durch die Liebe erhalten? |
| Jörg | Ja, durch die Liebe, auch wenn es sich falsch anhört. |
| Heike | Komm, fick mich, fick mich. |
| Jörg | Ich will nicht, ich will Liebe, die Liebe suchen. |
| Heike | Du bist zu gut für diese Welt. So wird sie untergehen, ganz klar, untergehen. |
| Jörg | Fick doch den Alten. |
| Alte | Ich bin bloß zufällig hier, schaue bloß aus Versehen vorbei, schaue sozusagen nach dem Rechten. |
| Jörg | Also ein Seher. |
| Alte | Was weiß ich, jedenfalls bin ich hier. |
| Jörg | Dann sage, was wird die Welt erhalten, wenn wir die Liebe suchen oder das profane Ficken betreiben? |
| Alte | Dafür brauche ich kein Seher zu sein.
Verzichteten die Menschen auf das Ficken, so sterben sie aus. Wenn die Welt bloß ist, weil Adam und Eva waren, dann würde die Welt mit ihnen untergehen, womöglich würden wir uns alle im Paradies wiedersehen, bestände die Welt weiter, so wäre sie vor den Menschen gerettet, Tiere und Pflazen könnten weiter bestehen, die drohende Umweltkatastrophe bliebe aus. Und fickten die Menschen sich weiter recht ordentlich, mein Gott, die Welt würde unweigerlich untergehen, denn lange wird die Welt die Menschen nicht mehr aushalten können. |
| Jörg | Und die Liebe? Sag Alter, die Liebe? |
| Alte | Fänden die Menschen die Liebe. Das wäre so, als würde der Löwe zusammen mit den Schafen weiden können, das ist bloß in der Bibel vorgesehen, für ferne Zeiten. Und niemand will wissen, ob diese Zeiten wirklich werden können, oder nicht, ja, jahrelang haben sich die Menschen den Gott hinweg gedacht und dachten, das wäre intelligent. |
| Jörg | Und doch, Alter, die Liebe ist es, die uns auf diesen Planeten hält. |
| Alte | Wenn es so wäre, dann gäbe es uns längst nicht mehr. Denn wo schaust du Liebe, sag es, wo schaust du Liebe, bloß Haß sehe ich, bloß Haß. |
| Jörg | Das ist es ja, was die Welt im Innersten zusammenhält, der Haß, denn innen ist die Hölle, seit Dante die hölle und Innen regiert der Haß, und gäbe es keinen Haß, so wäre auch keine Liebe bei uns.
Liebe, Haß. Haß Liebe, es ist das ewige Spiel um das Gleiche, das gleiche Gefühl, bloß in sich verdreht, zwei Pole an einem magneten, sich anziehend in ihrer Gegensätzlichkeit, ja, sich bedingend. |
| Alte | Wenn es so wäre, wie du es dir reimst, die Welt wäre nicht zu verbessern, alles hätte seinen Sinn, alles hätte seinen Platz, und sei es nur deshalb, um den Platz für das Andere zu sichern. |
| Heike | Redet redet redet, gequirltes Scheiß. Liebe, Haß, ein scih bedingendes Paar, Pole eines Magneten. Laßt es uns lieber mit Sex versuchen, so ließe sich die Welt retten. |
| Jörg | Still, sei Still, ein Geräusch. Weg weg, versteckt euch. (sie verstecken sich) |
Bestatter 1 erscheint.
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| Best.1 | Kommt herein, schaltet alles Licht an, dann aus, nur ein Spot auf den X5B, geht zum Sarg, streichelt die Oberfläche.
Mein Prachtstück. Du, mein Prachtstück, stecken in dir auch die profansten Kunden, du bleibst doch mein Prachtstück Ha, der Chef wollte dich eigentlich nicht, hätte ich nicht ein gutes Wort für dich eingelegt, du wärest bloß ein winziges Modell geblieben, jetzt bist du mein Prachtstück. Ja, er hat gestaunt, wer alles in dir sein wollte, das hat er nicht gedacht, er nicht. Ich schon, ich schon. Ich habe stets an dich geglaubt, ich wußte, dass du der Bestseller werden wirst. Du wirst bestellt und bestellt und bestellt, denn du bist es wert. Es gibt Urnen, schöne, teure und bunte, auch profane und welche mit intellektuellem Hauch, es gibt Särge, aus Eiche und Lärche, aus Buche, Kiefer und alles mögliche, zum Verbrennen nehmen sie auch ganz gerne welche aus Pappe. Und du, du bist mein X5B, dreht den Sarg in die Waagerechte, legt sich in ihn man liegt in dir wie im Himmelbett, wie im Himmelbett, nur zu schade, daß die Toten dich überhaupt nicht genießen können, sie sollten vor ihrem Ableben zumindest ein Mal probeliegen, für eine Nacht, ein Mal, das müßte genügen, damit sie dich richtig schätzen lernen. Ich muß den Chef überzeugen. Vielleicht geben wir einen Rabbat, für alle, die probeliegen wollen, oder, noch besser, wir nehmen dafür extra 50.000 Euro, das wäre es doch, denn nur, was wirklich etwas kostet, ist es auch wert. Von daher wären 50.000 Euro eigentlich ein viel zu geringer Preis, 100.000 ja 1 Million Euro müßten wir für eine Nacht mit dir verlangen. Ich muß den Chef überzeugen, ja, ich werde ihn zum Probeschlafen überreden, dann wird er nicht mehr über dich spotten, dann wird er dich anerkennen, dich, mein, mein Prachtstück nennen, ja, das wird er. Best. 1 schläft offensichtlich ein, schnarcht ein wenig, wacht wieder auf, als sich die drei anderen aus ihren Verstecken begeben wollen, beginnt zu singen.
Ich hatte einen Traum ich lag in einem Bett es war ganz nett denn ich bemerkte es kaum.
Ich schlief in meinem Prachtstück ein Stück so fein und heiß begehrt zu dem sich jeder gerne bückt es heiß und innig verehrt.
Ein Prachtstück wie es nirgends war so anders und doch so genial ein Prachtstück so gut wie Geld in Bar ein Prachtstück, und doch so lebensnah.
Ich hatte einen Traum ich lebte mit dir in dir alle anderen scherten uns kaum denn wir waren wir
Die Welt mag ständig untergehen Sonne, Mond und Sterne neue Fernen sehen alles mag sich verändern meine Liebe zu dir wird es nicht verhindern.
Ein Prachtstück wie es nirgends war so anders und doch so genial ein Prachtstück so gut wie Geld in Bar ein Prachtstück, und doch so lebensnah.
Heraus, heraus, mit Dir, leise Lump, wolltest wohl meinen Sarg stehlen, komm heraus und ich mach dir den Garaus, oh, welch Vergnügen wird es mir bereiten, dich in die anderen Gefilde zu geleiten, solltes du auch alles bestreiten, komm, komm, endlich heraus, laut ich werde dir auch nichts tun, glaub mir, leise solange bis ich dich bei mir habe, laut nun komme schon raus, ich tue dir nichts, komm, sonst komme ich und dann werde ich keine Nachsicht üben, du hast mein Wort, ich werde dir nichts tun, hörst du, mein Ehrenwort. |
Heike kommt hervor.
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| Heike | Ich bins nur. |
| Best.1 | Du bists? |
| Heike | Ja, deine ... |
| Best.1 | Tochter, was suchst du hier, an diesem Ort, wo alle Lebenslust sich auf einem Sarg erstreckt, ich dacht, du seiest in Amerika, hast du nicht geschrieben, du würdest ab sofort dort drüben leben? |
| Heike | Pa, so ist es eben im Leben, man sagt viel und tut etwas anderes. Und doch, ich wollte nach Amerika, habe bloß den Weg nicht gefunden, oder, wollte mich verlaufen, nicht das Glück finden, denn zu viel des Glücks macht närrisch, lieber wollt ich doch unglücklich sein, als mich vom Hier zu befrein, denn einzig frei lebt doch der Narr, alles andere ist unfrei, mag es sich auch frei nennen, so bleibt es doch unfrei. |
| Best.1 | Und so wähltest du zwischen der Unfreiheit und dem Narrentum, gut hast du gewählt, denn unfrei läßt es sich prima leben, viel besser, als wärest du ein Narr gewesen. |
| Heike | Das wir uns hier treffen. Du warst ein Mal ein berühmter Clown, ein Mensch auf dem Weg zum Narrentum, nun stehst du hier und ich weiß nicht weiter .... mein Gott, ich weine. |
| Best.1 | Wenn du wüßtest, eine größere Freude hättest du mir nicht bereiten können, jede deiner Tränen läßt mich erstrahlen, wie habe ich dir gefehlt, ganz sicherlich, wie hast du mich geliebt, ganz sicherlich, wie waren wir doch eins, ganz sicherlich. |
| Heike | Papa, du hast mir gefehlt und doch, jetzt würd ich gern gehen. |
| Best.1 | Wieso, wieso, wieso? |
| Heike | Ich hab gerad genug von deinem Glück erfahren, als daß ich weiter nach ihm hungrig sein möchte. Ich muß meinen eigenen Weg finden, mag er auch schief und krumm sein, mag er auch führen, ins Nichts, mag er mich verführen zu immer neuen Unstetigkeiten. |
| Best.1 | So bleibe doch, schau dir mein Leben an, schau, wie es gediegen ist, schau den X 5 B, das Nonplusultra der Begräbniskultur. |
| Heike | Ich hätte niemals gedacht, dich dereinst in einem Sarg wieder zu begegnen, jedenfalls nicht lebendig. Und dann in diesem Prunkding, wo bist du nur geblieben, Papa? Wo? |
| Best.1 | Dort, wo du mich zurück ließest konnte ich nicht bleiben, der Ort war mir zu dunkel, auf Dauer, ich mußte ans Licht, wieder die Liebe finden, verstehst du? Ich wäre verreckt, hätte ich mich nicht von dort fort bewegt. Ich fragte mich jeden Tag, ach, was, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, warum du gegangen bist. |
| Heike | Entschuldige, entschuldige Pa, nun weine nicht, ich mußte meinen eigenen Weg finden, wie sollte ich ihn finden, an deiner Seite, ihn finden, wenn ich an einem Fleck sitzen geblieben wäre. |
| Best.1 | Ja, du hast recht gehandelt, du hast recht gehandelt, aber verlange nicht von mir, dass ich an diesem Flecken sitzen bleibe, während du längst unterwegs bist. Nein, das verlange nicht von mir. |
| Heike | Verzeih. |
| Best.1 | Laß, laß, du brauchst gar nichts zu verzeihen, bin alt genug zum Leben meines Lebens, wahrlich alt genug. |
| Heike | Ma wäre auf dich stolz gewesen. |
| Best.1 | Ma hätte gewollt, dass ich dich zur Uni führe, sie wollte dich so gerne als Ärztin sehen, weißt du noch. |
| Heike | Sie, ja, ich, nicht. |
| Best.1 | Ja, so war es, und ich konnte ihr ihren letzten Wunsch nicht erfüllen. |
| Heike | Das war ihr letzter Wunsch? |
| Best.1 | Laß, ich sollte es dir gar nicht sagen, nein, sie wollte vor allem, daß du glücklich wirst, und wie es mir scheint, hat sich ihr Wunsch, erfüllt. |
| Heike | Glücklich, weint, glücklich, so ein großes Wort, glücklich. |
| Best.1 | Bist du es nicht? |
| Heike | Glück, was für ein Wort, nein, glücklich bin ich nicht. Und wer ist schon glücklich auf dieser Welt? Doch nur die Entrückten. Die Buddhas, Jesusse und die Irren. Sie allein sind glücklich, denn sie können es aus sich heraus sein, aus sich heraus, brauchen die Welt dazu nicht, sie könnte um sie herum einstürzen, und sie würden lächeln, entrückt lächeln, wie blöde lächeln, nein, glücklich bin ich nicht, ich bin ein Mensch, ein Mensch, versteh es doch, ein Mensch, ein ganz normaler Mensch. |
| Best.1 | Du bist meine Tochter, und ich liebe dich. Macht dich das nicht glücklich? |
| Heike | Ja doch, ja, wenn es dich glücklich macht.
Nun komm schon aus diesem dummen Ding heraus, das würde mich wirklich glücklich machen. Heike hilft ihrem Vater aus dem Sarg. |
Jörg und der Alte kommen aus ihrem Versteck.
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| Jörg | Das ist also dein Papa, von dem du stets so gut gesprochen hast. |
| Best.1 | Der Freund? Dein Freund, Heike? |
| Heike | Ja Pa, mein Freund. |
| Best.1 | Ein Arzt, ja? |
| Heike | Was hast du nur ständig mit deinen Ärzten, er hat Psychologie studiert. |
| Best.1 | Ein Psychologe, dann muß ich aufpassen, was ich sag. Na, nun rücken sie schon heraus, mit der Sprache, was haben sie über mich erfahren? Die zwanzig Minuten müssen ihnen doch genügt haben, um mich zu durchleuchten, mit ihrem Röntgenblick, klar, mit ihrer psychologischen Raffinesse. |
| Jörg | Nichts von alledem, wirklich nicht, darf ich Pa zu ihnen sagen. |
| Best.1 | Ha, wer sagt es denn, er hat mich bereits durchschaut. Junger Mann, nichts sehnlicher wünschte ich mir, als dieses. Ja, als daß sie Pa zu mir sagten. Ein Arzt in der Familie, davon träumte ich bereits, und, vielleicht macht es ihnen meine Tochter nach, Ärztin, das klänge recht hübsch, ich höre bereits die Münzen klingeln, während sie in deinem Geldbeutel verschwinden. |
| Heike | Pa, es ist gut, was soll der zukünftige Schwiegersohn von dir denken. |
| Jörg | Zumal mich derzeit andere Probleme drücken, als das schnöde Geld. |
| Best.1 | Das sagen alle, die zu viel von dem Geld haben, das sagen sie alle, als wüßten sie nicht, dass kein Mensch je zu viel von dem Geld gehabt hat, denn noch niemals hat sich ein Mensch für sein Geld vom Tode freikaufen können. |
| Heike | Weil das unmöglich ist. |
| Best 1 | Sage das nicht. Stell dir vor, du hättest Milliarden und du nimmst diese um die Forschung zu unterstützen und schwups die finden das Gen, welches für die Einleitung des Zerstörung des menschlichen Körpers zuständig ist oder die finden die Möglichkeit, den genetischen Lebensfaden wieder und immer wieder zu erneuern. |
| Heike | Als wenn das den Menschen glücklich machen könnte, ewig zu leben. |
| Best.1 | Was heißt glücklich, jedenfalls nicht unglücklich, Kind. |
| Jörg | Pa, ich darf doch Pa sagen? Also, Pa, uns drücken ganz andere Probleme, als das Geld. |
| Best.1 | Junge, wenn ihr ein Problem habt, dann raus damit, vielleicht kann ich es lösen. |
| Jörg | Wir haben ein Wohnungsproblem. |
| Best1 | Wenn das alles ist, euer ganzes Problem. Wer hat schon kein Wohnungsproblem, kein einziger Mensch, alle Menschen haben ein Wohnungsproblem. Mal ist die Wohnung zu klein, dann wieder zu groß, mal ist sie gerade richtig, was auch nicht recht ist, oder die Nachbarn sind zu laut oder zu leise, der Hund des Nachbarn sabbert oder knurrt, vielleicht schaut er auch zu oft zum Himmel. Womöglich baut der Nachbar sogar ein Maschendrahtzaun und der Vollmond scheint genau ins Schlafzimmer und wenn das nicht, dann ist es ärgerlich, weil er gerade nicht ins Schlafzimmer leuchtet. Wie gesagt, es gibt keinen Menschen ohne Wohnungsproblem. |
| Heike | Pa, wir haben da gewiß ein ganz anderes Problem. |
| Best 1 | Klar, jetzt erkenne ich meine Tochter wieder, sie hat stets ganz besondere Probleme. Junger Herr, daran werden sie sich gewöhnen müssen, sie liebt es einfach, ganz besondere Probleme zu haben. |
| Jörg | Das liebe ich so an ihr. Wobei, es ist wirklich ein ganz besonderes Problem. |
| Alte | Wahrhaftig, ein ganz besonderes Problem. |
| Best.1 | Sie sind? |
| Alte | Nicht der Vater des jungen Herrn, ich könnte es jedoch sein, vom Alter her, aber womöglich bin ich es nicht oder doch, egal, ich werd es nicht sein, und womöglich stimmt das sogar, wenn man bedenkt, dass ich zu dem Zeitpunkt, als der junge Mann gezeugt wurde, in Südafrika war. |
| Jörg | Pa? |
| Alte | Junger Herr, sind sie etwa in Südafrika geboren? |
| Jörg | Nein, meine Mutter lebte bloß bis zu meiner Geburt in Südafrika. |
| Alte | Und dann sind sie nach Deutschland gekommen? |
| Jörg | So war es wohl, genau so, wissen sie, so muß es gewesen sein und sie könnten mein Pa gewesen sein. |
| Best.1 | Junger Herr, dann hätten sie am heutigen Tage zwei Väter gewonnen, wer kann das schon von sich behaupten, einfach so zwei Väter zu gewinnen, wie nebenbei, quasi im Vorbeileben. Fast wie zufällig aber schon wieder viel zu zufällig, als daß es wirklich zufällig sein dürfte. Es scheint eher Absicht zu sein, göttliche Fügung, Vorhersehung oder dergleichen, ein Gott, der alles fügt, selbst über den Zufall regiert. |
| Jörg | Das wäre in der Tat ein Zauberstück. |
| Heike | Ich liebe euch alle. |
| Best 1 | Ich traue diesem Happy End nicht, ich traue eigentlich keinem einzigen Happy End, denn nach dem Ende beginnt stets etwas Neues und wer will schon behaupten, dass dieser Märchenabschlußsatz, "und von nun an lebten sie bis an das Ende ihrer Tage glücklich und zufrieden", hier auf Erden gelte, auch wenn er bloß ein Zitat aus der Hiobsgeschichte ist, oder ein Zitat vom späten Glück der Vaterschaft Abrahams oder vom späten Glück Josephs, ja, wer will diesem Satz schon Glauben schenken wollen? |
| Alte | An ihnen ist ein Philosoph verloren. |
| Best.1 | Nein, ich bin gerne für die Toten zuständig, interpretiere viel lieber den Tod, als das Leben. |
| Heike | Pa, wir haben wirklich ein dringendes Problem. |
| Best.1 | Was ist dringender als das Reden vom Glück? |
| Heike | Das Leben ist stets dringender als das Reden vom Leben. |
| Best1 | Wer nie über das Leben redet, der wird niemals sein Leben leben. |
| Heike | Und alles reden ist nichts, wenn nach dem ersten Wort nicht die Form entstanden wäre. |
| Best.1 | Und war die Form nicht zuvor? Denn es ist kein Wort, auch das erste nicht denkbar, ohne einleuchtende Grammatik. Ja, Junger Mann, sagen sie es, was war zuerst, das Wort oder die Grammatik? |
| Jörg | Wie soll das Wort existieren können, ohne Grammatik? |
| Alte | Und wie soll die Grammatik ohne Wort existieren? |
| Heike | Aus, Basta, es gibt dringende Probleme, verständigen wir uns einfach darauf, dass das Wort und die Grammatik gleichzeitig und zwar gleichzeitig zuerst waren. |
| Best.1 | Aber Gott sagt, zuerst war das Wort.
Aber, klar, wie sollte Gott diesen Satz sagen können, ohne Grammatik? |
| Heike | Du sagst es. |
| Best.1 | Wir drehen uns im Kreise. Und doch keines von Beiden ist nicht denkbar ohne das andere. Wie soll es aufgelöst werden, dieses göttliche Rätsel, oder bleibt es ein ewiges Paradox, ein nicht zu denkendes IST. Es ist, weil es ist. Und wenn Gott sagt, zuerst war das Wort, so meint er, zuerst war das Wort und die Grammatik. |
| Alte | Das geht nicht, eines muß wirklich zuerst gewesen sein, denn beides zusammen kann nicht zuerst gewesen sein, zuerst, da steckt doch bereits die Einzahl drin, im Gegensatz zur Zweizahl. |
| Best.1 | Recht schlau, recht schlau,
und könnte es nicht doch so gewesen sein, dass mit dem ersten Wort sogleich die Grammatik geboren, denn ohne Wort wäre die Grammatik nicht denkbar, denn sie erklärt sich in Worten, kein physikalisches Gesetz ist es eben, wie etwa die Fallbeschleunigung, nein, die Gesetze der Sprache werden und wurde mit Worten geschrieben. |
| Alte | Aber aber, Kleinkinder sollen auch dann eine Grammatik in sich haben, wenn sie von ihren Eltern, ihrer Umgebung kein einziges Wort kennen. Sie fügen dann ihre Laute so, dass sie einer bestimmten Grammatik folgen. |
| Best.1 | Das ist das Mirakel des Lebens, einiges wissen wir, ohne dass wir es wissen können, ohne es je gehört, erlernt zu haben, wissen wir es einfach, als steckte es uns in den Genen. |
| Heike | Genug, genug, ihr zwei. |
| Best.1 | Ja ja, dein ganz besonderes Problem, nun sag schon. |
| Heike | Pa, wir haben keine Wohnung. |
| Best.1 | Meine Tochter! Klar, sie hat wieder ein ganz besonderes Problem. Du willst doch nicht etwa sagen, daß ihr studiert habt, um jetzt auf der Straße zu leben? |
| Heike | Nein, natürlich nicht, es hat sich so ergeben. |
| Best.1 | Es hat sich so ergeben.! Es hat sich so ergeben! Nichts ergibt sich einfach so. |
| Heike | Ach, höre auf, ES IST WIE IMMER, du willst es nicht akzeptieren, dass ich ein Problem habe, an dem ich keine Schuld trage. |
| Jörg | Ich dachte, Heike hätte ein wenig über sie gelogen, mein Herr, nein, sie hat sie richtig beschrieben, sie herzloser Schwätzer. Philosophieren sie doch mit den Leichen, die brauchen sie nicht mehr, die können sie mit klugen Worten abspeisen. Und zuletzt ward das kluge Wort.
Davon werden sie auch nicht lebendig. Komm Heike, wir gehen, laß das Weinen, wir gehen. |
| Heike | Laß mich. |
| Best.1 | Meine Tochter. |
| Heike | Du Scheusal. |
| Best.1 | Ich habe bloß gefragt, wieso ihr wohnungslos geworden seid, und ihr regt euch gleich auf, als wenn diese Frage nicht erlaubt sei, bereits Aristoteles ... |
| Heike | HÖR AUF! |
| Alte | Ach, wie lieb ich Worte, wenn sie Taten künden, statt immer wieder Worte zu gründen. Es ist genug, Bestatter. Deine Ideale, all das Zeugs, was deine Worte treiben, alles ist nichts, nichts. |
| Heike | Nichts, so ist es, nichts. Wo bleibt deine Hand, wo bleibt deine Hilfe, nichts, nichts. |
| Best.1 | Ihr laßt mich ja nicht ausreden, dreht mir einen Strick aus meinen paar Worten, als hätte ich kiloweise Worte gesagt, nein, paar Gramm warens bloß, wenn ich mich recht entsinne, paar Gramm bloß.
Nicht viel Worte, und was für eine Gewese. Ich sage nie wieder ein Wort, kein einziges Wort zu viel. Ich werde still sein, bis an mein Lebensende, nur, damit meine Tochter mich versteht. Ja, ich werde nichts sagen, damit sie mich verstehen kann. Und wenn sie mich versteht, dann ist ihr klar, daß ich kein einziges Wort zu viel gesagt habe. Wieso sollte ich auch ein einziges Wort zu viel sagen? Warum sollte ich? Bin ich wirklich ein Schwätzer, und was zeichnet einen Schwätzer aus? Daß er viele Worte sagt? Oder daß er sogar bei den wenigen Worten, die er von sich gibt, bloß Unsinn redet? Ist es das? Gibt es wirklich ein Zuviel der Worte oder ist bloß das dumme Wort ein Wort zu viel? Gut, REDET MIT MIR, loß, REDET MIT MIR, ich bin doch kein Tier. Mit mir könnt ihr reden. Und hätte ich ein Zimmer für euch, ihr könntet bei mir leben. Aber, ich habe es nicht. |
| Heike | Wohnst du nicht mehr in unserer alten Wohnung? |
| Best.1 | Ja, doch, ja. |
| Heike | Und? |
| Best.1 | Was soll ich sagen, das Wohnzimmer gibt keinen einzigen Schlafplatz her und das Schlafzimmer kann ich euch nicht zumuten, dazu schnarche ich zu sehr. |
| Heike | Und mein Zimmer, mein Zimmer? |
| Best.1 | Was soll ich sagen,
was soll ich bloß sagen. es ist vermietet, klar, es ist vermietet. |
| Heike | An wen denn? |
| Best.1 | Eine Bekannte. |
| Heike | Du vermietest einfach so mein Zimmer, mein Kinderzimmer! Das Zimmer, in dem ich jahrelang gelebt habe, ja, aufgewachsen bin. Ausgerechnet mein Zimmer vermietest du.
Ich dacht, ich könnt zurück kommen und fände dann alles vor wie zuvor, so wie immer und stets, vielleicht ein wenig mehr Staub dazu, als üblich, schließlich ist Mutter nicht mehr. Und du. Du vermietest es einfach, an wildfremde Menschen. Die ich nicht kenne. Irgend eine Bekannte. Irgend wo aufgelesen. Und sie schläft jetzt in meinem Bett. Hängen die Poster noch? Ha, dann schaut sie genau ... .. ach, gut. Du hast ja recht. Mit welchem Recht klage ich, als wenn mir das Zimmer ewig zur Verfügung stehen könnte. Ich, warum klage ich! Ein dummer Mensch kann zumindest gerade aus schauen, selbst das gelingt mir nicht, sehe nicht einmal den geraden Weg, wie soll ich ihn dann finden? Lieber trauere ich meinem Kinderzimmer nach, als sei ich das ewige Kind. Und wie habe ich es gehaßt, damals, geschworen habe ich mir, nie wieder wollte ich einen Schritt in dieses Zimmer tun. Jetzt klage ich. Umsonst. Umsonst. Das Leben geht weiter und ich gehe mit. Ich gehe mit und stehe mit den anderen Gehenden in der Weltgeschichte herum. Stehend gehen wir zusammen den Weg, können uns dabei ganz genau beobachten, sehen, während die Stehenden uns kaum sehen, weil wir mit dem Leben gehen. |
| Best.1 | Laß die Schwermut Kind, alles wird gut, wenn die Leute heute gehen, nicht bloß so, sondern um ein wenig Spaß zu haben, so wie Dildo Horn. |
| Heike | Du mit deinen Namenswitzen, es hat sich wirklich nichts geändert, nicht, wirklich nichts. |
| Best 1 | Jetzt lachst du, jetzt bist du wieder meine Tochter, so wie ich dich stets kannte, ein fröhlicher Mensch, der sogar den Tod von Mutter verkraftete, gut, mein Gott, wie lange das her ist. Ewigkeiten, und doch, ich sehe sie vor meinen Augen, als sei sie erst gerade, soeben, gegangen. Nichts wird einfach so in die Ewigkeit abgeschoben, alles bleibt gegenwärtig als wollte es nie sterben. Ihr Haar, ihr volles Haar, ich sehe es vor mir, ich rieche es, ich fühle es zwischen meinen Fingern und an meiner Wange, wenn sie sich an mich schmiegte. Das Haar, das hast du von ihr, ja, ganz genau von ihr, das hat sie dir vererbt, auch wenn ihr euch sonst nicht gut verstanden habt, das Haar hat sie dir vererbt. Sie hat dich geliebt. Sie hat dich geliebt, wie sie sich um dich sorgte, als du klein wie ein Erdenwurm warst, jede Krankheit litt sie mit, mit mütterlichem Stolz, mit mütterlicher Kraft, mit mütterlicher Liebe. Unvorstellbar war ihre Liebe zu dir, und doch, habt euch zerstritten, einfach so, zerstritten, als wäre das alles nichts. |
| Heike | Sie hat mich geliebt. |
| Best.1 | Ja, das hat sie, mehr als du es glauben magst, hat sie dich geliebt, mehr, als ich es je könnte, hat sie dich geliebt. |
| Heike | Wieso hat sie mich dann gehaßt? |
| Best.1 | Sage das nicht. |
| Heike | Gehaßt
hat sie mich, gespürt habe ich es, ganz deutlich gespürt. |
| Best.1 | Vielleicht hat sie sich selbst gesehen, als sie dich sah und sie bemerkte, dass ihr Leben dem Ende zuging, während du in voller Schönheit, gerade erblühter Schönheit, vor ihr standest. |
| Heike | Ich bin ihre Tochter!
Sie hätte mir meine Schönheit verzeihen können, müssen, ganz einfach verzeihen, das hätte sie tun müssen, können. |
| Best.1 | Sie ist eine Frau gewesen, zwar deine Mutter, aber doch auch eine Frau. |
| Heike | Sie hat mich gehaßt. |
| Best.1 | So wie man sein Spiegelbild hassen kann. |
| Heike | Egal, ich bin mit ihr nicht klargekommen, sie war mir fremd, zwar Mutter, aber doch stets wie eine fremde Mutter. |
| Best.1 | Was du nicht sagst, jedenfalls hat sie dich großgezogen. |
| Heike | Das hat sie. |
| Best.1 | Und sie hat dich geliebt, am letzten Tag vor ihrem Tod, sagte sie es noch, sagte es mit leiser Stimme, hingehaucht, mehr als Seufzer, dass sie dich liebte. |
| Heike | Sie hat es also für nötig befunden, das extra zu betonen, als wenn eine Mutter solches betonen müßte.
Wenn sie mich wirklich geliebt hätte, kein einziges Wort hätte sie darüber verlieren brauchen, es wäre einfach klar gewesen, so klar wie gute Luft, am frühen Morgen, wenn sie unverbraucht vom Tage ist, duftet, nach Wiese, Bäumen, dem Wasser vom See, dem Nebel, der in der Luft liegt. So klar wie die Luft am Morgen, ja, sie hätte es nicht betonen brauchen. Mein Gott, ich liebe euch doch alle, hätte sie ebenso sagen können. Und Gott liebt uns auch, alle. Alle liebt er uns. Ohne Ausnahme. Eine schreckliche Liebe, wie ständige Hiebe, ein Joch auf unseren Schultern. |
| Best.1 | Gott liebt alle, doch wer liebt schon Gott. |
| Heike | Wie sollte man ihn lieben können? |
| Best.1 | Wie sollte man ihn nicht lieben können? |
| Heike | Gott liebt uns und doch läßt er uns an uns verecken? |
| Best.1 | Wie sollen wir lernen, wenn wir bereits perfekt wären? |
| Heike | Aber er könnte das Schlimmste verhindern. Hätte er Hitler, diesen Atheisten, nicht verhindern müssen? |
| Best.1 | Ja, dieser Hitler hat die Hölle auf Erden errichtet, und doch hat er ihn nicht verhindert, vielleicht, weil wir ihn selbst hätten verhindern sollen. Vielleicht sind wir nicht seine Mündel, vielleicht sind wir mündig genug, unser Leben selbst zu gestalten, und zu leiden, an unseren Irrtümern zu leiden, schließlich ist der Hitler gewählt worden, die Deutschen haben sich für ihn entschieden, wie die Juden sich für den Barabas entschieden. Alles ist offen und wenn er eingreift, dann bloß, um das Fundament vor unseren Preßlufthammern zu retten, bloß, um das Fundament zu retten. |
| Heike | Scheiß auf das Fundament, wenn ich keine Wohnung habe, scheiß auf das Fundament,
scheiß ... |
| Best.1 | Red nicht so verrückt daher wie eine Dahergekommene, sei vernünftig, sei ein Mensch. |
| Jörg | Laß ihn, laß ihn, er begreift unsere Sorgen nicht,
wir brauchen eine Wohnung, jetzt und sofort. |
| Heike | Ein Zimmer, ein Zimmer würde genügen. |
| Best.1 | Die Welt geht zugrunde und ihr sorgt euch um ein Zimmer, sorgt euch lieber um die Welt. |
| Heike | Die Welt
die Welt, das Zimmer ist unsere Welt .. |
| Jörg | Und wenn wir kein Zimmer haben, wieso sollte dann die Welt existieren dürfen? |
| Best.1 | Seid doch nicht so egoistisch und überhaupt, was hockt ihr hier herum, ihr könntet längst ein Zimmer suchen, denn nur wer sucht, der kann finden. |
| Heike | Ha, die suchen werden selig sein,
nein, unselig sind die die suchen, die nicht abwarten können, dass ihnen gegeben wird, ihr Anteil an dem, was man Welt nennt. |
| Best.1 | Ach, du redest wie Mutter. Genau so hat sie stets geredet und doch
wer nicht sucht, wer soll dann finden können? Alles geht an ihm vorüber, alles. |
| Heike | Ich will warten, was die Welt mir gibt, denn ich habe ein Recht darauf, dass mir gegeben wird genau so wie die Welt ein Recht darauf hat, dass ich warte. |
| Best.1 | Ha, warten, nehme dir dein Stück vom Kuchen, denn niemand wird es dir geben, einfach so geben, alles wird an dir vorbei gehen und du sitzt hier,
neben dir, vor einem Sarg den du dir nicht leisten kannst, ein Sarg, der dir zeigt, wo du nicht stehst, ein Sarg, so wunderschön, zu wunderschön für dich. |
| Heike | Scheiß,
auf den Sarg, was soll ich mit einem Sarg Mutter ist längst und ich kann warten und du kannst warten. Liebe, Liebe, ist es das nicht, was wir brauchen, Liebe, gegossen in vier Wänden, stabil genug, unsere Liebe in sich aufzunehmen, all den Haß zu ertragen, der mit ihr einher geht, als Zwilling als stets so gegenwärtiger Zwilling. |
| Best.1 | Kind, was hast du bloß mit deinem Herumgehasse, |
| Heike | Das Leben ist nicht Liebe
das Leben ist Haß, ja, Haß, einfach bloß Haß. |
| Jörg | Haß, ja, so nenne ich das auch, HAß. |
| Best.1 | Wie wollt ihr lieben können, wenn ihr so viel Haß verspürt. |
| Alter | Glaub mir, Bestatter, sie können es. |
| Best.1 | Können es,
du sagst es, können es, lieben und hassen vereinen zu einem, zwei Zwillinge in eins tun, als eines, als ein einziges Eines, nicht zu trennen, nur wer haßt, der kann auch lieben, wahrhaftig lieben das soll es also sein, das Leben, unser Leben, lieben und hassen, als gäbe es diese zwei Uneinigkeiten bloß als Einigkeit. |
| Jörg | Was führt ihr bloß für große Reden, Reden, Redenreden, als gäbe es nicht usner Leben, als müßten wir nicht leben, ein Lebenleben.
Mensch, wir brauchen eine Wohnung, ein Zimmer, hast du nun eins für uns oder nicht, und rede dich nicht heraus, mit Unsinnsgesage, philosophischen Dünngescheiße, rede dich nicht heraus, einfach so heraus. |
| Best.1 | Gern würde ich euch ein Zimmer überlassen, warum nicht, aber
ich habe kein Zimmer über, leider, soll ich etwa die Bekannte heraus werfen, einfach so heraus werfen, das geht nicht, ich stehe bei ihr im Wort. |
| Heike | Ich bin deine Tochter.
Ich bin deine Tochter, genügt das nicht, und stehst du nicht gerade bei mir in der Pflicht, bei mir? |
| Best.1 | Ja ich bin dein Vater, klar, dei Vater, un d doch, wie sollte ich dir eine Wohnung, ein Zimmer besorgen können, wennich keines habe? |
| Jörg | Komm, wir gehen, wir gehen, suchne uns eben woanders ein Zimmer. |
| Best.1 | Ja, das wird das Beste sein, geht und sucht. |
| Alte | Du bist mir ein Vater. |
| Best.1 | Was mischst du dich ein, Du? |
| Alte | Wie solte ich es nicht, was soll es, ich komme mit euch mitr, werden schon eine Wohnung für euch finden |
Jörg, Heike und der Altze gehen.
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